Es ist nicht mehr lange hin, bis dass die ersten Schneeflocken vom Himmel rieseln werden, wenngleich es am heutigen 15. Oktober mit verbreitet über +20 Grad und örtlich bis +25 Grad außergewöhnlich warm ist. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis ein markanter Wetterwechsel erfolgt und er wird von den Wettermodellen ja bereits in der kommenden Woche in Aussicht gestellt. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage Wetter Oktober 2017.

Schneedeckenausbreitung über Sibirien und der Einfluss auf das Wetter über Deutschland

Wir möchten heute unsere mehrteilige Serie über die sog. Randfaktoren mit der Schneedeckenausbreitung über Sibirien fortführen. Warum ist früher Schnee über Sibirien für einen Hochwinter über Deutschland wichtig? Zum Beginn des Winters hat der Schneefall über Sibirien noch keine sonderlichen großen Auswirkungen, je früher er aber eintritt und je rascher die Schneedecke anwachsen kann, desto förderlicher ist das in der Theorie für winterliche Großwetterlagen, welche von Sibirien ausgehend meist mit dem sich in Richtung Nordeuropa ausdehnenden Kontinentalhoch zusammenhängen.

  • Schnee hat die Eigenschaft Sonnenstrahlen zu reflektieren und einen Großteil der Energie zurück zu werfen (hohe Albedo)
  • Schnee reflektiert ca. 90Prozent der Energie, dunkler Boden nimmt 70 bis 80 Prozent der Energie auf
  • Die Schneedecke hält Wärme auf dem Boden zurück, wirkt also wie eine isolierende Schicht
  • Generell wirkt Schnee hemmend für hohe Temperaturen - egal bei welcher Wetterlage
  • Schnee holt sich die Feuchtigkeit aus der Luft, was wiederum zur Abkühlung der Temperaturen führt
  • Bei Tauwetter verzögert eine Schneedecke den Temperaturanstieg, da Energie für den Tauprozess benötigt wird

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Stark vereinfacht ausgedrückt: Schnee frisst Feuchtigkeit und sorgt für ein auskühlen der Temperaturen. Kalte Temperaturen gehen meist mit hohem Luftdruck einher, was wiederum die nächtliche Abstrahlung begünstigt und so setzt sich ein Prozess der langsam immer kälter werdenden Temperaturen in Gang - die Kälte produziert sich selbst. Das geht so lange, bis die Sonne wieder einen Stand erreicht hat, wo die Temperaturen ins Gegenteil umschlagen. Sibirien ist somit das Land, bzw. die Region der krassen Temperaturgegensätze. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Hochwinter im Januar tagsüber meist bei -16 Grad und gehen in den Nächten auf bis -25 Grad zurück. Ist das Wetter extrem, so können die Temperaturen auch schon mal bis an die -50 Grad Grenze absinken. Im Sommer erreichen die Werte meist +20 bis +22 Grad, wobei hier die Extreme auch bis über +30 Grad betragen können. Das macht im Normalfall einen Temperaturunterschied von 30 bis 40 Grad aus.


Was sibirische Kälte aus heißem Wasser macht

Auswirkungen der Schneedecke über Sibirien

Liegt also reichlich Schnee über Sibirien, so ist das für das Kontinentalhoch förderlich. Je früher der Schnee fällt, desto ausgeprägter und stärker kann das Kontinentalhoch werden. Das kann zu zwei wesentlichen Wetterereignissen führen. Zum einen kann ein stark ausgeprägtes Kontinentalhoch den Polarwirbel schwächen und zum anderen begünstigt eine Ausdehnung des Kontinentalhochs in Richtung Nordeuropa auch den Hochwinter über Mitteleuropa, welcher meist ab Mitte Januar zu erwarten ist.

Das Kontinentalhoch "produziert" also nicht nur Kälte, es "exportiert" diese auch in andere Regionen. Und sobald der Polarwirbel anfängt zu "wackeln", wird noch mehr Energie aus der Troposphäre absorbiert und der Polarwirbel weiter geschwächt. Ein schwacher Polarwirbel neigt dazu zu mäandrieren, was warme Luftmassen aus den niederen Breiten nach Norden und kalte Luft arktischen Ursprungs nach Süden führt. Sind die Bedingungen perfekt, ist auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz tiefstes Winterwetter möglich.

Es ist aber nicht zwingend, dass mit einem starken Kontinentalhoch ein kalter Winter über Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgen wird. Es ist lediglich ein begünstigender Faktor. Bspw. im Jahr 2016 war die Schneedeckenausbreitung über Sibirien sehr früh außergewöhnlich weit fortgeschritten. Trotzdem war der Dezember viel zu warm. Erst im Januar sorgte die fast dreiwöchige Hochwinterphase für eine deutliche Abkühlung, welche auch im Februar über dem Norden noch für eisige Temperaturen sorgte. Zwar war es im Winter 2016/17 keine begünstigende Hochdruckausbildung über Skandinavien, aber dennoch reichte der Hochdruckkeil über Mitteleuropa bis zum Kontinentalhoch und sorgte somit für die Dauerfrostperiode.

Aktuelle Schneedeckenausbreitung über Sibirien

Im noch sehr frühen Winterstadium ist die Schneedecke etwas weiter fortgeschritten als zur gleichen Zeit im Oktober 2016, ist aber etwas schwächer als 2015 oder 2014 (warme Winter) und ist in etwa mit den Jahren 2013 und 2010 zu vergleichen. Die Schneehöhe beträgt zwischen 5 bis 30 cm und zeigt keine sonderlichen Auffälligkeiten gegenüber den vergangenen Jahren.

Aktuelle Schneesituation Sibirien
Aktuelle Schneedeckenausbreitung Sibirien, Stand 14. Oktober 2017 © www.natice.noaa.gov

Zusammenfassung / Fazit

  • Eine frühe Schneedeckenausbildung über Sibirien fördert ein starkes Kontinentalhoch
  • Ein sehr kräftiges Kontinentalhoch hat größeren Einfluss auf den Polarwirbel
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch hat bessere Chancen sich im Hochwinter weiter nach Westen in Richtung Europa auszudehnen
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch ist nicht zwingend für einen kalten Winter verantwortlich. Maßgeblich muss die Großwetterlage passen
  • Aktuelle Ausbreitung der Schneedecke zeigt keine großartigen Auffälligkeiten gegenüber den letzten Jahren

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