Die Milderung Anfang Februar zeigt sich insbesondere in den Simulationen des amerikanischen Wettermodells nachhaltig, während das europäische Wettermodell Ansatzweise einen größeren Interpretationsspielraum ermöglicht (Details s. Wetter Februar).

Der Unterschied beider Wettermodelle liegt in der Berechnung der Hochdruckachse des Kontinentalhochs, welcher nach dem europäischen Wettermodell von Ost nach West und nach dem amerikanischen Wettermodell von Nordost nach Südwest verläuft. Je nach Hochdruckachse kann ein kleinräumiges Kaltluftgebiet ("Kaltlufttropfen") näher an Mitteleuropa herangebracht werden. Im Endeffekt wird es nun darauf ankommen, ob sich die atlantische Frontalzone gegen das Hochdrucksystem durchsetzen und damit eine Veränderung der Großwetterlage herbeiführen kann, oder ob das Hochdrucksystem für Mitteleuropa Anfang Februar doch noch dominierend bleibt.

Das amerikanische Wettermodell macht da mit dem Hochdrucksystem relativ kurzen Prozess - und das seit Tagen in einer stets gleichbleibenden Intensität. So rauscht die atlantische Frontalzone zum kommenden Wochenende in Richtung Deutschland und sorgt bereits bis Ende Januar für eine ansteigende Niederschlagsneigung mit zunehmenden Wind und ansteigenden Temperaturen. Potential für Starkwindereignisse ist jedenfalls vorhanden. Diese aktive West- bis Südwestzirkulation wird auch über den 3. Februar hinaus berechnet, so dass bis zum 9. Februar mit weiteren, teils kräftigen Niederschlägen und Windereignissen gerechnet werden kann. Die Temperaturen bleiben im gesamten Zeitraum vom 1./9. Februar unwinterlich und in dem für die Jahreszeit zu milden Bereich.

Die Kontrollläufe bestätigen den für die Jahreszeit zu milden Temperaturtrend mehrheitlich. So liegt der Mittelwert der Temperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe mit -1/+4 Grad über dem langjährigen Mittelwert, was für Tauwetter bis in höhere Lagen sorgen kann.

Insofern hat sich gegenüber gestern wenig verändert: der Trend der Milderung bleibt in den Simulationen des amerikanischen Wettermodells für das erste Februar-Drittel weitgehend bestehen. Unterstützung kommt vom Langfristmodell, welches das Wetter im Februar mit einer Abweichung von +1/+3 Grad von Tag zu Tag in die wärmere Richtung korrigiert. Gestern haben wir über theoretische Störimpulse referiert, welche die fast in "Stein gemeißelte" Milderung noch unterbinden, bzw. abändern könnten. Und das was das europäische Wettermodell heute Simuliert ändert zwar nichts an der Milderung, kann aber durchaus als Störimpuls verstanden werden, so dass ein nachhaltiger Südwest- bis Westdrift im ersten Februar-Drittel zum heutigen Stand noch in Frage gestellt werden kann.

Betrachtet man das Warming in Stratosphärenhöhe, so entsteht derzeit das erste Minor-Warming, welches seinen Höhepunkt mit bis zu +10 Grad am 28. Januar erreichen kann. Im Zeitraum darüber hinaus werden noch zwei weitere, schwächere Minor-Warmings berechnet. Sollte es jeweils bei einem Minor-Warming bleiben, so ist dies keine großartige Besonderheit. Lediglich bei einer Weiterentwicklung zu einem Major-Warming mit Umkehr der zonalen Winde in Stratosphärenhöhe von West-Ost auf Ost-West stellt eine Besonderheit dar und kann den Polarwirbel nachhaltig beeinflussen. Heute wird die Abschwächung der zonalen Windgeschwindigkeit wieder etwas stärker berechnet. Aktuell beträgt die Windgeschwindigkeit etwa +120 km/h (vor ein paar Tagen noch +210 km/h) und könnte das Minimum am mit +8 km/h Anfang Februar erreichen. Die positiven Vorzeichen bedeuten keine Umkehr, wobei dies eine wirklich knappe Angelegenheit werden und zum heutigen Stand ein Major-Warming per se nicht ausgeschlossen werden kann.

Schaut man sich die Berechnung des Polarwirbels nach dem amerikanischen Wettermodells an, so wird klar, warum es aus der Milderung kein "entrinnen" gibt. Ein Hochdrucksystem schiebt sich von den Aleuten in Richtung Polregion und wird dort von tiefem Luftdruck "plattgebügelt". In Folge dessen sorgen die Strömungsverhältnisse zwischen dem Tief und dem Hoch für eine fast vollständige Verfrachtung des Polarwirbels in Richtung Kanada / Grönland, was die für Mitteleuropa maßgebliche Wetterküche auf dem Atlantik "anheizen", bzw. aufrecht erhalten kann. Im Zeitraum vom 6./9. Februar schiebt sich das Aleutenhoch dann weiter in Richtung Polarregion vor und geht eine Hochdruckverbindung mit dem sibirischen Kontinentalhoch ein. Wenn man so will im Ansatz ein Polarwirbelsplit, jedoch für Freunde des Winters eine ungünstiger Ansatz, da dies ein sich selbst erhaltendes System darstellt, welches den "Kältewirbel" über Kanada quasi stationär halt. Jetzt wird es vielleicht auch ein wenig verständlicher, warum das amerikanische Wettermodell die Milderung so konsequent berechnet.

Die Berechnungen des europäischen Wettermodells sind ähnlich, jedoch mit dem Unterschied, dass das Hochdrucksystem von den Aleuten aus mit Achsausbildung in Richtung Alaska / Kanada nicht "plattgebügelt" wird und eine Hochdruckverbindung zum Kontinentalhoch über Nordskandinavien aufbauen könnte. In Folge dessen zieht es das Hochdrucksystem weiter über Skandinavien, was den nachhaltigen Durchbruch der atlantischen Frontalzone verzögern und unter Umständen auch verhindern könnte. Soweit sind die Simulationen zum heutigen Stand noch nicht und die weiteren Berechnungen der Wettermodelle müssen erst noch abgewartet werden. Insgesamt jedoch eine spannende Entwicklung. Mehr dazu heute Abend gegen 21:00 Uhr an dieser Stelle in einer Aktualisierung des Wettertrend Winter.

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