Wer noch keine Winterreifen montiert hat, sollte sich so langsam Gedanken darüber machen, wann die Winterreifen aufgezogen werden sollten. Denn mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zeigt sich zum heutigen Stand ein Kaltluftausbruch arktischer Luftmassen Anfang November bis über Deutschland, Österreich und die Schweiz reichend. Zwar werden die Temperaturen vielfach mit Werten zwischen +4/+8 Grad im nasskalten Bereich liegen, aber der eine oder andere Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer wäre demnach ab den mittleren Lagen (400-800 Meter) nicht auszuschließen. Früher sagte man einmal, dass ab Temperaturen niedriger als +7 Grad auf Winterreifen gewechselt werden sollte. Diese Theorie, bzw. Empfehlung ist zwischenzeitlich widerlegt und wen es interessiert, kann das bei Wikipedia im Detail genauer nachlesen. Aber genug über Winterreifen philosophiert, nichtsdestotrotz kann es Anfang November kälter werden, so dass in den Nächten die Wahrscheinlichkeit für Frost und überfrierende Nässe ansteigen kann (s. Wetter November 2016).

Der Grund hierfür ist die Konstellation der Wettersysteme zueinander. So liegt nach den Simulationen der Wettermodelle über dem Atlantik zwischen Grönland, Island England, Spanien und Frankreich ein Hochdrucksystem, während über dem skandinavischen Raum ein Tiefdrucksystem im Verbund mit dem hohen Luftdruck die kühlen/kalten Luftmassen nach Süden transportieren kann. Ob Deutschland, Österreich und die Schweiz davon betroffen sein können, bleibt im Detail noch abzuwarten, betrachtet man aber die Kontrollläufe und auch die Verhältnisse der Temperaturabweichungen, so liegt die Wahrscheinlichkeit bspw. am 3. November bei knapp 65 Prozent für die Jahreszeit leicht zu kühle (<+8 Grad) und bei 30 Prozent für zu kalte Varianten (<+5 Grad).

Da die kühle Luft gleichzeitig auf warme Luftmassen über der Mittelmeerregion stoßen kann, könnte auch ein Tiefdrucksystem über der nördlichen Mittelmeerregion initialisiert werden, welches sich bis zum 3. November über Deutschland, Österreich und der Schweiz positionieren kann. Somit könnte - pünktlich zu den Herbstferien - in den bekannten Skigebieten der Alpen Neuschnee hinzukommen.

Lange anhaltend sind solche Trogwetterlagen Anfang November meist noch nicht und blickt man auf die aktuelle Simulation des amerikanischen Wettermodells, so wird der Trogprozess zum 7. November abgeschnürt, was die Temperaturen wieder in einen Jahreszeit-typischen Bereich ansteigen lassen kann. So liegt das Temperaturspektrum der Kontrollläufe am 4. November zwischen +0/+15 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad über dem Süden und Osten und +6/+7 Grad über dem Westen und Osten) und am 7. November zwischen +0/+16 Grad (Mittelwert: +6/+7 Grad über dem Süden und Osten und +8/+9 Grad über dem Norden und Westen).

Zusammenfassend kann man noch nicht von einem "Wintereinbruch" Anfang November sprechen, vielmehr ist eine nasskalte Witterungsperiode wahrscheinlicher, bei der die Schneefallgrenze zeitweilig auf mittlere Lagen zwischen 400-800 Meter absinken kann. Insbesondere in den Nächten und bei entsprechender Intensität der Schauer wäre demnach auch in tieferen Lagen der eine oder andere Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer nicht auszuschließen.

Sucht man nach den Ursachen für die mögliche Trogwetterlage Anfang November, so ist diese im Polarwirbel zu finden. Der Polarwirbel selbst ist Anfang November als instabil zu bewerten und der Hochdruckkeil kann über England, Island, Grönland weit bis zum Nordpol vordringen, was die klassische West-Ost Höhenströmung verhindert und das Strömungsmuster zunehmend meridionalisiert (Nord-Süd, Süd-Nord).

Nun müsste sich das angedeutete Szenario sich auch im sog. NAO- und AO-Index Wert zeigen (was ist NAO-Index? | Was ist AO-Index?)? Das tut es auch, nach den aktuellen Berechnungen tendiert sowohl der NAO-, als auch AO-Index Anfang November deutlich in den negativen Bereich, was die Wahrscheinlichkeit eines Trog Mitteleuropa Anfang November stützt.

Das Langfristmodell simuliert in seiner heutigen Wetterprognose im November eine Temperaturabweichung von -0,5/+0,5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert im normalen Bereich. Für den Winter liegt die Abweichung in den Monaten von Dezember bis Februar im Schnitt mit +0,5/+2 Grad im leicht zu milden bis zu warmen Bereich, wobei der Dezember und Januar mit +0,5/+1 Grad etwas "kühler" als der Februar ausfallen können. Nach dem Jahreszeitenmodell des DWD GCFS1 liegt die Abweichung der Temperaturen gegenüber dem vieljährigen Mittelwert mit +0,5/+1 Grad im leicht zu milden Bereich. Das Langfristmodell der NASA berechnet den November leicht zu mild, den Dezember etwas zu kalt, den Januar normal bis leicht zu mild und den Februar etwas zu kalt. Das sog. IRI-Langfristmodell sieht eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Verlauf des Winters, während das METOffice Jahreszeitenmodell eine Wahrscheinlichkeit von 40-80 Prozent für einen zu milden, von 0-40 Prozent für einen normalen und von 20-40 Prozent für einen zu kalten Verlauf des Winters simuliert. Zusammenfassend berechnet- zum heutigen Stand - ein Langfristmodell einen normalen bis leicht zu kalten Verlauf des Winters - alle anderen simulieren einen leicht zu milden bis zu warmen Winter 2016/17.

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