Während über dem Nordosten - auch tagsüber - in den ersten Januar-Tagen Temperaturen von -8/-1 Grad herrschen können, bleibt es über dem Süden und Westen mit +1/+7 Grad weitestgehend mild bis nasskalt. Es kommt also zu einer Ausbildung einer Grenzwetterlage, welche kalte Luftmassen über dem Nordosten von milden über dem Südwesten trennt. Aller Voraussicht nach Verläuft die Luftmassengrenze entlang einer Linie zwischen Bremen und Bayerischer Wald, wobei Verschiebungen nach Nordosten als auch nach Südwesten nicht auszuschließen und möglich sind. Wie bei Luftmassengrenzen üblich, ist im Zeitraum 3./4. Januar bis 6. Januar auch mit reichlich Niederschlag zu rechnen, welcher über dem wärmeren Teils länger andauernd und auch ergiebiger ausfallen kann, als über dem kälteren Teil, wo zumeist kein Niederschlag zu erwarten ist. Dort wo die warmen und kalten Luftmassen aufeinander prallen ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit teils kräftigen Schneefällen zu rechnen.

Die Großwetterlage verändert sich bereits schon mit dem heutigen Tag, was vielleicht einige von Ihnen mit dem strammen Wind aus südöstlichen Richtungen schon bemerkt haben. Die "Hitzewelle" hat damit ihr vorläufiges Ende gefunden, wenngleich der Winter sich weiterhin schwer tut sich in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz durchzusetzen. Die Großwetterlage zeigt sich zum 5. Januar mit einem Kaltluftkörper im Bereich zwischen Skandinavien und dem westl. Russland, welcher versucht weiter nach Südwesten voranzukommen. Die atlantische Frontalzone gibt sich jedoch alle Mühe, dieses Vorhaben zu unterbinden und entsendet von Neufundland aus ein kräftiges Tiefdrucksystem nach dem anderen in Richtung Mitteleuropa. Da jedoch der hohe Luftdruck über dem Norden eine blockierende Wirkung auf die Frontalzone ausübt, müssen die Tiefdrucksysteme nach Süden ausweichen. So verläuft die Tiefdruckrinne im Zeitraum 2./6. Januar voraussichtlich und zum heutigen Stand zwischen Neufundland, England, Deutschland bis über das Mittelmeer. Bedingt durch die hohen Temperaturunterschiede auf engstem Raum können sich kleinräumige aber gradientenstarke Tiefdrucksysteme ausbilden, welche für Stark- und unter Umständen auch für Extremwindereignisse verantwortlich sein können. Insbesondere in den Regionen mit Dauerfrost wäre ein Wintersturm nicht auszuschließen - simuliert wird dieser aktuell vom amerikanischen Wettermodell im Zeitraum 5./7. Januar. Diese Tiefdruckaktivität führt jedoch nicht nur Wind und Niederschlag mit sich, sondern auch mildere Atlantikluft und es wird sich zeigen müssen, ob sich die kalten Luftmassen über dem Norden und Osten behaupten können.

Geht es nach der Simulation des amerikanischen Wettermodells, so zeigt sich ein ganz typischer Ablauf. Zunächst die Zufuhr kalter Luftmassen, welche auf milde Temperaturen stößt. In weiterer Abfolge kommt es dann zum "Kampf" um die Vorherrschaft mit mal milderen mal kühleren Temperaturwerten. Am Ende beruhigt sich alles und je nachdem ob sich die kühleren oder warmen Luftmassen durchsetzen konnte, bestimmt auch das Wetter in den darauf folgenden Tagen - zum aktuellen Stand sind es nasskalte Temperaturwerte, also weder noch.

Das europäische Wettermodell simuliert eine weniger aktive Wetterdynamik, wobei die Tiefdrucksysteme vom Atlantik kommend bis zum 7./9. Januar eine nasskalte bis milde Südwest- bis Westwetterlage durchsetzen könnten.

Zusammenfassend ist nach der Grenzwetterlage bis zum 5. Januar eine nasskalte Witterung wahrscheinlich, welche zwischendurch auch mal milder ausfallen könnten. Die Kontrollläufe stützen die kühlere bis kalte Temperaturphase im Zeitraum 2./8. Januar über dem Osten und Norden mehrheitlich. Anschließend ist - wie bereits über dem Süden und Westen - im Zeitraum 8./11. Januar eine Tendenz zur Milderung zu erkennen. So liegt das Temperaturspektrum der Kontrollläufe am 8. Januar zwischen -10/+13 Grad (Mittelwert: +6 Grad über dem Süden und Westen und +2/+3 Grad über dem Norden und Osten) und am 11. Januar zwischen -6/+10 Grad (Mittelwert: +6 Grad über dem Süden und Westen und +4/+5 Grad über dem Norden und Osten).

Der Polarwirbel erfährt durch den aktuellen Hochdruckeinschub über Skandinavien und den dazugehörigen Warmlufttransport in Richtung Polarregion, sowie den Kaltluftabtransport in Richtung Süden eine Instabilität, welche sich auch mit dem deutlich negativem AO-Index in den ersten Januar-Tagen bestätigt - er scheint sich auch nicht so schnell zu erholen, denn der AO-Index Wert bleibt zunächst bis zur Monatsmitte im negativ simulierten Bereich. Betrachtet man die dazugehörigen Simulationen, so beginnt zum 3. Januar die Dipolausbildung des Polarwirbels, wobei der Ansatz zum Polarwirbelsplit (Artikel jetzt auch mit Beispielen) zum 7. Januar zu erkennen ist, aber letzten Endes nicht vollzogen wird. Und dennoch könnte diese Instabilität noch in den kommenden Tagen für die eine oder andere Überraschung in den Simulationen der Wettermodellen sorgen, da dies mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Wellenbewegungen entlang der Polarfront führen wird. Wichtig für Deutschland, Österreich und die Schweiz in Sachen Winter wird sein, ob der sog. NAO-Index ebenfalls negativ wird. Denn der schönste Polarwirbelsplit, bzw. Störung/Instabilität nützt nichts, wenn die Tiefdruckrinne auf dem Atlantik Intakt bleibt. Der sog. NAO-Index wird in den ersten Januar-Tagen noch überwiegend positiv simuliert, hat aber darüber hinaus eine normale bis leicht negative Tendenz.

Was lässt sich aus alledem Schlussfolgern? Die Großwetterlage stellt sich um und noch ist nicht klar, welche Großwetterlage sich im weiteren Verlauf durchsetzen wird. Aus diesem Grund erfolgt gegen 21:00 Uhr eine Aktualisierung dieser Winterprognose.
Aktualisierung:
Das amerikanische Wettermodell nimmt in seinem Abendlauf die Dynamik gegenüber heute Mittag raus und simuliert das kleinräumige Tiefdrucksystem zum 5. Januar nicht mehr. Stattdessen wird eine langestreckte Tiefdruckzone von Neufundland bis über das östliche Mittelmeer simuliert (!!!), welche die Kaltluftmassen aus nördlichen Richtungen blockiert, so dass lediglich der Norden und Osten in den "Genuss" der kalten Luft kommen. Somit ist im Zeitraum vom 1./8. Januar über dem Westen und Süden mit nasskaltem und unbeständigen Wetter zu rechnen, wobei etwas Schneefall in den Nächten bis mittlere Lagen hinab nicht auszuschließen wäre. Dauerfrostwetter hingegen ist über dem Norden und Osten im Zeitraum 2./3. bis 8. Januar zu erwarten. Allerdings mit weniger Niederschlag, während entlang der Luftmassengrenze, welche in etwa zwischen Bremen und dem Bayerischen Wald verlaufen kann, Neuschneemengen von 2-30 cm (je nach Höhenlage und Stauniederschläge) möglich sind. Geht es nach dem europäischen Wettermodell, so kommt bis zum 6./7. Januar die kalte Luft weiter nach Süden voran, so dass unter Umständen die Schneefallgrenze auch im Westen und Süden auf mittlere Lagen (400-800 Meter) absinken kann. Darüber hinaus simuliert das amerikanische Wettermodell im Zeitraum 9./13. Januar einen steten Wechsel zwischen nasskalten und milderen Luftmassen, bevor zum 13. Januar sich das Azorenhoch gen Norden in Richtung Grönland aufwölben kann (negativer NAO) und nachfolgend ein Wintereinbruch über ganz Deutschland in den Bereich des Möglichen rücken lässt. Das europäische Wettermodell neigt zum 9. Januar eher zu einer altbekannten Wetterlage - der Südwestwetterlage. Interessant sind die Kontrollläufe für den Norden von Deutschland - der Mittelwert bewegt sich im Zeitraum zwischen dem 1./14. Januar im Jahreszeit-typischen Bereich, welcher eher eine leicht negative als positive Tendenz aufweist. Anders hingegen die Situation über dem Süden, Osten und Westen, wo sich der Mittelwert im normalen bis leicht positiven Bereich bewegen kann - der Winter ist nicht weit weg und der Mittelwert hat im zweiten Januar-Drittel sogar eine leicht negative Tendenz. Der Polarwirbel hat weiterhin eine hohe Neigung zur Dipolausbildung im ersten Januar-Drittel mit dem Ansatz zum Polarwirbelsplit zum 7./8. Januar. Betrachtet man die Verhältnisse von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), so liegen diese am 8. Januar bei 20/40/40 und am 14. Januar bei 30/50/20.

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