Ein nasskalter Witterungscharakter mit einer ansteigenden Niederschlagswahrscheinlichkeit ist derzeit die wahrscheinlichere Variante für Ende November, Anfang Dezember. Dabei bleiben die Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung noch bestehen und die Wetterlage ist insgesamt als komplex zu bezeichnen, so dass ein zu milder oder gar auch ein zu kalter Start in den Dezember zum heutigen Stand nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann (Details s. Wetter Dezember).

Entscheidend ob nasskalt, mild oder warm wird sein, wie sich das Anfang Dezember das sehr wahrscheinliche meridionale Grundmuster positionieren wird. Für alle die den Winter mit Dauerfrost und Schneefall herbeisehnen ist aber der Erhalt des meridionalen Grundmusters von Wichtigkeit. Warum? Würde sich eine Westwindzirkulation durchsetzen können, so würde dies wiederum den Polarwirbel stärken und die Westwindzirkulation - zumindest für eine Weile - stützen. Bleibt es jedoch beim meridionalen Grundmuster - welches von Nord nach Süd, bzw. von Süd nach Nord verläuft - so zeigt sich eine geringere Wahrscheinlichkeit eines Kaltluftvorstoßes zwischen dem östlichen Kanada, Grönland bis nach Neufundland, welches der "Winterliebhaber scheut, wie der Teufel das Weihwasser". Warum? Durch einen Kaltluftvorstoß in Richtung Neufundland wird die Wetterküche für Mitteleuropa in Gang gesetzt und ein Tiefdrucksystem nach dem anderen steuert auf Mitteleuropa zu. Die häufigsten daraus resultierenden Wetterlagen sind milde Südwest-, bzw. Westwetterlagen, welche für die letzten drei deutlich zu warmen Winter verantwortlich waren.

Nun aber zurück zum Wettertrend - wie stehen denn die Chancen auf Winter im ersten Dezember-Drittel? Das amerikanische Wettermodell ist sich weiterhin unsicher. War es gestern Abend noch eine kalte Variante, so wurde diese heute Morgen durch eine milde Variante verworfen. Heute Nachmittag ist es wiederum eine gemäßigt kalte Variante, welche in tieferen Lagen Schnee-, Schneeregen oder Graupelschauer bei nasskalten Temperaturen und ab mittleren Lagen mit Dauerfrost und Schnee den Winter ab dem 3./4. . Dezember gewähren lassen könnte. Auch hier ist der Trog, bzw. meridionale Muster entscheidend, nur dass der Trog statt über Westeuropa - wie heute morgen - nun über Mitteleuropa liegt. Somit können aus nordwestlichen Richtungen immer wieder Tiefdrucksysteme nach Mitteleuropa vordringen und dem Trog weiter stabilisieren. Die Luftmassen in der Höhe schwanken dabei im Bereich zwischen -3/-7 Grad , so dass die Schneefallgrenze zwischen 300-600 Meter liegen könnte.

Die Betonung liegt weiterhin auf könnte, denn blickt man auf die Kontrollläufe so wird schnell klar, dass sich der Hauptlauf des amerikanischen Wettermodells im unteren Bereich aller Varianten bewegt. So liegt das Temperaturspektrum am 3. Dezember zwischen -1/+10 Grad (Mittelwert: +2 Grad über dem Osten, sonst zwischen +4/+5 Grad) und am 7. Dezember zwischen -5/+12 Grad (Mittelwert: +3/+5 Grad). An dieser Stelle seit aber auch darauf hingewiesen, dass es bei einem meridionalen Grundmuster um ein "Hop oder Top" geht - entweder man liegt im Einflussbereich des Troges (dann kalt), oder eben auf dessen Vorder-, bzw. Rückseite (dann mild/warm).

Das Langfristmodell berechnet den Dezember 2016 mit einer Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von -0,5/+0,5 Grad im normalen Bereich, wenngleich der Trend über dem Norden mit -1/-0,5 leicht zu kalt und mit +0,5/+1 Grad über dem Süden leicht zu mild ausfallen kann. Für den Januar wird eine Abweichung von +0,5/+1 Grad im leicht zu milden Bereich berechnet, wobei über dem Norden der Temperaturtrend mit -0,5/+0,5 Grad auch normal ausfallen kann. Für den Februar 2017 bleibt die Abweichung mit +1/+2 Grad aber unverändert im deutlich zu warmen Bereich, so dass der Winter 2016/17 mit einer durchschnittlichen Abweichung von +0,5/+1 Grad gemäß den Berechnungen des Langfristmodells leicht zu mild ausfallen kann. Möchte man das Interpretieren und beobachtet dabei die Schwankungen entlang der Polarfront (Meridionalisierung), so kann man zum heutigen Stand durchaus davon auszugehen, dass dies ein Winter der Extreme werden könnte: mal warm, mal kalt, seltener normal. Gegen 20:45 Uhr erfolgt an dieser Stelle eine Aktualisierung des Wettertrend Winter 2016/17, dann u.a. auch mit der Betrachtung weiterer Langfristmodelle, der Überblick auf die abendliche Simulation der Wettermodelle, sowie den Zustand des Polarwirbels.
Update Wetter Winter 2016/17:
Zeigt das CFSv2 Langfristmodell eine leicht zu milde Temperaturentwicklung im Winter 2016/17 (s. weiter oben im Text), so möchten wir heute Abend die anderen Langfristmodelle näher betrachten. Das Langfristmodell des Deutschen Wetterdienstes berechnet den Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert weiterhin mit einer positiven Abweichung von +0,5/+1 Grad im leicht zu milden Bereich. Allerdings steht diese Berechnung konträr zur Jahreszeitenvorhersage des DWD, bei dem der Winter 2016/17 mit einer Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent zu kalt, 34 Prozent normal und 28 Prozent zu warm ausfallen könnte. Das Überrascht dann doch etwas und zeigt, wie unsicher derzeit die Prognosen für den Winter bleiben. Das Langfristmodell der NASA berechnet den Winter mit einer Abweichung von +0,5/+1 Grad ebenfalls im leicht zu warmen Bereich, wobei der Trend auch zu einer Abweichung von +1/+2 Grad und damit im zu warmen Bereich führen könnte. Das IRI Langfristmodell berechnet den Winter mit einer Wahrscheinlichkeit von 40-45 Prozent als zu warm und das METOffice zeigt mit einer Wahrscheinlichkeit von je 20-40 Prozent sowohl einen normalen, als auch zu kalten oder zu warmen Temperaturverlauf im Winter.

Wie ist das zu interpretieren? In Zeiten des Klimawandels werden die Winter wärmer - insofern wäre eine zu warme Winterprognose gar nicht einmal verkehrt. Und die Langfristmodelle berechneten lange Zeit den Winter als deutlich zu warm, passten nun aber in der jüngeren Vergangenheit ihre Simulationen an "leicht zu warm" an. Was ist der Grund hierfür? Vermutlich der instabile Polarwirbel, welcher entlang seiner Polarfront ein "gestörtes" und meridional ausgerichtetes Muster aufzeigt. Das stärkt die Wahrscheinlichkeiten für Trogwetterlagen, welche über Mitteleuropa im Winter häufiger für kalte Temperaturen als für warme Temperaturen verantwortlich sind. Insofern also eine spannende Angelegenheit.

Der AO-Index, welcher vereinfacht ausgedrückt den Zustand des Polarwirbels beschreibt, ist und bleibt zunächst einmal negativ, zeigt aber im ersten Dezember-Drittel durchaus auch Optionen positiv zu verlaufen. Somit könnte relativ früh im Winter eine Entscheidung bevorstehen, ob der Polarwirbel nachhaltig gestört bleibt, oder ob es ihm gelingt sich zu stabilisieren. Sollte er sich stabilisieren können, so wäre eine West-, Südwest-, oder Nordwestwetterlage nicht mehr weit. Der NAO-Index, welcher vereinfacht ausgedrückt das Verhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief beschreibt, zeigt im ersten Dezember-Drittel einen neutralen Trend mit der Tendenz auch negativ auszufallen. Das stützt wiederum die These der Trogwetterlagen.

Und was berechnen die Wettermodelle heute Abend? Das amerikanische Wettermodell berechnet heute Abend wieder eine milde Südwestwetterlage Anfang Dezember und liegt damit im oberen Bereich der Kontrollläufe, während Kontrollläufe selbst mehrheitlich eine nasskalte Variante Anfang Dezember stützen. Das europäische Wettermodell zeigt da schon etwas mehr Kontinuität und bleibt seiner nasskalten Nordwestwetterlage Anfang Dezember weitgehend treu.

Der Trend ist aber klar erkenntlich und verdeutlicht sich in den Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+1) / normal (+2/+6) / zu warm (>+7), welche am 3. Dezember bei 35/40/25 und am 8. Dezember bei 50/30/15 liegen. Varianten mit Dauerfrost haben am 3. Dezember eine Wahrscheinlichkeit von rund 15 Prozent und am 8. Dezember von 30 Prozent.

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