Langsam, aber dennoch stetig greifen die Tiefdrucksysteme von Norden her auf Deutschland im Verlauf der kommenden Woche über. So bleibt es bis zum kommenden Freitag über dem Norden häufig stark bis wechselnd bewölkt und mit zeitweiligen - meist leichten - Niederschlägen ist dort zu rechnen, welche nach Süden sich abschwächen und dort nur für geringfügigen Niederschlag verantwortlich sein können. Die Temperaturen steigen bis zum Dienstag noch verbreitet auf +10/+15 Grad an, sinken aber ab Mittwoch mit einem auffrischenden Wind aus westlichen Richtungen auf Werte zwischen +6/+11 Grad ab und die Schneefallgrenze kann sich zumeist zwischen 900-1.400 Meter bewegen (s. Wetter November 2016).

Verantwortlich für den langsamen Temperaturrückgang ist ein Tiefdrucksystem über Skandinavien, welches sich bis zum 5. November über das östliche Skandinavien / westliche Russland verlagern kann. Auf seiner Rückseite können mit Hilfe eines Hochdrucksystems zwischen den Azoren und Island kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden geführt werden. Zwischen dem 4./6. November zieht an den südlichen Gradienten des Tiefdrucksystem ein weiteres Tiefdruckgebiet von Island nach Mitteleuropa heran und kann sich zum 5./6. November mit seinem Kern zwischen England, Frankreich und Deutschland weiter intensivieren. Das blockiert zunächst einmal die Kaltluftzufuhr nach Süden, so dass diese im Bereich zwischen dem westlichen Russland und Skandinavien verweilen können. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen dort bspw. am 6. November "frische" -8/-2 Grad. Über Deutschland können hingegen mit einer südwestlichen bis südlichen Anströmung der Luftmassen am 5. November zwischen +7/+11 Grad und entlang der Alpen mit Föhnunterstützung bis +17 Grad erreicht werden.

Über den 5. November hinaus gibt es - Aufgrund der unsicheren Tiefdruckposition - drei unterschiedliche Wetterentwicklungen. Die erste Variante zeigt ein sich stationierendes Tiefdrucksystem zwischen England, Frankreich und Deutschland, so dass die kalte Luft über Skandinavien weiterhin blockiert werden und über das westliche Europa nach Süden geführt werden kann. In Folge daraus wäre das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum 10. November als wechselhaft und Abwechslungsreich zu bezeichnen bei gemäßigt milden Temperaturen, welche durchaus den Jahreszeit-typischen Werten entsprechen können.

In der zweiten Variante verlagert das Tiefdrucksystem sich rasch nach Osten und gibt von Norden den Weg frei für die kalte Luft um bis nach Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Süden zu gelangen. In Folge dieser Variante wäre mit Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis auf mittlere Lagen und unter günstigen Bedingungen auch bis in tiefere Lagen hinab zu rechnen. Die Tageshöchstwerte würden in diesem Fall zwischen +2/+8 Grad liegen können und in den Nächten wäre mit Frost zu rechnen.

Die dritte Variante bringt "Schwung" in die Wetterküche. So sorgt der kurzzeitige Kaltluftausbruch nach Süden für eine erhöhte Wetteraktivität auf dem Atlantik, so dass in rascher Abfolge Tiefdrucksysteme aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa gelangen können. Trifft diese Variante ein, so wären die ersten Herbststürme bei einem unbeständigen Wettercharakter und für die Jahreszeit leicht zu kalten Temperaturwerten zu erwarten.

Blickt man auf die Kontrollläufe, so ergibt sich im ersten November-Drittel noch immer ein hohes Entwicklungsspektrum beim Wetter, wenngleich der Temperaturtrend der letzten Tage sich heute erneut bestätig - es wird kühler. Die Frage die sich aber stellt: reicht es für einen Wintereinbruch bis auf mittlere Lagen hinab? Geht es nach den Simulationen der Wettermodelle, so sind Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer im Zeitraum 7./9. November und 11./13. November bis auf mittlere Lagen hinab nicht auszuschließen. Allerdings hat das noch wenig mit einem Wintereinbruch gemeinsam, da sich mehrheitlich die Nordwestwetterlage durchzusetzen scheint. Die Kontrollläufe stützen ein Auf und Ab der Temperaturen im ersten November-Drittel mehrheitlich, bei einer gleichzeitig erhöhten Niederschlagsneigung. Das spricht ebenfalls für eine wetteraktive Nordwestwetterlage, bei der sich die Temperaturen in dem für die Jahreszeit normalen bis leicht zu kühlen Bereich befinden können. So liegt das Temperaturspektrum am 9. November zwischen -4/+10 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad über dem Norden und Westen und +3/+4 Grad über dem Süden und Osten) und am 15. November zwischen -6/+15 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad). Mit anderen Worten ist im ersten November-Drittel ein zunehmend nasskalter Wettercharakter zu erwarten, welcher ab den höheren Lagen (~700-1.200 Meter) für Schneefall und oberhalb etwa 1.000 Meter für eine anwachsende Schneedecke sorgen könnte.

Vergleicht man Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+5) / normal (+6/+11) / zu warm (>+12) gegenüber gestern Abend, so liegen diese am 9. November bei 80/15/15 (gestern: 50/40/10) und am 14. November bei 45/50/5 (gestern: 50/45/5). Varianten, welche für Schneefall bis in tiefere Lagen verantwortlich sein könnten, haben am 9. November eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent (gestern 5 Prozent) und am 14. November von 20 Prozent (gestern 10 Prozent) aufzuweisen. Insgesamt sind die Kontrollsimulationen gegenüber gestern wieder etwas kühler geworden. Zusammenfassend haben zu warme Varianten in der ersten November-Hälfte nur wenig Wahrscheinlichkeit sich durchzusetzen. Schneefalloptionen bleiben vor allem für die mittleren Lagen erhalten, wenngleich eine nasskalte Witterungsentwicklung bis Mitte November die derzeit wahrscheinlichste Variante darstellt.

Der sog. NAO-Index wird im ersten November-Drittel weitgehend im negativen Bereich simuliert, was eine Trogwetterlage über Mitteleuropa stützt (ist aber nicht mit zu kalten Temperaturen gleichzusetzen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöht ist) und steigt zum zweiten November-Drittel in den neutralen Bereich an. Der AO-Index zeigt einen ähnlichen verlauf - zunächst negativ mit der Tendenz im zweiten November-Drittel neutral auszufallen. Allerdings gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl an Berechnungen, welche den AO-Index noch etwas weiter in den negativen Bereich absinken lassen könnten. Wäre das der Fall, so wäre die Neigung zu Trogwetterlagen auch im zweiten November-Drittel als hoch einzustufen.

Die Schneeausbreitung über dem sibirischen Raum, welche für die Entwicklung des Kontinentalhochs eine wichtige Rolle spielen, schreitet weiter voran und beträgt zwischenzeitlich 30-80 cm und steigt auch im Verlauf des ersten November-Drittels über dem westlichen Russland und Skandinavien auf 5-30 cm an. Im Vergleich zu den letzten Jahren kommt die Schneedeckenausbreitung über dem russischen Kontinent deutlich weiter nach Westen voran.

Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wettervorhersage Winter 2016/17 eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert für den November von -0,5/+0,5 Grad im normalen, im Dezember 2016 mit +0,5/+2 Grad im leicht zu warmen bis zu warmen, im Januar 2017 mit +1/+3 Grad im deutlich zu warmen und im Februar mit +1/+2 Grad im zu warmen Bereich. Es hat sich also bei Langfristmodell gegenüber den letzten Wochen wenig verändert.

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