In letzter Zeit wird uns per E-Mail des Öfteren die Frage gestellt, wie denn der Winter so werden wird: normal, zu kalt oder erneut zu warm? Im Detail lässt sich das nicht so einfach beantworten und es gibt im wesentlichen zwei unterschiedliche Ansätze, wie man versuchen kann, diese Frage zu beantworten. Blickt man auf das Jahr 2014 zurück, so waren viele Monate durchweg zu warm - lediglich der Mai und August haben eine normale bis leicht zu kühle Werte abgeliefert. Der Grund hierfür war eine meridionale Zirkulationsstruktur bei der sich Deutschland weitgehend in der Süd-Nord Achse befunden hat. Nun kann man sagen, dass wenn sich eine Zirkulationsstruktur erst einmal gefestigt hat, diese auch eine Weile verbleibt - so wäre in den Wintermonaten weiterhin zu warmes Wetter zu erwarten. Andererseits kann man sagen, dass nach einer Vielzahl von zu warmen Monaten nun eine Reihe von normal, bzw. zu kühl temperierten Monaten nachfolgen, was für einen normalen oder gar zu kalten Winter spricht. Geht man in der theoretischen Betrachtung noch etwas weiter, so stellt sich das Zirkulationsmuster sicherlich irgendwann einmal um. Das kann mit der klassischen Westwetterlage einhergehen oder einer östlichen Strömungskomponente mit einem Hoch über Skandinavien. Auch hier hat man wieder beide Gegensätze zueinander: Westwetterlage bedeutet nasses, windiges und mildes Wetter, während eine Ostwetterlage kühles, teils kaltes und niederschlagsarmes Wetter zur Folge hat. Ein weiterer theoretischer Ansatz kann sein, dass nach markanten Winter - egal ob zu kalt oder zu warm - häufig der nächste Winter ähnlich verläuft. Anders ausgedrückt treten zu warme und zu kalte Winter gerne in Gruppen nacheinander auf. Da der letzte Winter deutlich zu warm war, könnte man aus statistischer Sicht sagen, dass der kommende Winter normal bis leicht zu warm werden kann. Die theoretischen Ansätze lassen zum heutigen Stand also noch keine Rückschlüsse auf den Verlauf des Wetters im Winter zu. Darüber hinaus gibt es noch die Randfaktoren wie El Niño, QBO, Sonnenflecken und der Klimawandel. In der Betrachtungsweise des Klimawandels ergibt sich in den letzte Jahren eine abnehmende Tendenz zu "Extremwintern", diese werden also immer weniger wahrscheinlich. Im Gegenzug steigt die Anzahl der zu warmen Wintern an - normale Winter werden auch seltener. Blickt man auf die Durchschnittstemperaturen der letzten Winter, so ist das Auftreten in Gruppen deutlich zu erkennen und es gibt aufsteigende, gleichbleibende und abfallende Tendenzen. Nichtsdestotrotz ist in Zeiten des Klimawandels ein normaler bis zu warmer Winter wahrscheinlicher, als ein zu kalter oder gar ein Extremwinter. Betrachtet man den aktuellen ENSO Bericht bzgl. eines möglichen El Niño Phänomens, so bleibt alles wie gehabt: "The chance of El Niño is at 60 - 65% during the Northern Hemisphere fall and winter". Welche Folgen das haben kann? Ein El Niño Ereignis erhöht die Wahrscheinlichkeiten eines meridionalen Zirkulationsmusters über der Nordhalbkugel. Dabei ist nicht klar,auf welcher Achse sich Deutschland befinden wird (Süd-Nord ist warm, Nord-Süd ist kalt). In der Betrachtungsweise des QBO zeigt sich derzeit eine Ostkomponente, welche zu den Wintermonaten wohl eine neutralisierende Form annimmt um im weiteren Verlauf wieder auf West umschwenken. Vereinfacht ausgedrückt: ein positiver QBO verstärkt den Polarwirbel, ein negativer QBO schwächt den Polarwirbel. Je stärker der Polarwirbel ist, desto wahrscheinlicher ist ein normales Zirkulationsmuster (West-Ost) mit eher milden und niederschlagsreichen Folgen. Die Sonnenflecken geben Aufschluss über die Aktivität der Sonne und sind derzeit positiv bewertet - im Ergebnis eine hohe Aktivität der Sonne. Nicht zuletzt ist da noch das Langfristmodell welches eine Fortschreibung aktueller Messdaten über eine lange Zeitreihe hinaus ist. Das Langfristmodell simuliert für die Wintermonate Dezember, Januar und Februar leicht zu warme Temperaturtendenzen, wobei der Dezember noch normal (auch leicht zu kalt), der Januar und Februar teils deutlich zu warm simuliert wird. Im Niederschlagsverhalten zeigt sich gegenüber den langjährigen Mittelwerten über alle Wintermonate eine positive Entwicklung ab. Und wie wird nun der Winter? Ein abschließende Antwort auf die Frage ist zum heutigen Stand nicht möglich, da es sich beim Wetter um einen stetig dynamischen Prozess handelt. Fasst man jedoch die theoretischen, statistischen und auch die Entwicklung der Randfaktoren zusammen, so ist zum heutigen Stand ein normaler bis zu warmer Winterverlauf wahrscheinlicher, als ein zu kalter Winter. Ein normaler, bzw. zu warmer Winter ist aber nicht damit gleichzusetzen, dass er schneearm werden kann. Warum? Viel Schnee gibt es meist bei Temperaturen um 0 Grad herum - die Frage ist vielmehr: taut er gleich wieder weg, oder bleibt er ein paar Tage liegen?

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