Man merkt es schon an der Länge der Texte in der aktuellen Wettervorhersage für November 2016, dass das Wetter im Detail komplexer wird. Es gilt nun nicht mehr nur zu unterscheiden, ob es Niederschlag geben wird, sondern in welcher Form und ab welcher Höhenlage er sich auch verfestigen und zudem auch noch liegen bleiben kann. Voraussichtlich ab Montag sinkt die Schneefallgrenze langsam auf unter 1.000 Meter ab und liegt am Mittwoch zwischen 300-500 Meter - je nach Intensität der Schauer (und besonders in den Nächten) sind Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen herab möglich. Mäßiger Frost zwischen -0/-7 Grad ist in der Nacht auf Mittwoch möglich, so dass man sich heute noch überlegen sollte, die Winterreifen zu montieren, oder montieren zu lassen.

Sowohl das amerikanische, als auch europäische Wettermodell berechnen den Zustrom arktischer Luftmassen noch bis zum 11. November. Darüber hinaus differenzieren sich die Berechnungen beider Wettermodelle.

Das amerikanische Wettermodell, welches bereits seit Tagen den Durchbruch einer westlich orientierten Grundströmung simuliert, berechnet diese Variante auch heute. So zieht vom 9./11. November das Tiefdrucksystem, welches für den Kälteeinbruch über Deutschland verantwortlich war, über das östliche Europa bis zum 11. November über die Ostsee nach Norden. Gleichzeitig gelingt der atlantischen Frontalzone der Abbau des Hochdruckkeils von den Azoren bis über die Barentssee, was letztlich die Abschnürung des bis dahin dominierenden Trog Mitteleuropa bedeutet. Das Strömungsmuster kann nach diesen Berechnungen im Zeitraum vom 11./19. November mehr und mehr auf westliche Richtungen drehen, so dass in raschen Abständen die Tiefdrucksysteme vom Atlantik her kommend Deutschland, die Schweiz und Österreich von West nach Ost überqueren können. Der Wettercharakter wäre somit als unbeständig, wechselhaft und teilweise als windig zu bezeichnen bei Temperaturen, welche sich mit +5/+8 Grad im Jahreszeit-typischen Bereich bewegen können.

Etwas anders hingegen die Simulation des europäischen Wettermodells. Hier kann sich bis zum 12./13. November ein kräftiges Tiefdrucksystem zwischen England, Deutschland und Skandinavien positionieren, während gleichzeitig ein Hochdruckkeil des Azorenhochs in Richtung Grönland aufstrebt und die Tiefdruckrinne von Neufundland über Island bis nach Skandinavien blockieren kann. In Folge dessen gelangt Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht in eine klassische Westwetterlage, sondern ein dominantes Tiefdrucksystem beeinflusst das Wetter bis zum 15. November über Deutschland. Ob mild, gemäßigt oder kühle Temperaturwerte vorherrschend sein werden, wird maßgeblich von der Position des Tiefdrucksystems abhängen. In den aktuellen Simulationen liegt das Tiefdruckzentrum zum 15. November über Skandinavien, was über Deutschland eher für Jahreszeit-typische bis leicht zu kühle Temperaturwerte sorgen kann.

Welche Wetterlagen wären noch möglich? Zwischen beiden Varianten ergibt sich noch eine ebenso abwechslungsreiche Nordwestwetterlage, bei der sich das Hochdrucksystem über den Azoren weiter nördlich positioniert, während ein Zentraltief über Skandinavien aus nordwestlichen Richtungen weitere Tiefdruckgebiete heranführt. Nach dieser Variante wäre das zweite November-Drittel als nasskalt zu bezeichnen mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen (400-800 Meter).

Die Gemeinsamkeiten beider Wettermodelle liegen jedoch in einer hohen Niederschlagserwartung im zweiten November-Drittel, welche so auch von den Kontrollläufen gestützt werden. Ebenfalls gestützt wird ein sich gegenüber dem langjährigen Mittelwert normalisierender Temperaturtrend. So liegt der Mittelwert des Temperaturspektrums im gesamten Verlauf des zweiten November-Drittels zwischen +6/+8 Grad. Deutlicher zeigt sich der positiv verlaufende Temperaturtrend anhand der Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+4) / normal (+5/+10) / zu warm (>+11), welche am 15. November bei 45/50/5 und am 20. November bei 35/45/20 liegen.

Sollte die Westwindzirkulation im zweiten November-Drittel nicht zustande kommen, so mehren sich die Hinweise, als dass sich aus einem Ausgleichsverhalten eine Erhaltungsneigung ergeben könnte - was das im Detail bedeutet und welche Auswirkungen das auf den Winter 2016 / 17 haben kann, klären wir morgen in unserem zweiten Teil der Reihe: Wie wird der Winter 2016 / 17? (1. Teil: Betrachtung der statistischen Werte)

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