Deutschland liegt in den kommenden Tagen zwischen Tiefdrucksystemen über Nordeuropa und einem Hochdruckgebiet über der Mittelmeerregion. Entsprechend zweigeteilt ist das Wetter. Nach teils zäher Nebelauflösung kann über dem Süden mit Sonnenschein gerechnet werden. Lediglich am Mittwoch sind bei wechselnder bis starker Bewölkung vereinzelt ein paar Regentropfen möglich. Weiter nach Norden nimmt die Bewölkung zu und hin und wieder kann dort mit Niederschlägen gerechnet werden, welche sich in Richtung der Küstenregionen auch verstärken können. Erst zum kommenden Wochenende gelingt es einem Tiefdrucksystem, das Wetter über ganz Deutschland mit einem unbeständigen Wettercharakter zu beeinflussen.

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Kaltluftpumpe zwischen Kanada und Grönland wird in Gang gesetzt

So kann das erste Novemberdrittel mit etwas Niederschlag, etwas Nebel und Sonnenschein und örtlichem Nachtfrost als Jahreszeiten typisch bewertet werden, wenn im Trend auch leicht zu warm. Schaut man sich aber die Simulationen der Wettermodelle genauer an, so zeigt sich weiter im Westen ein kräftiger Kaltluftvorstoß in Richtung Atlantik, welcher das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz im weiteren Verlauf maßgeblich beeinflussen könnte.

Betrachtet man die Simulationen des Polarwirbels genauer, so fällt auf, dass sich permanent ein Hochdruckgebiet zwischen Alaska und den Aleuten nach Norden zwängen möchte. Da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, werden die Kaltluftströmungen im Polarwirbel weiter bis über dem amerikanischen Kontinent gezogen. Das europäische Wettermodell verstärkt dieses Strömungsmuster mit einem Hoch über dem westlichen Kanada. Wenn der Polarwirbel an einer Seite austrogt, so wird aller Voraussicht nach an den Flanken eine Welle nach Norden rauschen. Das kann man in den aktuellen Simulationen ganz gut erkennen.

So berechnet das amerikanische Wettermodell stets den Versuch des Azorenhochs mit dem Kontinentalhoch über dem westlichen Russland eine Hochdruckbrücke quer über Mitteleuropa aufzubauen und auch die Berechnungen des europäischen Wettermodells gehen in diese Richtung.

Was hat das für Folgen?

Es kommt im Detail darauf an, wie die Hochdruckachse verläuft und welche Position sie letztlich einnimmt. Liegt Deutschland am nördlichen Hochdruckgradienten, so ist mit einer milden Südwestwetterlage zu rechnen. Liegt das Hoch weiter nördlich, so gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz in eine kühle, teils kalte Nordostströmung (Kontinentalluft) und in der dritten Variante liegt das Hoch einfach quer über Deutschland, was einen zu Nebel neigenden Inversions­wettercharakter führen kann (oben warm, unten kalt). Die Konstellation aus der Hochdruckbrücke ist aber interessant, da sich für gewöhnlich das Hoch von der Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik nach Osten wegdrücken lässt und Deutschland auf die warme Vorderseite der Tiefdrucksysteme gelangt. Immerhin mal eine andere Variante, die da - von beiden Wettermodellen - simuliert wird.

Ein Wintereinbruch erscheint aus dieser Konstellation heraus zunächst einmal weniger wahrscheinlich und beschränkt sich auf die Variante einer Hochdruckbrücke westlich von Europa mit der Zufuhr kühlerer Luftmassen aus nordöstlichen Richtungen, was aber nicht selten mit Dauernebel einhergeht. Als Winterwetter kann man das nur bedingt bezeichnen. Anders sieht es aber aus, wenn der Wetterzirkus weiter nach Osten zieht und den Kaltluftstrom weiter nach Grönland und das europäische Nordmeer führt. Zaghafte Ansätze hierfür sind nach dem 10. November in den Simulationen zu erkennen.

Weitgehend normal?

Viel wahrscheinlicher aber ist eine Jahreszeit typische Wetterentwicklung bis zur Novembermitte. Das bestätigen auch die Kontrollläufe. So liegen die Mittelwerte des Temperaturspektrums tagsüber am 6. November zwischen +8 bis +9 Grad und sinken bis zum 15. November auf +6 bis +7 Grad ab. Die Niederschlagsneigung ist über dem Süden leicht und über dem Norden mäßig erhöht. Das spricht für eine überwiegende Hochdruckdominanz und einem zu Nebel neigenden Wettercharakter. Die Varianten der Kontrollläufe, welche Tageshöchstwerte von -2 bis +5 Grad im zweiten Novemberdrittel bringen könnten, haben zum heutigen Stand eine Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent. Der Herbst neigt sich eben seinem Ende entgegen und der Winter macht sich bereit, das Zepter zu übernehmen.

Diagramm Temperaturen im November 2017 vom 31.10.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im November 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Blick auf die Winterprognose

Das der November 2017 relativ normal ausfallen kann, zeigt sich auch in der jüngsten Wetterprognose des Langfristmodells von heute, dessen Abweichung mit -0,5 bis +1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert im normalen bis leicht zu warmen Bereich berechnet wird. Anders sieht es für die Wintermonate aus. Der Dezember und Januar wird über dem Süden mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm und über dem Norden mit +2 bis +3 Grad deutlich zu warm berechnet. Der Februar 2018 wird mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad über ganz Deutschland zu warm Simuliert. Die Niederschlagsneigung wird im Dezember etwas zu trocken, im Januar normal und im Februar etwas zu nass simuliert.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 31.10.2017

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