Zwar ist es in den letzten Stunden spürbar kühler geworden, aber Ende Oktober und Anfang November ist man noch Meilenweit weg von einem Wintereinbruch. Und dennoch - die ersten Schnee- und Graupelschauer wurden teils bis in tiefere Lagen schon vermeldet. Man merkt also, dass der Herbst im fortgeschrittenen Stadium angekommen ist. Das zeigt sich auch im Polarwirbel, dessen Einfluss auf das Novemberwetter mit hoher Wahrscheinlichkeit maßgebend sein wird.

Anzeige

Polarwirbel noch jung und instabil

Von den Aleuten her strebt nach den Berechnungen der Wettermodelle immer wieder ein Hochdruckkeil in Richtung Polregion vor. Im manchen Varianten resultieren hieraus auch die ersten Polarwirbelsplits. Ob das so kommen mag, bleibt mal dahingestellt. Aber viel wichtiger ist die Grundströmung, die durch solch ein Hochdruckeinschub entstehen kann. Hochdrucksysteme drehen sich im Uhrzeigersinn, was kalte Luftmassen nach Kanada und Grönland transportiert. So ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, als dass im ersten Novemberdrittel die Kaltluftmassen bis nach Neufundland herunter geführt und dort auf den Atlantik transportiert werden können.

Das amerikanische Wettermodell berechnet den Kaltluftvorstoß zum 3. und 4. November, was die Tiefdruckproduktion auf dem Atlantik mächtig einheizt und die Grundströmung kalter Luftmassen über dem östlichen Kanada bis nach Neufundland weitgehend aufrecht erhalten kann. Das europäische Wettermodell berechnet eine ganz ähnliche Entwicklung, was zu drei Wetterentwicklungen über Deutschland, Österreich und der Schweiz führen kann.

  • In der ersten Variante entsteht auf dem Atlantik ein Tiefdrucksystem nach dem anderen und zieht weiter nach Osten in Richtung Skandinavien, so entsteht von Neufundland über Island bis über dem skandinavischen Raum eine markante Tiefdruckrinne. Gleichzeitig verlagert sich das Azorenhoch mehr in Richtung Mittelmeerregion und Mitteleuropa, so dass zwischen beiden Wettersystemen eine relativ milde und leicht unbeständige Südwestwetterlage entstehen kann.
  • In der zweiten Variante flacht das Azorenhoch ab und ermöglicht der Tiefdruckrinne ein von West nach Ost verlaufendes Zirkulationsmuster. Die daraus resultierende Großwetterlage ist unbeständig, teils windig und bietet Optionen für weitere Sturmwetterlagen.
  • In der dritten Variante wölbt sich das Azorenhoch auf dem Atlantik steil nach Norden auf und schiebt die gesamte Tiefdruckrinne weiter nach Norden in Richtung Grönland. Am östlichen Hochdruckgradienten könnten die Tiefdrucksysteme über Deutschland, Österreich und der Schweiz von Nordwest nach Südost hinwegziehen. Nasskaltes Regenwetter wäre bei dieser Konstellation zu erwarten.

Kontrollläufe: eine Mischung aus zwei Varianten

Die Kontrollläufe berechnen wenig Wahrscheinlichkeiten für eine deutlich zu kalte Wetterentwicklung in der ersten Novemberhälfte. Gleich zum Start in den November sind bis zum 5. November vielmehr für die Jahreszeit etwa um 2 bis 4 Grad zu warme Temperaturen möglich. Erst nach dem 5. November zeichnet sich eine langsame Normalisierung der Temperaturen ab. Die Niederschlagsneigung bleibt über dem Norden Anfang November hoch, geht zum 3. bis 5. November etwas zurück und steigt darüber hinaus wieder an. Über dem Süden bleibt es bis zum 5. November weitgehend trocken und erst im weiteren Verlauf ist mit einer leicht ansteigenden Niederschlagsneigung zu rechnen. Eine turbulente Westwetterlage ist zwar nicht auszuschließen, aber nach diesen Berechnungen weniger wahrscheinlich. Vielmehr deutet das auf ein Wechselspiel von schwachem Tief- und Hochdruckeinfluss hin.

Diagramm Temperaturen im November 2017 vom 30.10.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im November 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell: Wetterprognose Winter 2017/18

Der November wird vom Langfristmodell mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad normal bis leicht zu warm und in der Niederschlagsneigung über dem Norden leicht zu nass und über dem Süden normal berechnet. Ganz gewöhnliches Herbstwetter.

Anders sehen die Simulationen - zum heutigen Stand - für den Winterverlauf aus. Die Abweichungen bewegen sich gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit +1 bis +2 Grad über alle Wintermonate hinweg im zu warmen Bereich und können über dem Norden und Osten mit bis zu +3 Grad auch deutlich zu warm ausfallen. In der Niederschlagsberechnung wird der Februar 2018 etwas zu nass und der Dezember leicht zu trocken berechnet. Der Januar 2018 soll demnach unauffällig gegenüber seinem Sollwert ausfallen.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 30.10.2017

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen