Wie wahrscheinlich ein Wintereinbruch in den ersten Januar-Tagen geworden ist, zeigen auch die Simulationen von heute Nachmittag zum wiederholten Male. Das Hoch verlagert zum 1. Januar 2016 seinen Schwerpunkt von Mitteleuropa auf den Atlantik und geht dort in einen Hochdruckkeil über, welcher sich von den Azoren bis über Grönland erstrecken kann. So könnten im Zeitraum vom 2./3. Januar die Temperaturen verbreitet bis in den Dauerfrostbereich absinken und Niederschläge sollten im Verlauf des 2. Januar bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen können.

Trotz der zum wiederholten Male berechneten winterlichen Wetterentwicklung Anfang Januar 2017 bleiben Zweifel über die Nachhaltigkeit erhalten. Warum? Nach den Berechnungen von heute Morgen und auch heute Nachmittag fehlt der erforderliche Trogprozess über dem östlichen Europa. Ohne den Abtropfprozess der Tiefdrucksysteme über dem östlichen Europa fehlt dem Hochdrucksystem auf dem Atlantik die Unterstützung und kippt binnen weniger Stunden nach Osten weg, was nachfolgend einen größeren Entwicklungsspielraum für mildere Varianten eröffnet. Wir wollen an dieser Stelle für alle Fans des Winters keine Spielverderber sein, aber die Entwicklung gibt eben diese Möglichkeit her.

Vor allem auch weil der Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada zum 3. Januar weiter intakt bleibt und es nur eine Frage der Zeit ist, wie lange sich das Hochdrucksystem in blockierender Position halten wird. Mit anderen Worten ist ein Wintereinbruch in den ersten Januar-Tagen wahrscheinlich geworden - die Nachhaltigkeit lässt sich aber zum heutigen Stand nach den Simulationen des europäischen, als auch amerikanischen Wettermodells noch in Frage stellen.

Aber aus Sicht der Winterfreunde ist es zunächst einmal wichtig, dass dieses Betonhoch über Mitteleuropa seinen Einfluss langsam aber stetig mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren wird. Das bestätigen auch die Kontrollläufe mit einer zunehmenden Niederschlagsneigung im Zeitraum vom 1./9. Januar. Denn nur so sind auch andere Varianten möglich. Wie wahrscheinlich wäre ein nachhaltiger Wintereinbruch im ersten Januar-Drittel aus heutiger Sicht zu bewerten? Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), liegen am 1. Januar bei 5/45/50, am 4. Januar bei 45/30/25 und am 9. Januar bei 40/35/25. Auszuschließen ist ein nachhaltiger Wintereinbruch mit Schnee und Dauerfrost im ersten Januar-Drittel nicht, aber eben auch nicht in trockenen Tüchern.

Der Polarwirbel zeigt sich nach den jüngsten Berechnungen nicht gerade in einer stabilen Verfassung. So wird weiterhin das Hochdrucksystem Ende Dezember im Bereich über dem Nordpol simuliert, was den "Vorstoß" von hohem Luftdruck von Alaska/Aleuten her kommend in Richtung Polregion vereinfachen kann, Gleichzeitig strebt aber auch das Hochdrucksystem von den Azoren in Richtung Polregion vor, so dass im Ansatz zum 2. Januar ein Polarwirbelsplit zu erkennen ist. Allerdings mit der Problematik, dass nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells das Hochdrucksystem über den Aleuten keine direkte Hochdruckverbindung mit dem Azorenhoch quer über den Nordpol aufbauen kann.

Stattdessen kippt es nach Westen in Richtung Alaska weg und transportiert nachfolgend über das östliche Kanada erneut kalte Luftmassen, was die atlantische Wettermaschine wieder in Gang setzen könnte. Die zonalen Winde jedenfalls werden durchweg positiv berechnet., wenngleich der schwankende AO-Index der letzten Tage heute wieder eine normalisierende Tendenz mit anschließend negativer Entwicklung aufweist, während der NAO-Index neutral bis leicht positiv berechnet wird.

Was bedeutet das? Intakte zonale Winde bedeuten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein westlich orientiertes Zirkulationsmuster (das Gegenteil wäre die gestörte Zirkulation), ein negativer AO-Index eine höhere Wahrscheinlichkeit für Wellenbewegungen entlang der Polarfront (Trogwetterlagen) und ein neutraler NAO-Index deutet auf ein ausgleichendes Verhältnis von Azorenhoch zu Islandtief. In Summe spricht das für eine erhöhe Wahrscheinlichkeit für einen über Mitteleuropa nasskalten Wettercharakter, welcher überwiegend aus nordwestlichen Richtungen erfolgen und für die mittleren Lagen durchaus den Winter bringen kann. Die kommenden Tage werden in Bezug auf den möglicherweise bevorstehenden Winter sicherlich spannend werden, zumal die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells eine der wärmeren Varianten darstellen. Aus diesem Grund erfolgt heute Abend an dieser Stelle gegen 21:00 Uhr ein kurzes Update der Wetterprognose Winter 2017.
Update Wetter Winter 2017:
Das amerikanische Wettermodell berechnete heute Abend erneut die Verlagerung des Hochdrucksystems auf den Atlantik, so dass der Kaltluftstrom in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz in den ersten Januar-Tagen initialisiert werden könnte. Allerdings fehlt weiterhin der Trog über dem östlichen Europa, so dass dem Hoch auf dem Atlantik der "Partner" fehlt um weiterhin auf dem Atlantik gegenüber der Frontalzone standhaft zu bleiben. Das Hochdrucksystem verlagert sich somit vom 2. zum 3. Januar relativ rasch über Mitteleuropa und liegt zum 4. Januar schon über dem östlichen Europa und wird zum 5. Januar für das Wetter über Mitteleuropa relativ bedeutungslos. Das nächste Hochdrucksystem bildet sich zum 5./6. Januar im Bereich zwischen Grönland, Island und England und erhält die sich meridionalisierende Grundstruktur (Nord-Süd, Süd Nord) aufrecht, so dass nachfolgend kühlere Luftmassen arktischen Ursprungs nach Deutschland, Österreich und der Schweiz geführt werden können.

Das europäische Wettermodell stützt die kurze kältere Phase Anfang Januar, allerdings zeigt sich auch der Hochdruckblock auf dem Atlantik weniger Stabil und kippt zum 4. Januar über Mitteleuropa weg, so dass die nasskalte Temperaturphase von kürzerer Dauer sein könnte.

Die Kontrollläufe stützen für den Norden und Westen mehrheitlich eine nasskalte Variante im Zeitraum vom 2./10. Januar. So liegt der Mittelwert des Temperaturspektrums meist im Bereich zwischen +1/+2 Grad und sinkt zum Ende des ersten Januar-Drittels auf +0/+1 Grad ab. Anders die Berechnungen für Ost- und Süddeutschland, wo der Mittelwert ab dem 3. Januar mit -2/-0 Grad im negativen (Dauerfrostbereich) berechnet wird. Insgesamt sind die Kontrollläufe heute Abend noch etwas kälter geworden, was sich im Vergleich der Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), bspw. am 1. Januar bei 5/50/45 (heute Mittag: 5/45/50), am 4. Januar bei 40/45/15 (heute Mittag: 45/30/25) und am 9. Januar bei 50/30/20 (heute Mittag: 40/35/25) gegenüber heute Mittag zeigt.

AO-Index heute Nachmittag mit negativer Entwicklungstendenz, NAO-Index leicht negativ. Polarwirbel zeigt extreme Störungsimpulse bis hin zum vollendeten Polarwirbelsplitt noch im ersten Januar-Drittel. Minor-Warming Entwicklungsoptionen in Stratosphärenhöhe zum 2./3. Januar erkennbar, aber keine Major-Warming Entwicklung. Mit anderen Worten - es hat sich gegenüber heute Mittag nur wenig verändert. Die Entscheidung ob in den ersten Januar-Tagen der Winter über Deutschland nachhaltig Einzug halten kann ist noch völlig offen - und zwar mit einer nachhaltigen Zirkulationsstörung bis hin zum erneuten Betonhoch über Mitteleuropa in alle Richtungen offen.

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