Die Wetterdynamik nimmt in den kommenden Tagen zu und erreicht voraussichtlich zur Karnevalszeit am So./Mo. ihren vorläufigen Höhepunkt. Noch unklar ist die Windentwicklung am Faschingsdienstag, denn nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells könnte ein sog. Schnellläufersystem Deutschland überqueren. Dabei sind Extremwindereignisse mit orkanartigen Windböen nicht auszuschließen. Das europäische Wettermodell berücksichtigt das Orkantief in seinen Berechnungen nicht, so dass Veränderungen hinsichtlich der Windsituation in den kommenden Tagen noch möglich sind (Details s. Wettervorhersage Februar).

Der Westdrift ist voll aktiv und verhindert somit winterliche Witterungsverhältnisse in tieferen Lagen. Im Zeitraum zwischen dem 10./15. Februar verliert nach beiden Wettermodellen die Dynamik an Schwung, so dass Starkwindereignisse weniger wahrscheinlich werden, dass Strömungsmuster bleibt jedoch überwiegend westlich orientiert und sorgt mit einem Niederschlagsfeld nach dem anderen für weitere Niederschlagsaktivitäten. Dabei gelangt Deutschland, Österreich und die Schweiz mal auf die mildere Vorderseite, mal auf die kühlere Rückseite der Tiefdrucksysteme und je nachdem sind auch mal Schnee-, Schneeregen oder Graupelschauer nicht auszuschließen - mit winterlichen Verhältnissen hat das in tieferen Lagen aber wenig gemeinsam. Anders die Situation in den höheren mittleren und höheren Lagen ab ca. 700-1.000 Meter - dort ist durchaus mit der Ausbildung einer Schneedecke zu rechnen.

Die Wahrscheinlichkeiten für Winter bis in tiefere Lagen hinab sind bis zur Monatsmitte nach den Berechnungen der Wettermodelle als schlecht bis allenfalls mäßig zu bezeichnen. Die Kontrollläufe stützen diesen Trend mehrheitlich, wenngleich der Temperaturcharakter im Zeitraum 10./15. Januar im überwiegend nasskalten Bereich liegen kann. So liegt das Temperaturspektrum am 10. Januar zwischen -1/+12 Grad (Mittelwert: +4/+6 Grad) und am 15. Februar zwischen -4/+12 Grad (Mittelwert: +4/+5 Grad). Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), liegen am 12. Februar bei 10/50/40 (gestern: 5/50/45) und am 17. Februar bei 20/35/45 (gestern: 10/45/45) und weisen kaum Veränderungen auf.

Warum ist das so? Der sog. Westdrift entsteht durch die Zuführung kalter Luftmassen über das östliche Kanada in Richtung Neufundland und initialisiert über dem Atlantik die Tiefdruckproduktion, welche in ihrem Zirkulationsmuster nach Osten in Richtung Mitteleuropa abdriften. Je kräftiger der Kaltluftvorstoß in Richtung Neufundland ist, desto kräftiger auch die Tiefdrucksysteme und das Ablaufmuster verstärkt sich und ist weitgehend als stabil zu bezeichnen. Damit sich das verändern kann, muss an anderer Stelle eine Veränderung des Setups stattfinden. Dafür verantwortlich könnte weiterhin das starke Minor Warming in Stratosphärenhöhe sein (Temperatursprung von aktuell -72 Grad auf +8 Grad bis zum 6. Februar). Tritt das ein und kann sich darüber hinaus das Minor zu einem Major Warming entwickeln, so sind sprunghafte Veränderungen in den Simulationen der Wettermodelle möglich. Warum? Die Veränderungen betreffen hauptsächlich den Polarwirbel, welcher unter "günstigen" Voraussetzungen auch ein Splitverhalten aufweisen kann. Geschehen die Veränderungen über der Polregion noch im kleinen Maßstab, so können diese sich über den südlichen Breitengrade stärker auswirken - ähnlich eines Impulsgebers, welcher mit zunehmender Ausbreitung chaotischer wird. Die Wettermodelle berücksichtigen zwar die Auswirkungen eines Warmings auf die unteren Luftschichten, jedoch bleibt die Sprunghaftigkeit Aufgrund der unsicheren Positionierung der Wettersysteme über der Polregion hoch (s. Plötzliche Stratosphärenerwärmung). Wir wurden in den letzten Tagen des Öfteren gefragt, ob denn das Minor Warming unserer Einschätzung nach Auswirkungen haben könnte. Durchaus, wenngleich die weitere Entwicklung zu einem Major Warming derzeit noch nicht erkennbar, bzw. Simuliert wird - das Potential hierfür ist aber vorhanden.

Deutlicher zeigt sich auch die Schwächung des Polarwirbels im Verlauf des zweiten Februar-Drittels anhand des AO-Index, dessen Wert zwischenzeitlich deutlich negativ berechnet wird. Der zweite Indikator für eine Wetterumstellung ist der sog. NAO-Index, dieser bleibt aber in einem leicht positiven Bereich und bestätigt die Oben angeführten Simulationen der Wettermodelle. Das Langfristmodell simuliert gegenüber dem langjährigen Mittelwert eine Temperaturabweichung für Februar, welche mit +2/+4 Grad im deutlich zu warmen Bereich liegen kann. Es gibt also nicht sehr viele Signale für eine nachhaltige Rückkehr des Winters. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend an dieser Stelle gegen 21:00 Uhr in einem kurzen Update der Wetterprognose Winter.
Aktualisierung:
Das Wetter wird Abwechslungsreich: heute Schneeschauer bis auf 400 Meter runter - in der Nacht teils bis in tiefere Lagen. Am Donnerstag wechselhaft & nasskalt - Schneeoptionen ab den mittleren Lagen. Zum Wochenende milder, am Sonntag, Rosenmontag und evtl. am Faschingsdienstag in Böen stürmisch - je nach Wettermodell auch Starkwindereignisse mit Schnellläufersystemen möglich. Ab Dienstag wieder zunehmend nasskalt mit Schneeoptionen ab mittleren Lagen und zum Wochenende wieder milder. Dieses Auf und Ab der Temperaturen gehört zu einer typischen Westwetterlage, bei der Vorderseitig milde und Rückseitig kühlere Luftmassen herangeführt werden. Allesamt für tiefere Lagen unwinterlich. Daran wird sich nach den Simulationen der Wettermodelle bis zur Monatsmitte wohl auch kaum etwas verändern. Warum? Der sog. Westdrift ist zu intensiv und schaut man z.B. auf den Zeitraum zwischen dem 10./14. Februar so simulieren beide Wettermodelle den nächsten kräftigen Kaltluftvorstoß über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland, was die nötige "Energie" für den Erhalt der Westwetterlage liefern könnte (Erhaltungsneigung). Das Warming in Stratosphärenhöhe wird heute Abend stärker berechnet und erreicht mit +12 seinen vorläufigen Höhepunkt am 7. Februar (Temperatursprung von -72 Grad: Differenz 84 Grad!!!). Geht es nach der Theorie, so finden bei einem Major Warming möglicherweise 2-7 Tage zeitversetzt die Auswirkungen in den darunter liegenden Luftschichten statt. Aktuell kann sich das Minor Warming nicht zu einem Major Warming weiterentwickeln und so ist auch in den Simulationen davon nichts zu erkennen. Lediglich der AO-Index rutscht im zweiten Februar-Drittel in den deutlich negativen Bereich und deutet eine Instabilität des Polarwirbels an. Abwarten ob was passiert ist derzeit die Devise - ansonsten gilt der abwechslungsreiche Westdrift bis Mitte Februar als die wahrscheinlichere Variante.

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