Wann kommt der Winter? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Jahr 2016, dafür zeigt sich aber in den ersten Tagen des Januar 2017 eine absinkende Temperaturtendenz, was zum heutigen Stand mit einem nasskalten Wettercharakter zumindest einmal über mittleren Lagen die eine oder andere Schneeflocke ermöglichen könnte - im Detail bleibt das Entwicklungsspektrum für Anfang Januar noch hoch.

Der Grund für die zunehmenden Unsicherheiten in der Wetterentwicklung ist ein sich zum Jahreswechsel auf dem Atlantik positionierendes Hochdrucksystem, dessen Achsausrichtung noch unterschiedliche Strukturen annehmen kann. Vereinfacht ausgedrückt sorgt eine von West nach Ost verlaufende Hochdruckachse für windiges und unbeständiges bis hin zu einem ruhigen und trockenen Wettercharakter, während eine von Süd nach Nord ausgerichtete Hochdruckachse im Verbund mit abtropfenden Tiefdrucksystemen über Skandinavien in Richtung Mitteleuropa den Winter nach Deutschland, Österreich und die Schweiz bringen könnte.

Heute Morgen berechnete das europäische Wettermodell das Hochdruckzentrum zum 3. Januar im Bereich zwischen Grönland, Island Spanien und den Azoren. Gleichzeitig positioniert sich über dem Bereich Azoren, Spanien und dem nordwestlichen Afrika ein Tiefdrucksystem, was die Grundströmung über Mitteleuropa auf nördliche, später auch nordöstliche Richtungen drehen lassen könnte - aus mild wird nasskalt mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen.

Das amerikanische Wettermodell berechnete heute Morgen im Zeitraum vom 3./8. Januar das Hochdrucksystem in einer West-Ost verlaufenden Hochdruckachse, was in raschen Abständen Tiefdrucksysteme über Deutschland, Österreich und die Schweiz führen könnte. Vorderseite mild mit einer nachfolgend kühlen Rückseite. Das entspräche einem äußerst unbeständigen und auch windigen Wettercharakter mit kurzweiligen Optionen auf Schneefall mit der entsprechenden Rückseite des abziehenden Tiefdrucksystems, während das nachfolgende Tiefdrucksystem schon die nächste milde Vorderseite ankündigt. Klassisches "Erkältungswetter" mit wenig Chancen auf einen nachhaltigen Winter im ersten Januar-Drittel.

Heute Mittag berechnet das amerikanische Wettermodell eine sehr hohe Tiefdruckfrequenz von Neufundland her kommend in Richtung Mitteleuropa. Der hohe Luftdruck kann sich nach diesen Berechnungen nicht lange auf dem Atlantik halten und weit nach Süden "weggedrückt" - zu weit um seinen Einfluss auf das Wetter über Deutschland aufrecht zu erhalten, was in raschen Abständen die Tiefdrucksysteme über Deutschland hinweg rauschen lässt. Die Temperaturen schwanken dabei von kurz mild über nasskalt bis hin auch zu kälteren Varianten. Anders formuliert nasskaltes Schmuddelwetter mit Optionen auf die Ausbreitung einer Schneedecke ab den mittleren Lagen (500-700 Meter).

Im Detail mögen die Simulationen der Wettermodelle in den kommenden Stunden noch hin und her springen. Blickt man aber auf das große Ganze, so zeigt sich auch heute mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein Wetterwechsel im neuen Jahr mit der Beendigung der seit Wochen anhaltenden Hochdruckdominanz. Die Kontrollläufe stützen einen sich gegenüber dem langjährigen Mittelwert annähernden Temperaturspektrum. So liegt das Temperaturspektrum am 6. Januar zwischen -13/+9 Grad bei einem Mittelwert von +2/+3 Grad über dem Norden und Westen und -1/+0 Grad über dem Süden und Osten. Deutlicher zeigt sich der abnehmende Temperaturtrend im ersten Januar-Drittel anhand der Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), welche am 31. Dezember bei 5/30/65, am 3. Januar bei 15/45/40 und am 8. Januar bei 40/45/15 liegen. Wärmere Varianten spielen dabei eine immer weniger dominierende Rolle.

Der Blick auf die Berechnungen des Polarwirbels zeigt zum Ende Dezember die Ausbildung eines Hochdrucksystems über der Nordpolregion, was einen stabilen Polarwirbel grundsätzlich im ersten Januar-Drittel in Frage stellt. Warum? Dieses Hochdrucksystem ermöglicht den Hochdrucksystemen entlang der Polarfront einen "einfacheren" Einstieg in den Polarwirbel selbst, was wiederum zu höheren Wellenbewegungen entlang der Polarfront und somit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Trogwetterlagen führt. Als äußerst interessant sind dabei die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells mit einen zum 5. Januar starken Hochdruckeinschub in Richtung Nordpol von Alaska/Aleuten aus, was den Jetstream entlang der Polarfront über Mitteleuropa weiter nach Süden drückt und somit die Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa insgesamt weiter südlich positioniert. Stellt man sich nun vor, dass das Hochdrucksystem auf dem Atlantik anstatt eine abflachende, eine aufstrebende Achse in Richtung Polregion einnimmt, so entspräche dies dem Ansatz eines Polarwirbelsplits - dies wiederum wird nur von wenigen Kontrollläufen berechnet und bleibt zum aktuellen Stand im Bereich einer theoretischen Annahme.

AO- und NAO-Index bleiben "orientierungslos", zeigen aber eine positiv verlaufende Entwicklungstendenz auf (was ist der AO-Index, und was ist der NAO-Index?). Zusammenfassend steht mit höherer Wahrscheinlichkeit der Wetterwechsel Anfang Januar bevor, fraglich bleibt aber noch, ob er im ersten Januar-Drittel auch für einen nachhaltigen Wintereinbruch verantwortlich sein kann.

Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wettervorhersage Winter 2017 eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von -0,5/+0,5 Grad im normalen Bereich. Für Februar 2017 liegt die Abweichung mit +1/+2 Grad weiterhin im zu warmen Bereich. In der Niederschlagsentwicklung zeigt sich für Januar 2017 eine leicht negative Tendenz (zu trocken) und eine normale bis allenfalls leicht positive Tendenz im Februar 2017 (zu nass).

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