Bis zum Donnerstag kommender Woche bleibt es über Deutschland winterlich. Am Dienstag und Mittwoch kann ein Niederschlagsband auf den Süden von Deutschland übergreifen und dort bei etwas milderen Temperaturen für die unterschiedlichsten Niederschlagsformen sorgen, sonst bleiben die Temperaturen zumeist im Dauerfrostbereich (s. aktuelle Wettervorhersage).

Ob der Winter auch für längere Zeit in Deutschland verbleiben kann, hängt auch heute maßgeblich davon ab, wie sich das Hochdrucksystem positionieren wird. Die Wettermodelle sind sich auch heute noch nicht über die letztliche Position einig, was aber für die Fortdauer des Winterwetters entscheidend ist.

Das amerikanische Wettermodell simuliert zum kommenden Wochenende eine Abflachung des Hochdrucksystems über den Bereich Azoren, westliches Mittelmeer. Gleichzeitig kann sich die atlantische Frontalzone bis über den skandinavischen Raum positionieren, so dass die Grundströmung über Deutschland, der Schweiz und Österreich auf südwestliche Richtungen drehen kann. In Folge daraus wird es nicht nur milder, sondern auch unbeständiger. Wie mild kann es werden? Simuliert werden zum 24. Januar Temperaturen zwischen +1/+5 Grad. Darüber hinaus gelingt es der atlantischen Frontalzone jedoch nicht, ihre Position über Skandinavien zu festigen, da der Hochdruckkeil des Hochdrucksystems über dem westlichen Mittelmeerraum nach Norden strebt. So wird im Zeitraum 25./31. Januar die atlantische Frontalzone weitgehend blockiert und dem Hoch gelingt der Aufbau einer Hochdruckbrücke bis über Spitzbergen und gleichzeitig positioniert sich ein Tiefdrucksystem über dem westlichen Russland. Im Verbund beider Systeme gelingt der Zustrom Luftmassen arktischen Ursprunges in Richtung Mitteleuropa. Die Simulation ist der von Anfang Januar recht ähnlich, als es über Deutschland eine Luftmassengrenze gab.

Das europäische Wettermodell simuliert das Hochdrucksystem zum 23./24. Januar in anderer Position. So verläuft die Hochdruckachse vom westlichen Mittelmeer bis über Skandinavien in einer Winkelform, was die atlantische Frontalzone zunächst daran hindert, sich bis über Skandinavien ausweiten zu können. Deutschland. Österreich und die Schweiz verbleiben demnach bis zum 24. Januar noch weitgehend im kalten Bereich - ob es über dem Westen, Nordwesten und Südwesten noch für Dauerfrost reichen wird, bleibt abzuwarten. Nachfolgend wird der Hochdruckkomplex nach Osten abgedrängt und Deutschland gelangt auf den westlichen Strömungsgradienten des Hochdrucksystems, was die Zufuhr höhenmilder Luftmassen ermöglicht. Im zunächst noch gradientenschwachen Umfeld setzen sich die milden Luftmassen nicht schlagartig bis in tiefere Lagen durch, sondern langsam, so dass erst zum 25/.26. Januar mit verbreitet positiven Temperaturen zu rechnen ist.

Trotz der Unterschiede zeichnet sich der gemeinsame Entwicklungstrend der Wettermodelle mit einer langsamen Milderung zunehmend deutlicher ab. Auch die Kontrollläufe bestätigen das mehrheitlich. So steigen die Temperaturen über dem Westen am 20. Januar, über dem Süden und Norden ab dem 23. Januar und über dem Osten am 25. Januar langsam in den positiven Temperaturbereich. So liegt das Temperaturspektrum am 25. Januar zwischen -14/+13 Grad bei einem Mittelwert von +4/+5 Grad über dem Süden und Westen, +3 Grad über dem Norden und +1 Grad über dem Osten. Darüber hinaus verbleibt der Mittelwert mit 0/+1 Grad über dem Osten und +2/+5 Grad über dem Westen vielfach im nasskalten Bereich. Und was ist wahrscheinlicher? Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) weisen am 25. Januar mit 25/30/45 zwar eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Milderung aus, jedoch zeigt sich bis zum 31. Januar mit 35/30/35 wieder ein ausgeglichenes Verhältnis. Somit darf eine nachhaltige Milderung heute erneut in Frage gestellt werden. Sowohl der NAO- als auch AO-Index haben in den kommenden Tagen eine deutliche positive Tendenz, was auf eine langsame Stabilisierung des Polarwirbels und auf eine erhöhte Tiefdruckaktivität über dem isländischen Bereich hindeutet. Wie weiter oben schon beschrieben wird es jedoch darauf ankommen, wie sich das Hochdrucksystem gegenüber der atlantischen Frontalzone verhalten wird. Wir sind in den letzten Tagen des Öfteren gefragt worden, ob die mögliche Milderung auch die Skiregionen in den Alpen erfassen kann. Ja, das ist möglich, jedoch fällt dort in den kommenden Tagen ordentlich Neuschnee (40-100 cm), der so schnell nicht abtauen sollte. Im Laufe des Abends erfolgt an dieser Stelle eine Aktualisierung der Wetterprognose Winter.
Aktualisierung:
Nach den teils sehr kalten Tagen bis zum 20./23. Januar (von West nach Ost) folgt in den Simulationen beider Wettermodelle die Milderung. Keines von beiden Wettermodellen berücksichtigt Varianten, bei der sich das Hochdrucksystem in der für kältere Varianten günstige Positionen bewegt. Stattdessen zieht sich das Hochdrucksystem nach Süden über die Mittelmeerregion zurück und eröffnet so den Weg für die atlantische Frontalzone in Richtung Skandinavien. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen somit in einen südwestlichen bis westlichen, unbeständigen und milden Strömungsgradienten. So wäre auch der Schnee in mittleren Lagen bis zum 26./27. Januar relativ schnell Geschichte, aber auch in höheren Lagen der Mittelgebirge, des Bayerischen Waldes , Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen wäre Tauwetter bis 1.300-1.600 Meter nach den Abendsimulationen der Wettermodell nicht auszuschließen. Nun sind die Wettermodelle in den letzten Tagen nicht gerade für eine Stabilität bekannt, wie wahrscheinlich ist die Milderung? Die Kontrollläufe stützen die Milderung im Mittelwert der Höhentemperaturen bereits seit Tagen mehrheitlich, so dass diese zunehmend wahrscheinlicher wird. So steigt der Temperaturwert in knapp 1.500 Meter Höhe vom 20. Januar mit -9/-5 Grad zum 26. Januar auf -3 Grad über dem Osten, 0 Grad über dem Norden und +3 Grad über dem Westen und Süden. Umgerechnet in Bodenwerte entspricht das in etwa Temperaturen, welche zwischen +4/+8 Grad über dem Westen und +0/+4 Grad über dem Osten liegen können. Bleibt die wahrscheinliche Milderung für längere Zeit oder ist diese nur vorübergehend? Zum Vergleich: die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) liegen am 25. Januar bei 20/30/50 (heute Mittag: 25/30/45) und am 31. Januar bei 25/30/45 (heute Mittag: 35/30/35). Der sog. NAO-Index hat zwischenzeitlich eine deutliche Mehrheit der Berechnungen für eine positive Entwicklung, was für ein Indiz für eine nachhaltige Milderung sein kann. Was macht eigentlich das Minor Warming? Das bleibt in den Simulationen erhalten und beginnt in den kommenden Stunden und erreicht sein Höhepunkt voraussichtlich zum 28. Januar mit einer Maximaltemperatur von -10 Grad (Temperatursprung von ursprünglich -72 Grad). Es bleibt aber auch in den Abendsimulationen bei einem Minor Warming, welches sich nicht zu einem Major Warming weiter entwickeln kann - das Potential hierfür bleibt jedoch bestehen.

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