Bemüht man das Wort "Früher", so wechselten sich Zirkulationsmuster oftmals in rascher Abfolge ab und waren in ihrem Muster überwiegend westlich ausgeprägt - so steht es in vielen meteorologischen Büchern. Da gab es 7-14 Tage Hochdruck, gefolgt von Tiefdruck im regen Wechsel zueinander. Seit den 1990 er Jahren spielt ein westlich ausgerichtetes Zirkulationsmuster immer weniger eine Rolle und kippte allmählich in ein südwestlich orientiertes Grundmuster. Stark vereinfacht kann man das mit dem Klimawandel begründen, im Detail lässt sich aber ein starkes Zirkulationsmuster zwischen Neufundland, Island und Skandinavien ausmachen, bei der über Mitteleuropa ein Hochdrucksystem, bzw. eine Hochdruckbrücke dagegen halten kann und daraus häufiger die Südwestwetterlage entstehen kann. Das System könnte man somit als "eingeschwungen" bezeichnen.

Daraus resultieren immer länger andauernde Großwetterlagen, welche sich nicht mehr im 7-14 Tage Rhythmus abwechseln, sondern über mehrere Wochen oder gar Monate andauern können. Besonders prägnant war das in den letzten Jahren zu beobachten, bei der die Beispiele von den vergangen zwei Wintern Winter 2013/14 | Winter 2014/15 und den Sommer 2003 und Sommer 2015 besonders herausragen. Hat sich eine Großwetterlage erst einmal manifestiert, so hält diese auch länger an - man spricht in der Meteorologie von einer ausgeprägten Erhaltungsneigung, welche zwar kurzzeitig unterbrochen werden kann, sich im weiteren Verlauf aber stetig erneuert (Stichwort Langzeitkorrelation).

Die Unterbrechungsphasen sind für Meteorologen für die Erstellung einer Wetterprognose ein "Knackpunkt", insbesondere in der Mittelfrist- oder Langfristprognose. Denn so eine Unterbrechungsphase kann auch das Zirkulationsmuster nachhaltig verändern und es kommt in Folge daraus zu einem Ausgleichsverhalten, bei der das Zirkulationsmuster "versucht", die vorherigen Ereignisse zu kompensieren (vereinf. zu warm wird zu kalt, zu trocken wird zu nass).

Betrachtet man das Jahr 2015, so waren bisweilen 7 von 10 Monaten zu warm, teils auch deutlich zu warm. Lediglich der Mai, September und Oktober spielten mit normalen bis leicht zu kühlen Werten eine Ausnahme. Was für Rückschlüsse lassen sich daraus für die Winterprognose ziehen? Im Gegensatz zur statistischen Betrachtung steigt für die Wintermonate die Wahrscheinlichkeit zum Ausgleichsverhalten an, ob das bereits im Dezember der Fall sein wird, bleibt zum heutigen Stand noch abzuwarten, da der November noch eine starke Prägung  zur Erhaltungsneigung (Hochdruck) hat und sich das Zirkulationsmuster nicht schlagartig umstellt - hierbei sind rückblickend mehrere Anläufe notwendig. Die theoretischen Annahmen der Statistik und der der Theorie der "Erhaltungsneigung / Ausgleichsverhalten" stehen sich scheinbar konträr gegenüber. Dabei ist insbesondere in den letzten Jahre festzustellen, dass die kühleren Phasen mehr und mehr abnehmen und der Temperaturtrend auch im Ausgleichsverhalten einen positiven Trend erfährt (vgl. Jahrestemperaturen). Das bedeutet, dass ein Ausgleichsverhalten in Zeiten des Klimawandels nicht zwingend eine zu kühle Wetterperiode zur Folge haben muss.

Das Langfristmodell simuliert gegenüber dem langjährigen Mittelwert eine weiterhin ausgeprägte Warmluftadvehierung für die Monate Dezember, Januar und Februar (+1/+3 Grad zu warm) bei einer erhöhten Niederschlagserwartung. Möchte man die Wetterprognose des Langfristmodells interpretieren, so folgt nach einer längeren Erhaltungsneigung (Hoch) eine Westwindwetterphase (Tief) nach, welche die Trockenheit ausgleichen könnte - bei Westwindaktivität sind jedoch kühlere Temperaturen weniger wahrscheinlich als zu warme, zumal die letzten beiden Monate normal bis leicht zu kühl ausgefallen sind (im Falle eines Ausgleichsverhaltens sollten nun zu nasse und zu milde Monate nachfolgen). Sollte die Simulation des Langfristmodells also tatsächlich so eintreten, wäre das in der Tat eine beeindruckende Fortführung der Erhaltungsneigung der grundsätzlich zu warmen Witterungsverhältnisse vom Jahr 2013; 2014 und 2015. Was die Messdaten der vergangen Jahre im Zuge des Klimawandels bestätigen könnte. Nichtsdestotrotz stehen die Randfaktoren und deren Setup noch konträr einer möglichen zu warmen Winterprognose 2015/16 gegenüber. Mehr zu den Randfaktoren in den kommenden Tagen im dritten Teil (1. Teil statistische Betrachtung).

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