Als spannend ist die Wetterentwicklung zu Silvester 2015 zu bezeichnen. Gelingt es der kalten Luft Deutschland, Österreich und die Schweiz zu erreichen, kommt es zu einer Grenzwetterlage, oder bleibt das milde und trockene Hochdruckwetter erhalten? Zumindest deuten sich auch für die ersten Januar-Tage nun mehrheitlich auch Tendenzen zu einer Umstellung der Großwetterlage an - insofern könnten die seit Wochen dominierende Südwestwetterlage bald ihr Ende finden.

Schaut man auf die Simulationen der Wettermodelle von heute Mittag, so zeigt sich, wie filigran und unsicher die kommende Wetterentwicklung noch ist. Denn nach der aktuellen Variante kann das Hochdrucksystem über Finnland keine autarke Position einnehmen und bildet vom 31./2. Januar eine Hochdruckachse nach Süden aus - das blockiert den Kaltluftzustrom aus östlichen Richtungen und Deutschland, Österreich und die Schweiz verleiben noch in einem Temperaturbereich, welche sich zwischen -0/+10 Grad bewegen kann. Erst zum 3./4. Januar gelingt dann die Ausbildung eines autarken Hochdrucksystems und Deutschland kommt "in den Genuss" der kalten Ostströmung, was die Tageswerte zum 5. Januar auf -3/+3 absinken lassen könnte.

Das Hochdrucksystem wird recht kräftig simuliert und kann Kontakt zum Kontinentalhoch aufnehmen, so dass der Transport der Kaltluftmassen auch im Zeitraum zwischen dem 4./10. Januar aufrecht gehalten werden kann. Insofern hat sich lediglich der Zeitraum verändert, dass Resultat bleibt das Gleiche - eine Veränderung der Großwetterlage mit höherer Wahrscheinlichkeit für winterliche Optionen.

Doch woher kommt der "Sinneswandel" der Wettermodelle - bisweilen war doch vieles auf zu milde Varianten ausgerichtet? Das ist z.T. auch heute noch der Fall. Betrachtet man die Verhältnisse von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), so liegen diese am 5. Januar bei 25/40/35 und am 9. Januar bei 25/45/30. Es gibt also noch immer eine höhere Wahrscheinlichkeit für nasskalte bis zu milde Varianten, wenngleich die zu milden Varianten deutlich zurückgenommen wurden. Das ist durchaus als Indiz für die mögliche Umstellung der Großwetterlage zu bewerten.

Was macht der Polarwirbel? Der sog. AO-Index Wert hat zum Jahreswechsel ein breites Entwicklungsspektrum, wenngleich die positiven Varianten Zugunsten der normalen bis negativen Varianten zurückgenommen wurden. Der NAO-Index wird im positiven Bereich berechnet. Insofern gelingt die Wetterumstellung wohl nur mit einem blockierenden Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum. Sollte das so kommen, zeigt die Simulation des Polarwirbels eine erhöhte Neigung zur Wellenausbildung entlang der Polarfront, was Trogwetterlagen begünstigen kann. Im Zeitraum vom 5./10. Januar wird zudem eine Dipolausbildung des Polarwirbels berechnet (zwei "unabhängig" voneinander agierende Wirbel) und somit ein erhöhtes Potential für Polarwirbelsplitts aufweisen. Zeigt sich das in Unterstützung eines Major-Warmings? Nein - in Stratosphärenhöhe wird erst zum 8. Januar ein kräftigeres Minor-Warming simuliert, welches sich zum aktuellen Stand nicht zu einem Major-Warming entwickeln kann und wenn doch, so hätte das erst in den darauf folgenden Tagen Auswirkungen auf die unteren Luftschichten. Aufgrund der spannenden Wetterentwicklung erfolgt heute Abend gegen 21:00 Uhr eine Aktualisierung von diesem Wettertrend zum Winter 2016.
Aktualisierung:
Es bleibt äußerst spannend in der weiteren Wetterentwicklung. Das amerikanische Wettermodell, welches eigentlich zuerst die kalte Variante in seinen Simulationen berücksichtigt hatte, macht in seinen Simulationen vom Abend einen "Rückzieher" und belässt es weitgehend bei der Südwestwetterlage. Die Tiefdrucksysteme vom Atlantik sind zu stark, als dass sich über dem skandinavischen Raum ein autarkes Hochdrucksystem ausbilden könnte. Stattdessen kommt es im Zeitraum 1./6. Januar zu einer von Süd nach Nord verlaufenden Hochdruckachse bei der Deutschland , Österreich und die Schweiz zeitweilig auch in den Bereich der nasskalten Temperaturwerte kommen kann - das ändert aber nichts daran, dass die Mittelwerte im zu milden Bereich verbleiben können. Anders formuliert hätte der Winter nach dieser Variante weniger Chancen sich im ersten Januar-Drittel durchzusetzen. Die Simulation des europäischen Wettermodells gleicht indessen der Variante des amerikanischen Wettermodells von heute Morgen. So kann sich das Hochdrucksystem in autarker Position über dem skandinavischen Raum entfalten und Deutschland, Österreich und die Schweiz im Zeitraum 1./4. Januar mit kalten Kontinentalluftmassen versorgen. Wie kalt? Die Tageswerte würden demnach im Bereich zwischen -10/-3 Grad liegen können. Und Schnee - wann kommt der Schnee? Nach dieser Simulation könnte sich zum 3. Januar auf einer südlichen Bahn ein atlantischer Tiefdruckausläufer von England nach Frankreich bis über Alpen bewegen. Das hätte teils kräftige Niederschläge zur Folge, welche bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überwiegend als Schnee fallen könnte. Man sieht also auch heute Abend, dass die "Würfel" noch nicht gefallen sind und die Entscheidung ob Winterwetter, nasskaltes Schmuddelwetter oder mild trockenes Wetter vorherrschend sein wird, hängt hauptsächlich davon ab, wie das Hochdrucksystem sich verhalten wird. Was ist wahrscheinlicher? Vergleicht man die Verhältnisse von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) gegenüber heute Mittag, so liegen diese am 5. Januar bei 20/45/35 (heute Mittag: 25/40/35) und am 9. Januar bei 10/40/50 (heute Mittag: 25/45/30). Man darf wirklich gespannt sein, wie sich die kommenden Simulationen entwickeln werden.

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