Zahlreiche E-Mails erreichen uns die Tage mit immer der gleichen Frage - ist das derzeit viel zu warme Wetter noch normal? Als normal wird der scheinbare Norm-Zustand der Vergangenheit betrachtet und hierbei ist der November in Deutschland mit seinem Temperaturmittelwert bisweilen um etwa +5,6 Grad zu warm - also nicht "normal". Betrachtet man die Temperaturentwicklung der kommenden Tage, so wird von den Wettermodellen auch keine Veränderung in Aussicht gestellt - es bleibt für die Jahreszeit deutlich zu warm. Aufgrund dieser Tatsache wird es für die verbleibenden 15 November-Tage schwer werden, so etwas wie ein noch ein ausgeglichenes Temperaturniveau im November herzustellen - denn das würde bedeuten, dass die zweite November-Hälfte im gleichen Maße zu kalt ausfallen müsste.

So simuliert das amerikanische Wettermodell im Zeitraum vom 13./20. November ein weiterhin anhaltendes und weitgehend westlich orientiertes Zirkulationsmuster, welches in regen Abständen Tiefdrucksysteme in Richtung Skandinavien entsendet. Gleichzeitig liegt aber auch ein träges Hochdrucksystem über dem Bereich von Spanien, Frankreich und dem Mittelmeerraum. In Folge daraus gelangt hauptsächlich der Norden von Deutschland in den Einflussbereich der Tiefdruckausläufer über Skandinavien, so dass dort das Wetter unbeständiger und zeitweilig auch windiger ausfallen kann, während über den südlichen Landesteilen und auch der Schweiz und Österreich der hohe Luftdruck einen größeren Einfluss ausüben kann. Der Ablauf des Schemas ist dabei immer gleich: "rauscht" ein Tiefdrucksystem heran, wölbt sich das Hoch nach Norden auf und es kommt zu einer vorderseitigen Warmluftzufuhr in Richtung Schweiz, Österreich und Deutschland, zieht das Tief über den Norden, nimmt der Wind und die Niederschlagsneigung über dem Norden zu und ist das Tief abgezogen, so können in der Höhe kurzzeitig kühlere Luftmassen advehiert werden, bevor das nächste Tief herannaht und das Spiel von vorne beginnen kann. Apropos kühlere Luftmassen - etwas "Erfrischung" könnte über Deutschland am Samstag mit Tageshöchstwerten zwischen +5/+10 Grad möglich sein, was durchaus dem Jahreszeit-typischen Werten entspricht. Doch bereits zum Sonntag können die Temperaturen wieder ansteigen. Dieses Verhaltensmuster ist ganz typisch nach einer länger andauernden Hochdruckneigung - der Atlantik versucht nun die Großwetterlage zu verändern und unternimmt hierfür mehrere Anläufe, während das Hoch seine Stellung gerne behaupten möchte. Ob der Umbau des Zirkulationsmusters gelingen mag, bleibt abzuwarten, die Ansätze sind jedoch vielversprechend. Nun ist eine aktiv-dynamische Westwetterlage nicht mit kühlen Temperaturen gleichzusetzen, sondern vielmehr mit einem Wechselspiel aus warmer Vorderseite, Übergangswetter und kühlerer Rückseite, was winterliche Temperaturen im zweiten November-Drittel weniger wahrscheinlich macht. Erst zum Ausklang des zweiten November-Drittels simuliert das amerikanische Wettermodell (erneut) eine Wetterentwicklung, welche kühlere Temperaturen über Deutschland ermöglichen könnte. Die Ausgangslage beginnt am 19. November mit einem Tiefdruckkomplex über dem skandinavischen Raum, dessen Gradienten auf der östlichen Seite des Hochdrucksystems nach Süden streben. Somit wird das Hochdrucksystem weiter nach Westen weggedrückt, so dass über dem östlichen Europa (und unter Umständen auch noch Deutschland und Österreich) die kalte Luft aus nördlichen Richtungen nach Süden geführt werden kann. Nicht selten passiert dieses Szenario nach einer aktiven Westwindwetterphase, was in Folge dessen das Hochdrucksystem dazu antreibt, sich über dem skandinavischen Raum zu positionieren und die kühleren Luftmassen wieder über Umwege aus dem Osten nach Deutschland führen kann.

Das europäische Wettermodell stützt eine eher milde bis warme Variante im Zeitraum zwischen dem 15./19. November. So strömen über dem östlichen Kanada bis Neufundland kühle Luftmassen nach Süden, was die Tiefdruckproduktion dort weiter in Gang hält. Das Ergebnis: ein Zentraltief zwischen Island und England, welches im Verbund mit dem Hoch über Mitteleuropa mit einer südwestlichen Grundströmung milde bis warme Luftmassen nach Deutschland führen kann.

Betrachtet man also den oben beschriebenen Temperaturüberschuss von aktuell +5,6 Grad, so wird dieser sich im zweiten November-Drittel wohl kaum verändern und unter Umständen sogar noch erhöhen. Was müsste passieren, damit sich das ändert? Die Tiefdruckproduktion auf dem Atlantik muss gestoppt, bzw. blockiert werden und dazu ist ein Hochdrucksystem im Bereich von Skandinavien, Island/England, Grönland notwendig, welches sich idealerweise in einer meridionalen (Nord-Süd, Süd-Nord) Ausrichtung bis zu den Azoren hinunter erstrecken und somit die Kaltluftzufuhr auf der östlichen Seite des Hochs in Richtung Mitteleuropa ermöglichen kann. Wie wahrscheinlich ist diese Wetterentwicklung? Zum heutigen Stand weniger wahrscheinlich. Die Kontrollläufe stützen die Warmwetterphase mit einem Temperaturüberschuss gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +3/+8 Grad bis zum 17. November, welche kurzweilig am 14. November mit rückseitiger Kaltluftzufuhr unterbrochen werden kann. So liegt das Temperaturspektrum am 16. November zwischen +5/+15 Grad (Mittelwert: +12 Grad über dem Süden, sonst +10/+11 Grad) und am 20. November zwischen +0/+13 Grad (Mittelwert: +9 Grad über dem Norden, sonst +7/+8 Grad). Der Trend zeigt in Richtung sich normalisierende Temperaturen, wenngleich die Mittelwerte noch immer leicht erhöht sind. Deutlicher zeigt sich der normalisierende Entwicklungstrend anhand der Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+5) / normal (+6/+11) / zu warm (>+12), welche am 17. November bei 20/55/25 und am 24. November bei 25/65/10 liegen. Und Schnee - wann kommt Schnee? So lange die Westwindwetteraktivität anhält, sind auch keine kühlen Temperaturwerte zu erwarten, welche Schneefall bis in tiefere Lagen ermöglichen könnte. Die Wahrscheinlichkeiten für nasskalte Werte, welche ab mittleren Lagen für Schneefall sorgen könnten, liegen bspw. am 23. November bei rund 20 Prozent.

Das Langfristmodell reagiert weiterhin auf die aktuelle Wetterentwicklung und simuliert in seiner heutigen Wetterprognose für den November eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +2/+4 Grad und das für weite Teile von Europa (!!!). Für die Winterprognose der Monate Dezember, Januar und Februar simuliert das Langfristmodell eine gegenüber den letzten Wochen gleichbleibend hohe Abweichung der Temperaturen von +1/+3 Grad, so dass sich an der leicht zu warmen bis deutlich zu warmen Winterprognose des Langfristmodells nichts verändert. Im Niederschlagsverhalten zeigt sich für November über dem Norden noch ein normaler Trend gegenüber dem vieljährigen Soll, während es mit jedem Kilometer in Richtung Süden zu trocken wird. Für die Monate von Dezember bis Februar ist nach der Simulation des Langfristmodells eine positive Niederschlagserwartung gegeben (zu nass). So weit, so schlecht für alle unter Ihnen, welche sich einen "knackigen" Winter wünschen. Ein "Hoffnungsschimmer" bleibt das in diesem Jahr günstige Setup der sogenannten Randfaktoren, welche "blockierende" Hochdrucksysteme mit anschließender Trogneigung über der nördlichen Hemisphäre stützen können - allerdings gibt es bei einem Trog nicht nur eine kühle Variante, sondern auch die warme Vorder-, bzw. Rückseite.

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