Im aktuellen Wettertrend für die ersten Januar-Tage zeigt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit die Ausbildung einer Grenzwettlage über Deutschland, welche kalte Luftmassen über dem Norden von milden Luftmassen über dem Süden trennen kann. Dabei hat sich die Großwetterlage gegenüber den letzten Tagen kaum verändert.

Als relativ gesichert gilt bis zum 5. Januar die Ausbildung eines autarken Hochdrucksystems über dem skandinavischen Raum bis über die Barentssee, welches im Verbund mit einem Tiefdrucksystem über Russland sehr kalte Luftmassen von Nordost nach Südwest führen kann. Gleichzeitig ist die Tiefdruckaktivität mit einem nicht enden wollenden Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland auf dem Atlantik hoch. In Folge daraus prallen zwei Wettersysteme aufeinander. Die atlantische Frontalzone westlich von Europa und die kalten Luftmassen über dem östlichen Europa. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen genau zwischen den Fronten und es wird im Detail darauf ankommen, wie sich die Wettersysteme zueinander positionieren können. Geringfügige Veränderungen der Positionen können eine komplett andere Wetterentwicklung zur Folge haben. Aber wie eingangs bereits erwähnt ist eine Grenzwetterlage bis zum 5. Januar zum heutigen Stand eine durchaus wahrscheinliche Variante.

Darüber hinaus simuliert das amerikanische Wettermodell im Zeitraum 6./11. Januar unterschiedliche Ansätze in einer Vielzahl an Möglichkeiten, welche im Einzelnen hier nicht näher erläutert werden können. Warum? Bedingt durch die unsichere Wetterentwicklung in der sog. Mittelfrist, ergeben sich in der Langfrist große Veränderungen von Simulation zu Simulation, welche mal mild, mal kälter ausfallen können. Zum Vergleich simuliert das europäische Wettermodell die Kaltluft zum 6. Januar deutlich südlicher und mit einem Alpentief wären auch entsprechend kräftige Schneefälle zu erwarten. Viel interessanter sind also Rahmenbedingen, bzw. Setups, welche darüber entscheiden können, ob ein möglicher Wintereinbruch mit Schnee für längere Zeit anhält oder nur eine vorübergehende Erscheinung ist.

Dazu der Blick dorthin, wo das Wetter für Deutschland entsteht: östliches Kanada / Neufundland. Bleibt der Kaltluftstrom zwischen der Baffin Bay, Labradorsee und Neufundland erhalten, so wird sich an dem bisherigen Zirkulationsmuster wenig verändern können. Kältere Temperaturphasen sind dann meist nur von kurzer Dauer. Versiegt dort jedoch der Kaltluftzustrom, so ergibt sich daraus eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Veränderung der Zirkulationsstruktur. Betrachtet man den Mittelwert der Höhentemperaturen von Nuuk, so liegen diese am 30. Dezember bei etwa -23 Grad und am 6. Januar bei etwa -8 Grad - es wird also in der für Mitteleuropa entscheidenden Wetterzone zunehmend "milder", wobei sich das gesamte Spektrum noch von -20/+2 Grad erstrecken kann.

Warum ist das so? Dazu wollen wir den Blick auf den Polarwirbel lenken, welcher zum 4. Januar eine deutliche Schwächung in seiner Intensität durch ein kräftiges Hochdrucksystem im Bereich der Karasee und einem weiteren Hochdruckgebiet über Alaska erfährt. Beide Hochdrucksysteme haben zum 7. Januar das Bestreben über die Polregion hinweg eine Hochdruckverbindung aufzubauen. Demnach kommt es zu einer Dipolausbildung des Polarwirbels, so dass zwei unabhängig voneinander agierende Polarwirbel entstehen könnten, was den Polarwirbelsplit zum 10. Januar nach sich ziehen kann. In der Simulation liegt zum 10. Januar zwischen Alaska, Grönland und Sibirien das kräftige Hochdrucksystem. Bestätigt wird diese Entwicklung mehrheitlich durch den sog. AO-Index Wert, welcher vereinfacht ausgedrückt den Zustand des Polarwirbels beschreibt und im ersten Januar-Drittel eine deutlichere Tendenz zu negativen Werten aufweist. Entscheidend aber wird auch sein, ob sich der sog. NAO-Index, also das Verhältnis von Azorenhoch zu Islandtief verändern mag und dieser Wert verbleibt bis auf weiteres im positiven Bereich.

Was lässt sich daraus Schlussfolgern? Zum einen: ein Polarwirbelsplitt führt mit seiner "gestörten Zirkulation" zu komplexen Wettervorgängen, welche mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Trogwetterlagen führen können. Ob Deutschland dabei auf der warmen Vorderseite oder kalten Seite des Troges liegt, ist dabei völlig offen. Bleibt indes der NAO-Index Positiv, so ist die Wahrscheinlichkeit für die milde Seite des Troges höher einzustufen. Nichtsdestotrotz zeigt die Erwärmung in unserer "Wetterküche" eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für eine Veränderung des Zirkulationsmusters - insofern wäre es nicht Überraschend, wenn die Wettermodelle in den kommenden Stunden und Tagen "sprunghaft" in ihren Berechnungen bleiben.

Betrachtet man die Verhältnisse von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), so liegen diese am 5. Januar bei 45/35/20 und am 11. Januar bei einem ausgeglichen Verhältnis von 30/35/35. Um die Frage nach "wann kommt der Winter" zu beantworten - so stehen die Chancen im ersten Januar-Drittel mäßig bis gut. Betrachtet man das Langfristmodell, so liegt die Temperaturabweichung im Januar 2016 gegenüber dem langjährigen Mittelwert zwischen +2/+4 Grad im deutlich zu warmen Bereich und im Februar mit einer Abweichung von +2/+3 Grad im zu warmen Bereich. Das Langfristmodell reagiert also noch nicht auf die mögliche Veränderung und simuliert im Januar 2016 eine deutlich positive und im Februar 2016 positive Niederschlagserwartung (zu nass), was ein Indiz für eine Westwetterlage sein könnte. Aufgrund der spannenden Wetterentwicklung erfolgt heute Abend gegen 21:00 Uhr eine Aktualisierung von diesem Wettertrend zum Winter 2016.
Aktualisierung:
Wir wurden in den letzten Tagen des Öfteren gefragt, warum die Wettermodelle so "Sprunghaft" sind und mal das eine und mal das andere Szenario simulieren. Das liegt daran, dass die Wettermodelle seit jeher so ihre "Probleme" mit Übergangswetterlagen haben. So wird bspw. das Wetter an Silvester heute Abend wieder etwas milder Simuliert als heute Mittag du auch das Niederschlagsband kommt wieder ein Stück weiter nach Osten voran (in der Silvesternacht etwa bis zu einer Linie Hamburg - Bodensee). Mit Schnee, Schneeregen, Graupel, gefr. Regen, Eisregen oder Regen ist am wahrscheinlichsten entlang der Linie Hamburg - Bodensee zu rechnen. Das amerikanische Wettermodell hält die Modellierung einer Grenzwetterlage im Zeitraum 1./7. Januar aufrecht, so dass die Tageswerte über dem Osten und Norden vielfach in Dauerfrostbereich liegen können, während über dem Süden und Westen leichte Plusgrade möglich sind. Mit Niederschlag ist insbesondere über dem Westen und Südwesten zu rechnen und ist in Richtung Osten nur schwach ausgeprägt. Ob es über dem Westen und Süden für Schnee reichen wird, bleibt abzuwarten. Geht es nach dem europäischen Wettermodell, so ist die Simulation ganz ähnlich der des amerikanischen Wettermodells: Grenzwetterlage bis zum 6. Januar mit unterschiedlicher Niederschlagsintensität und Art. Der Polarwirbel weist nach den Simulationen im Zeitraum 2./7. Januar weiterhin die Tendenz zur Dipolausbildung mit dem Ansatz zum Polarwirbelsplit auf. Insofern bleiben die Zeichen auf Veränderung stehen. Wir wurden noch gefragt, ob eine "Erwärmung" über Nuuk zwangsläufig kaltes Wetter in Deutschland, der Schweiz und Österreich zur Folge hätte - nein, der Temperaturanstieg ist lediglich ein Anzeichen für eine Veränderung "unserer Wetterküche". Vergleicht man Verhältnisse von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) gegenüber heute Mittag, so liegen diese am 5. Januar bei 35/40/25 (heute Mittag: 45/35/20) und am 11. Januar bei 20/50/30 (heute Mittag: 30/35/35).

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