Häufig wird uns in den letzten Tagen die Frage gestellt, ob der mäßig warme, bis teils kühle Verlauf des Sommers mit den vielen Niederschlägen und den häufig unwetterartigen Wetterereignissen auf den Klimawandel zurück zu führen ist. Meteorologen sind in ihren Aussagen dazu eher zurückhaltend, so gab es auch in der Vergangenheit immer wieder solche Wetterlagen (man erinnere nur an die 70er Jahre, als die Sommer häufig durchwachsen und kühl waren - daraus entstand auch im Jahre 1975 Rudi Carells Klassiker "Wann wird's mal wieder richtig Sommer ..."). Auffällig ist in den letzten Jahren jedoch die Zunahme von einzelnen Wetterlagen. So hat der Deutsche Wetterdienst vor kurzem herausgefunden, dass Tiefdruck Mitteleuropa in den 50er Jahren im Schnitt 8-10 mal vorkam und in der heutigen Zeit 9-15 mal pro Jahr auftritt - im Schnitt ein Anstieg der mittleren Häufigkeit um 20 Prozent. Auch auffällig ist eine Beständigkeit der Zirkulationsmuster, welche sich "aus subjektiver Sicht" früher häufiger abwechselten, als es in den letzten Jahren der Fall war. Ein Beispiel hierbei das Zirkulationsmuster des letzten Winters, welche nahezu komplett zu warm war, so dass der Winter bis in höhere Lagen weitgehend nicht anzutreffen war. In der Theorie spricht man von einer Erhaltungsneigung, welche in einem längeren Zeitraum von einem Ausgleichsverhalten gegenteiliger Verhältnisse abgelöst wird. So kann aus einem trockenen und warmen Winter ein nasser und kühler, bzw. mäßig warmer Sommer folgen. Festigt sich das Ausgleichsverhalten, so spricht man wiederum von einer ausgeprägten Erhaltungsneigung, welche in diesem Sommer überwiegend meridional ausgeprägt war. Meridional bedeutet eine Ausrichtung der Gradienten von Nord nach Süd, bzw. auch umgekehrt von Süd nach Nord. Typisch ist für Mitteleuropa ist im Sommer eine West-Ost Richtung der Gradienten, welche aber auch in den letzten Jahren immer weniger häufig anzutreffen ist. Was hat das für mögliche Auswirkungen auf das Wetter im Herbst, bzw. auch auf den Winter? In der Theorie kann im September ein neuerliches Ausgleichsverhalten mit hohem Luftdruck über dem nördlichen Europa in der beginnenden Phase sein, welches bei Eintreffen für den weiteren Verlauf im Herbst durchaus wetterbestimmend sein kann. Das Langfristmodell zeigt den Monat September noch normal bis leicht zu kühl bei einer normalen Niederschlagserwartung. Im Oktober und November dreht sich zum heutigen Stand die Tendenz in Richtung normal bis leicht zu warm, bei einer leicht negativen Niederschlagstendenz im Oktober und einer leicht erhöhten Niederschlagswahrscheinlichkeit im November. Im Schnitt ist nach dem Langfristmodell ein eher durchschnittlicher Verlauf des Wetters im Herbst zu erwarten. Das Langfristmodell des Deutschen Wetterdienstes zeigt den Verlauf des Wetters im Herbst (September bis November) mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent zu kalt, 35 Prozent normal und 45 Prozent zu warm. Und was wird für den Winter simuliert? Die Tendenz geht nach dem Langfristmodell in Richtung normales Winterwetter, wobei die Auswirkungen eines möglichen El Niño Phänomens noch abgewartet werden müssen (ENSO-Bericht: Chance of El Niño has decreased to about 65% during the Northern Hemisphere fall and early winter).

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