Wiederholt bekommen wir die Frage gestellt, wann und wie viel Schnee zu erwarten ist? Denn in einigen Regionen fehlt dieser weiterhin und auch das Sturmtief der letzten Nacht hat nicht die von manchen "erhofften" Ergebnisse gebracht. Nach den Berechnungen von heute Nachmittag und auch von heute Abend simuliert das amerikanische Wettermodell bis einschließlich den 17. Januar die Gesamtschneehöhe mit einer 0,1 bis 3 cm dünnen Schneedecke nördlich der Linie Köln - Rostock. Südlich davon ist in tieferen Lagen mit einer Schneedecke von 0,2 bis 5 cm, in mittleren Lagen von 3 bis 20 cm und ab den höheren Lagen von 20 bis 60 cm und mehr zu rechnen. Verantwortlich für die Schneedecke sind vor allem die Niederschlagsberechnungen der kommenden drei Tage bis einschließlich Montag. Denn im weiteren Verlauf sorgt eine Hochdruckbrücke von England über Skandinavien bis über das westliche Russland für eine nachlassende Niederschlagstätigkeit und zurückgehende Temperaturen, so dass am 20. Januar Tageshöchstwerte zwischen -5/-0 Grad zu erwarten sind. In den Nächten ist generell mit mäßigen bis strengen Nachtfrost zu rechnen.

Hält sich der Winter auch im letzten Januar-Drittel? Das amerikanische Wettermodell berechnete heute Nachmittag und auch heute Abend im Zeitraum vom 19./21. Januar die Verlagerung des Hochdrucksystems bis über England und Island. Das ermöglich einen größeren Spielraum für die Zufuhr kalter Luftmassen arktischen Ursprunges aus nördlichen Richtungen, was den Winter bis Ende Januar noch verlängern könnte. Insofern wenig Neues, denn diese Berechnungen zeigten sich bereits seit ein paar Simulationsläufen, sie zeigen aber auch, dass diese Entwicklung durch die erneute Berechnung eine zunehmend höhere Eintreffwahrscheinlichkeit erreicht.

Anders sind hingegen die Berechnungen des europäischen Wettermodells, welches das Hochdrucksystem über Skandinavien bis zum 20. Januar deutlich weiter südlich zwischen England und Deutschland berechnet, was eine frühere Milderung ermöglichen könnte. Ob diese Aufgrund der Gesamtkonstellation aber auch nachhaltig sein könnte, gilt zum aktuellen Stand noch zu hinterfragen

Die Kontrollläufe jedenfalls stützen winterliche Temperaturen mehrheitlich bis zum 25. Januar mit einem anschließend milder werdenden Temperaturtrend. So liegt das Temperaturspektrum am 24. Januar zwischen -7/+5 Grad (Mittelwert: -2/-1 Grad über dem Süden und Osten und -1/+1 Grad über dem Norden und Westen) und am 28. Januar zwischen -7/+8 Grad (Mittelwert: 0 Grad über dem Osten, +2 Grad über dem Süden und +3/+4 Grad über dem Westen und Norden). Mit anderen Worten berechnen die Kontrollläufe eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Milderung nach dem 24. Januar bei einer zunehmenden Niederschlagsneigung.

Interessant zeigten sich in den letzten Simulationen die Entwicklungen des Polarwirbels mit dem Abbau des Kältepols über Kanada und Grönland und den Kaltluftzustrom in Richtung Neufundland. Dieser Vorgang setzt den aktiven Westdrift zunächst einmal "außer Gefecht" und ermöglicht mit dem Hoch über dem skandinavischen und auch isländischen Raum das Konstrukt der "gestörten Zirkulation" (Ost-West statt West-Ost). Was führt dazu? Zwei Hochdrucksysteme führen dazu, dass sich der aktive Kältewirbel von Kanada/Grönland weiter nach Osten in Richtung Skandinavien, Barentssee, Karasee verlagern kann. Erst mit Hilfe eines Hochdrucksystem über Alaska zum 24./26. Januar gelingt der Rücktransport des Kältewirbels nach Kanada und Grönland. Das wiederum spricht für eine zunehmende Wetteraktivität auf dem Atlantik nach dem 24. Januar, was die Milderung bis zum 26./28. Januar über Mitteleuropa plausibler macht. Die Milderung über Mitteleuropa im Verlauf des letzten Januar-Drittels hängt aber noch von anderen Faktoren ab, so dass dies zunächst als Trend, bzw. Tendenz zu verstehen ist.

Denn ein ganz anderes Phänomen könnte die Milderung, bzw. eine nachhaltige Milderung in Frage stellen. Erneut berechnet das amerikanische Wettermodell heute Abend im Zeitraum vom 25./27. Januar ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe. Dabei steigt die Temperatur von -68 Grad binnen 48 Stunden auf +8 Grad an und man versteht nun auch, warum das Major Warming auch "plötzliche Stratosphärenerwärmung" genannt wird. Zumindest in der Simulation sind die Bedingungen hierfür erfüllt und sollte das dann auch so tatsächlich eintreten, so wären ein paar Tage später die Auswirkungen in den unteren Luftschichten ersichtlich - meist in Form eines Polarwirbelsplits, bzw. einer deutlichen Schwächung des Polarwirbels. In "Vollendung" dessen gibt es - vereinfacht ausgedrückt - in der Stratosphärenfläche eine Umkehr der zonalen Winde auf Ost-West, die aktuellen Berechnungen zeigen dies zumindest im Ansatz, letztlich bleiben diese aber bis auf weiteres zonal ausgerichtet. Warum ist diese Entwicklung so von Bedeutung? Angenommen es kommt zu einem Major-Warming mit anschließenden Polarwirbelsplitt. So steigt die Wahrscheinlichkeit in einen relativ kurzen Zeitraum für meridionale Wetterlagen, welche durchaus auch mild, häufiger im Winter aber über Deutschland, Österreich und der Schweiz kalt sein können. Ein Polarwirbelsplit könnte wiederum die gestörte Zirkulation nachhaltig verlängern, so dass eine hochwinterliche Wetterphase auch im Februar nicht auszuschließen wäre.

Betrachtet man den aktuellen Wettertrend des Langfristmodells, so wird der Februar 2017 südlich der Mittelgebirge mit einer Abweichung von -0,5/+0,5 Grad im weitgehend normalen und nördlich davon mit +0,5/+1 Grad im leicht zu milden Bereich berechnet. Die Niederschlagsberechnung wird für den Februar deutlich negativ berechnet, was auf eine längere Hochdruckwetterlage im Februar hindeutet. Zusammenfassend ist eine Milderung aus Sicht der Modellsimulationen im Verlauf des letzten Januar-Drittels durchaus plausibel, kommt es allerdings zum Major-Warming mit anschließendem Polarwirbelsplit, so sind hinter einer möglich nachhaltigen Milderung durchaus noch viele Fragezeichnen zu setzen.

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