Mit viel Wind setzt sich in den kommenden Tagen die Milderung über Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Als "problematisch" in Sachen Wind sind die Tage von Sonntag bis einschließlich Dienstag zu bezeichnen, wo Starkwindereignisse mit Potential für Extremwindereignisse nicht auszuschließen sind (s. Windprognose). Der Wind dreht langsam auf südwestliche Richtungen und lässt die Temperaturen auf milde +7/+12 Grad, am 1. Dezember unter Umständen auch auf bis +15 Grad über dem Westen ansteigen. Das könnte man auch als "frühlingshaft" bezeichnen. Geht das so weiter?

Nein - zumindest nicht bis zum kommenden Wochenende, bei der maritim erwärmte Kaltluft nach Deutschland einfließen und die Temperaturen auf nasskalte Werte zwischen +2/+7 Grad zurück gehen lassen kann.

Allerdings haben die Wettermodelle noch unterschiedliche Interpretationen. Denn geht es nach dem europäischen Wettermodell, so rückt das Hoch schneller nach und positioniert sich zum 6. Dezember bereits über Deutschland, was die Luftmassen noch schneller erwärmen kann. Das amerikanische Wettermodell verzögert die Hochdruckverlagerung auf den 7. Dezember. Anders formuliert - mal abgesehen vom Zeitraum - stimmen die Berechnungen beider Wettermodelle darüber überein, als dass es im Zeitraum 6./10. Dezember zu einer erneuten Milderung kommen kann.

Das europäische Wettermodell simuliert das Hoch im Zeitraum 6./8. Dezember im Schwerpunkt zwischen Spanien, Frankreich, Italien und dem östlichen Europa. Gleichzeitig ist die atlantische Frontalzone ungehindert aktiv und erstreckt sich in einer Tiefdruckrinne von Neufundland über Island bis über das nördliche Skandinavien. Das hat eine über Deutschland milde Südwestwetterlage zur Folge, bei der die Niederschlagsneigung über dem Nordwesten und Westen generell höher einzuschätzen ist, als über dem Südosten.

Das amerikanische Wettermodell stützt die Ausbildung der relativ milden Südwestwetterlage bis zum 10. Dezember. Im weiteren Verlauf schiebt sich über dem östlichen Kanada ein Tiefdrucksystem in Richtung Grönland und sorgt mit seiner Drehung gegen den Uhrzeigersinn für eine Unterbrechung der Kaltluftzufuhr in Richtung Neufundland. Was hat das für Auswirkungen? Der nach Osten abziehende Tiefdruckwirbel (bei Island/Skandinavien), zieht den Kaltluftstrom weiter nach Osten. Somit bleibt - Aufgrund der nachlassenden Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik - dem Hochdrucksystem mehr Spielraum, sich in Richtung Westen und Norden zu entfalten.

Sollte diese Wetterentwicklung eintreten, so ergibt sich daraus eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Kaltluftzufuhr in Richtung Mitteleuropa, welche im Verbund zwischen dem Tief über Skandinavien und dem Hoch auf dem Atlantik zustande kommen kann. Anders formuliert wären in der zweiten Dezember-Hälfte nasskalte bis kalte Temperaturen wahrscheinlicher, als zu milde Varianten. Ob es für einen Wintereinbruch reicht, bleibt abzuwarten. Warum? Das Hoch könnte rasch wieder abflachen und die Wetteraktivität auf dem Atlantik wieder an Dynamik gewinnen - dann würde der Temperaturcharakter wieder milder werden.

Die Kontrollläufe stützen die abwechselnden Temperaturphasen zwischen mild und nasskalt bis zum 10. Dezember mehrheitlich. Ab dem 10. Dezember zeigt sich ein gegenüber dem langjährigen Mittelwert normalisierender Temperaturtrend. So liegt das Temperaturspektrum am 8. Dezember zwischen -2/+10 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad) und am 12. Dezember zwischen -4/+10 Grad (Mittelwert: +3/+4 Grad).

Wann kommt der Winter - Wie stehen die Chancen auf winterliche Optionen? Aufschluss darüber gibt das Verhältnis der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), welches am 8. Dezember bei 15/35/50 und am 13. Dezember bei 20/45/35 liegt. Es wird also viel davon abhängen, wie sich das Hochdrucksystem verhalten wird und ob eine Ausdehnung in Richtung Skandinavien oder Atlantik gelingen mag. Das Langfristmodell simuliert für den Dezember eine Abweichung der Mitteltemperatur gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,5/+2 Grad im leicht zu warmen bis zu warmen Bereich, für Januar 2016 eine Abweichung von +1/+3 Grad im zu warmen bis deutlich zu warmen Bereich und für Februar 2016 liegt die Abweichung mit +0,5/+2 Grad wieder im leicht zu warmen bis zu warmen Bereich.

Was macht der Polarwirbel? Das sog. Minor-Warming der kommenden Tage hat keinerlei Auswirkungen auf den Polarwirbel. Der Kältepol bleibt bis zu 10. Dezember im Bereich zwischen Kanada und Grönland, was für die weiter anhaltende Wetteraktivität auf dem Atlantik verantwortlich ist . Erst zum 10./13. Dezember verschiebt sich der Kältepol weiter nach Osten in Richtung Karasee/Barentssee, was die für Winterfreunde die spannenden Wetterentwicklungen zulassen könnte. Aufgrund des breiten Entwicklungsspektrums beim Wetter, erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr an dieser Stelle eine Aktualisierung dieser Winterprognose.
Aktualisierung:
Weiterhin wird eine starke Ausprägung der atlantischen Tiefdruckrinne zwischen Neufundland, Island und Skandinavien vom amerikanischen Wettermodell bis zum 8. Dezember simuliert. Im weiteren Verlauf positioniert sich bis zum 10./11. Dezember ein Tiefdrucksystem über der Baffin Bay. Sollte dies so eintreten, könnte der Kaltluftzustrom in Richtung Neufundland unterbrochen werden, was mehr Möglichkeiten für die weitere Wetterentwicklung ergibt. Simuliert wird bspw. vom amerikanischen Wettermodell heute Abend die Verlagerung des Hochdrucksystems von der Mittelmeerregion in Richtung Azoren und stellt sich dort zum 11./12. Dezember in steiler Position in Richtung Grönland auf und könnte somit die atlantische Frontalzone bereits auf dem Atlantik blockieren. Durch die Aufstellung des Hochdrucksystems meridionalisiert das Grundmuster zunehmend (Nord-Süd, Süd-Nord), bei der Mitteleuropa in den Einflussbereich eines Tiefdruckwirbels über Skandinavien gelangen kann. Sollte diese Variante sich durchsetzen, könnten kalte Luftmassen arktischen Ursprungs über das europäische Nordmeer bis zum 14. Dezember nach Süden geführt werden. Zusammenfassend wird das erste Dezember-Drittel mit höherer Wahrscheinlichkeit zu mild ausfallen, während die winterlichen Optionen mit Schnee im zweiten Dezember-Drittel nicht auszuschließen sind und in den letzten Tagen immer wieder berücksichtigt werden. Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), liegen am 8. Dezember bei 5/50/45 (heute Mittag: 15/35/50) und am 13. Dezember bei 20/50/30 (heute Mittag: 20/45/35).

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