Die teils wechselhafte aber sehr warme Südwestwetterlage stellt sich ab Donnerstag über Mitteleuropa ein. Mit einem Hochdrucksystem im Südosten - von Russland bis in über das Mittelmeer reichend - und einem langwelligen Tiefdrucksystem auf dem Atlantik vor England werden sehr warme Luftmassen von Spanien über Frankreich bis nach Deutschland geführt. An den Alpen ist zum kommenden Wochenende wieder Föhn möglich, so dass die zu erwartenden Temperaturen dort auf bis +20/+23 Grad ansteigen können, sonst sind westlich der Linie Bremen - Berchtesgaden +15/+20 Grad und östlich davon +10/+15 Grad zu erwarten. Erst zum Sonntag hin erreichen die warmen Luftmassen mit +15/+18 Grad auch den Nordosten. Ob es das Wochenende über gänzlich trocken bleibt, muss noch abgewartet werden - wenn es überhaupt Niederschlag gibt, dann meist in Schauerform mit Gewitter und vermehrt im Nordwesten als im Südosten auftretend. Schaut man auf die Großwetterlage, so erkennt man über Skandinavien ein Tiefdrucksystem, welches im Verbund mit einem Hochdruckgebiet über Grönland in der Höhe im breiten Strom sehr kalte Luftmassen über die Grönlandsee, bzw. das europäisches Nordmeer bis nach Island, bzw. den Atlantik "hinunter katapultiert". An der Grenze zwischen warmen und kalten Luftmassen kommt es zu einer erhöhten Tiefdruckentwicklung, bei der mit zunehmender Wahrscheinlichkeit im letzten Oktober-Drittel (23./26. Oktober) es der atlantischen Frontalzone gelingen mag, sich bis nach Mitteleuropa durchzusetzen (58:42). Sollte das der Fall sein, ist mit äußerst wechselhaften und windigen, teils stürmischen Herbstwetter zu rechnen. Von einer neuerlichen Rückkehr des "goldenen Oktoberwetters" ist zum heutigen Stand nach dem 22. Oktober nicht mehr auszugehen (Wahrscheinlichkeit bei 32 %). Die Kaltluftproduktion im Norden ist für Oktober schon außergewöhnlich und immer wenn das der Fall war, folgte - rein statistisch gesehen von 12 Wintern 9 Mildwinter was mit 75 Prozent in die Singulartiätsregel wie z.B. das Weihnachtstauwetter oder die Siebenschläferregel fällt. Aber statistische Regeln beziehen sich immer nur auf die Vergangenheit und ermöglichen nur bedingt eine Aussage für die Zukunft. Betrachten möchten wir heute die maßgeblichen Randfaktoren wie Sonnenzyklus, Wassertemperaturanomalien, Eisausdehnung der Arktis, Zirkulationen wie El Nino/La Nina und der QBO (Quasi zweijährige Schwingung). Der Sonnenzyklus ist weiterhin schwach ausgeprägt, aber gegenüber den Vorjahren in einer ansteigenden Phase. Dieser Faktor für sich alleine betrachtet hat - vereinfacht ausgedrückt - eine höhere Wahrscheinlichkeit für gestörte Zirkulationen und Polarwirbelsplit in den Wintermonaten über Mitteleuropa (normal bis leicht zu kalt). Die Eisausdehnung über der Arktis zeigt sich ebenfalls ansteigend, liegt aber noch hinter der Norm zurück, so dass durch die höhere Temperaturspeicherung im Wasser dort mehr Energie gebunden ist, als dass der Fall bei einer Eisfläche wäre, bei der das Sonnenlicht reflektiert wird. Als Folge daraus wird Hochdruck über dem nördlichen Europa begünstigt und über Mitteleuropa trockenes und kaltes Kontinentalklima ermöglicht. Betrachtet man nur diesen Faktor, so zeigt sich ein normaler bis leicht zu kalter Winter über Mitteleuropa als wahrscheinlich. Das Phänomen um El Nino/La Nina spielt in diesem Jahr so gut wie keine Rolle (Zusammenfassung letzte Seite), bzw. ist kaum in Erscheinung getreten. Es ist davon auszugehen, dass das El Nino Phänomen über Mitteleuropa kältere Winter als sonst üblich ermöglicht. Isoliert betrachtet ist mit ausbleiben des Phänomens ein normaler Winter zu erwarten. Die quasi-zweijährige Schwingung (QBO) und ist ein Ergebnis der schwachen Sonnenaktivität, welches die Zirkulation über mehrere Monate hinweg von West nach Ost in Ost nach West umkehrt, was sich in diesem Jahr u.a. mit viel Hochdruck über dem skandinavischen Raum bemerkbar gemacht hat (gestörtes Zirkulationsmuster). Man geht aktuell davon aus, dass dieser Umstand auch noch über die Wintermonate anhalten wird und sich somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen leicht zu kalten bis normalen Winter ergibt. Zusammenfassend zeigen die Randfaktoren zwar eine steigende Tendenz, jedoch in Summe eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen leicht zu kalten bis normalen Winter. Dabei ist eines im wesentlichen Entscheidend und ist bislang noch eine offene Frage: wie verhält sich das Zirkulationsmuster, wenn von Norden her vermehrte Kaltluft einsickert. Reicht die beginnende Wetteraktivität aus, um das normale Zirkulationsmuster wiederherzustellen, oder kommt es zu sehr heftigen Wellenbewegungen in der Stratosphäre mit entsprechenden Trogausbildungen? Denn wird das normale Zirkulationsmuster wieder hergestellt, so ist mit einem windigen und relativ milden Winterbeginn zu rechnen. Das Langfristmodell beantwortet die Frage wie in den letzten Tagen zuvor: November normal, Dezember leicht zu kalt bis normal und zu nass, Januar normal bis leicht zu warm und etwas zu nass und der Februar deutlich zu warm und etwas zu nass. Nichts außergewöhnliches...

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