Der Grund für die außergewöhnliche Wärme Anfang November ist eine Konstellation der Wettersysteme zueinander, bei der Deutschland in einer zunächst südwestlichen Strömungskomponente liegt. Da das Tiefdrucksystem im Westen nun etwas "näher an Deutschland heranrückt", werden die Gradienten zueinander stärker, so dass vorderseitig noch ein extra warmer Luftstrom zustande kommen kann. Das amerikanische Wettermodell simuliert im Verlauf der kommenden Woche eine langsame Etablierung des Trogsystems mit einem Mittelmeertief. Insgesamt ist das System aber weit im Westen positioniert, so dass Deutschland auch für den restlichen Wochenverlauf bis zum 9. November in einer relativ warmen südwestlich ausgerichteten Grundströmung verbleibt. Niederschläge sind zu erwarten, jedoch im Zeitraum zwischen dem 6./9. November als gering einzustufen. Anders die Situation südlich und westlich der Alpen, wo das Mittelmeertief abregnen kann - hier werden Niederschlagssummen bis zum 9. November zwischen 70-140 l/m² simuliert. Im Detail bleibt diese Entwicklung zum heutigen Stand noch schwer vorherzusagen, da dieses Mittelmeertief und dessen Zugbahn bei einer geringfügigen Verschiebung stärkere Niederschläge auch für den Süden von Deutschland zur Folge haben kann (typische Zugbahnen von einem Mittelmeertief). Das europäische Wettermodell setzt den gesamten Trogmechanismus etwas weiter östlich an, so dass Deutschland mit einer teils südöstlichen bis östlichen Strömung in den "Genuss" warmer Luftmassen kommt, welche über Umwege vom nordöstlichen Afrika über Griechenland nach Mitteleuropa geführt werden können. Insgesamt bleibt die Wetterlage bis zum 9. November komplex, wobei die Temperaturtrend bis zum 9. November mit einem Temperaturüberschuss von etwa +3/+6 Grad für die Jahreszeit zu warm bleibt. Das Temperaturspektrum der Kontrollläufe simuliert bspw. für den 5. November Werte zwischen +7/+17 Grad (Mittelwert im Osten +15 Grad, Norden und Westen +11 Grad und im Süden bis +14 Grad) und am 9. November zwischen +8/+17 Grad (Mittelwert zwischen +11/+13 Grad). Wie bereits gestern angedeutet wird das erste November-Drittel auch nach den heutigen Simulationen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu warm ausfallen. Erst zum zweiten November-Drittel mehren sich die Hinweise einer möglichen Auswirkung des Troges der kommenden Woche auf die Zirkulationsstruktur. Die Frage lautet letztlich: schafft es der Trog das Zirkulationsmuster nachhaltig zu verändern (Ausgleichsverhalten), oder kommt es zu einer erneut südwestlich ausgerichtete Großwetterlage (Erhaltungsneigung). Die Tendenz geht nach beiden Wettermodellen in Richtung Zonalisierung, da das Kontinentalhoch etwas weiter nach Osten zurückweicht. Was bedeutet Zonalisierung? Eine Zonalisierung bedeutet - stark vereinfacht ausgedrückt - eine rasche Verlagerung von Hoch- und Tiefdruckgebieten nach Ost an einer West-Ost ausgerichteten Frontalzone ohne größere Wellenbewegungen entlang der Polarfront (Westwindwetter). Das ist aber nicht unbedingt mit mildem Wetter gleichzusetzen, denn auch hier kommt es darauf an, wie weit das Strömungsmuster (Jetstream) nach Norden (warm), bzw. nach Süden (kälter) verlagert ist. Geht es nach dem amerikanischen Wettermodell, so gibt es durchaus Amplitudenvorgänge, welche zur Monatsmitte auch nasskalte Tageswerte zwischen +1/+8 Grad zulassen - kühlere oder gar winterliche Temperaturen sind zum heutigen Stand bis zur Monatsmitte nicht ersichtlich. Anders ausgedrückt kommt langsam Bewegung in die eingefahrene Situation und die kommenden Tage werden zeigen, ob sich das Zirkulationsmuster nachhaltig verändern kann - der wahrscheinlichste Ausweg scheint zum heutigen Stand im zweiten November-Drittel eine lebhafte Westwetterlage zu sein. Das Langfristmodell ändert seine Wetterprognose für die Monate November bis Februar kaum: im Schnitt - gegenüber dem langjährigen Mittelwert - etwa um +1/+3 Grad zu warmer Temperaturtrend bei einer leicht erhöhten Niederschlagserwartung. Fakt ist aber auch, dass es zum heutigen Stand noch nicht fest steht, ob der Winter zu warm, zu kalt oder normal wird, es gibt lediglich Tendenzen zu einem normalen bis zu warmen Verlauf der Wintermonate. Ein zu warmer Winterverlauf hat zudem seine Kälteperioden, so wie der zurückliegende zu warme Sommer einen leicht zu kalten August hatte. Am Sonntag, den 2. November, gehen wir neben der statistischen Betrachtung und der des Ausgleichsverhaltens, bzw. der Erhaltungsneigung in unserer nächsten Witterungsabschätzung näher auf die aktuellen Randfaktoren (Setups) ein.

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