Historische Hitzewelle und historische Dürre - Der Sommer 2026 mit neuen Superlativen
Die Klimaerhitzung schreitet weiter voran. Das zeigt sich allein schon daran, dass keiner der vergangenen 39 Sommer zu kalt ausgefallen ist (Abweichung ≤ -0,5 Grad) . Bemerkenswert war in diesem Sommer die ausgeprägte Erhaltungsneigung: Sie sorgte bereits im Mai für die erste Hitzewelle des Jahres. Im Juni folgte dann eine historische Hitzewelle mit neuen Temperaturrekorden. Anschließend setzte sich das ungewöhnlich heiße Wetter vor allem über dem Süden fast ununterbrochen fort und der ausbleibende Niederschlag führte zu einer historischen Dürre.

Der Sommer erreichte mit einer durchschnittlichen Temperatur von +19,55 Grad Platz zwei hinter 2023 mit +19,65 Grad und war damit der zweitwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881. Das lag insbesondere an den zeitweise kühleren Phasen über Norddeutschland. Dennoch konnte der Sommer 2026 eine ganze Reihe an neuen Rekorden aufstellen und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.
Die Erhaltungsneigung sorgte für eine extreme Wetterlage
Bemerkenswert war die Erhaltungsneigung in Form eines Blockadehochs. Es dehnte sich phasenweise über dem Atlantik, häufiger aber über Mitteleuropa nach Norden aus und sorgte so für eine anhaltend gestörte Zirkulation. Nur selten konnte sich das Hoch in Richtung Skandinavien entwickeln, was für einen Sommer eher untypisch ist. Stattdessen drehten sich über Skandinavien immer wieder Tiefdrucksysteme ein und hielten die ungewöhnlich warme und heiße Luftmassenzufuhr über Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Hochdruckrücken aufrecht.
Der Sommer 2026 geriet früh in einen außergewöhnlichen Extremmodus
Bereits früh im Jahr - genauer im April - zeichnete sich ein Muster für einen Sommer der Extreme ab. Bemerkenswert war jedoch, dass sich dieses Muster derart festsetzte und nur noch selten von Störimpulsen unterbrochen wurde.
Sommer 2026 in Zahlen
Temperatur
- Durchschnittstemperatur: +19,55 Grad
- Abweichung 1961 und 1990: +3,25 Grad
- Abweichung 1991 und 2020: +1,95 Grad
Regen
- Durchschnittliche Niederschlagsmenge:
169 l/m² - Sollwert: 239 l/m²
- Prozentuale Sollerfüllung: 73,8 Prozent
Sonne
- Durchschnittliche Sonnenscheindauer: 774 Stunden
- Sollwert: 604 Stunden
- Prozentuale Sollerfüllung: 126 Prozent
Nur 2003 war noch wärmer: Sommer 2026 auf Platz zwei
Alle drei Sommermonate - und das überrascht nicht wirklich - waren deutlich zu warm. Der Juni hatte eine Anomalie von +4,1 Grad, der Juli von +2,75 Grad und der August von +3,18 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961-1990. Am Ende erreichte der Sommer eine durchschnittliche Temperatur von +19,55 Grad. Das entspricht einer Anomalie von +3,25 Grad gegenüber dem Klimamittelwert von 61/90 (61/90: +1,95 Grad). Somit geht der Sommer 2026 nach 2003 als zweitwärmster Sommer in die Geschichtsbücher ein.
41,8 Grad: Deutschland erlebt einen neuen Temperaturrekord
Der Sommer 2026 verfehlte nur knapp die Werte des Jahrhundertsommers 2023. Verantwortlich dafür war der Norden, wo sich die Ausläufer der Tiefdrucksysteme über Skandinavien häufiger mit frischeren Luftmassen durchsetzen konnten.
| Position | Sommer | Temperatur | Abweichung (61/90) |
|---|---|---|---|
| 1 | 2003 | 19,65 Grad | +3,45 Grad |
| 2 | 2026 | 19,55 Grad | +3,35 Grad |
| 3 | 2018 | 19,29 Grad | +3,0 Grad |
| 4 | 2019 | 19,24 Grad | +2,94 Grad |
| 5 | 2022 | 19,22 Grad | +2,92 Grad |
| 6 | 2023 | 18,51 Grad | +2,23 Grad |
| 7 | 2024 | 18,50 Grad | +2,22 Grad |
| 8 | 1947 | 18,48 Grad | +2,18 Grad |
| 9 | 1994 | 18,38 Grad | +2,08 Grad |
| 10 | 1992 | 18,36 Grad | +2,06 Grad |
Doch darauf kommt es letzten Endes nicht an, denn mit gleich mehreren sogenannten Hitzedoms (Hitzeglocken) konnten die Temperaturen am 27. Juni mit +41,8 Grad über Möckern-Drewitz (Sachsen-Anhalt) einen neuen Temperaturrekord aufstellen. So heiß war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881 noch nie in Deutschland. Und noch etwas - schaut man sich die obenstehende Top 10 genauer an, so sind die wärmsten Sommer von Rang 2 bis 7 alle in den vergangenen 8 Jahren aufgetreten.
| Monat | Temperatur | Temperatur-Abweichung (1961–1990) | Temperatur-Abweichung (1991–2020) |
|---|---|---|---|
| Juni 2026 | +19,4 Grad | +4,1 Grad | +3,0 Grad |
| Juli 2026 | +19,5 Grad | +2,75 Grad | +1,35 Grad |
| August 2026 | +19,74 Grad | +3,18 Grad | +1,73 Grad |
| Sommer 2026 | +19,55 Grad | +3,25 Grad | +1,95 Grad |
So extrem war die Hitze: Rekordzahl bei Sommer-, Hitze- und Wüstentagen
Der Sommer 2026 verzeichnete 48 Sommertage (Durchschnitt 61/90: 22,8 Tage). An 22,3 Tagen wurde Hitze mit mehr als +30 Grad gemessen (Durchschnitt 61/90: 4,0 Tage), an 5,4 Tagen wurden sogar Wüstentage mit mehr als +35 Grad registriert (Durchschnitt 61/90: 0,09 Tage).
Insgesamt konnten 3,3 tropische Nächte verzeichnet werden (Durchschnitt 1981/2010: 0,01 tropische Nächte). Dass es sich um einen Sommer der Extreme handelt, zeigt auch der 28. Juni: An diesem Tag wurde über Kubschütz (Sachsen) mit +29,4 Grad die höchste Tiefsttemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert. Insbesondere über Teilen von West- und Süddeutschland führten die tropischen Nächte das zu einer enormen Hitze- und Wärmebelastung, da sich die Wohnungen teils nicht mehr richtig kühlen ließen. Die Folge: Nach Schätzungen des RKI kam es zu 16.300 hitzebedingten Todesfällen - allein in Deutschland.
Hitze wurde zur größten Belastung des Sommers
Hitze fordert mehr Todesopfer als jede andere Form von Unwetter und lenkt den Fokus auf die südlichen Landesteile. Beispielsweise konnten über dem Saarland 64 Sommertage, 39 Hitzetage und 12,8 Wüstentage registriert werden. Die Anzahl der tropischen Nächte belief sich auf 9,8 Nächte und unterstreicht, dass die Situation im Sommer über dem Süden und Südwesten eine ganz andere war als über dem Nordosten. Bezogen auf eine einzelne Stadt wurden über Rheinfelden (Baden-Württemberg) sage und schreibe 81 Sommertage, 56 Hitzetage und 24 (!!!) Wüstentage verzeichnet. Man muss sich das einmal vorstellen - der Sommer hat insgesamt nur 92 Tage!
| Saison | Sommertage | Hitzetage | Wüstentage | Tropennächte |
|---|---|---|---|---|
| Sommer 2026 | 48,0 (22,8) Tage (Saarland: 64) | 22,3 (4,0) Tage (Saarland: 39) | 5,4 (0,09) Tage (Saarland: 12,8) | 3,3 (0,01) Tage (Saarland 9,8) |
Bezogen auf die Bundesländer war das Saarland mit einer durchschnittlichen Temperatur von +21,3 Grad mit Abstand das wärmste Bundesland (Anomalie: +4,7 Grad). Über Schleswig-Holstein lag die durchschnittliche Temperatur dagegen nur bei +17,8 Grad (Anomalie: +2,2 Grad) - hier konnte man sich die extremen Dimensionen des Sommers 2026 über dem Süden kaum vorstellen. Bleibt noch die tiefste Temperatur zu erwähnen: Diese wurde abseits der Gebirge am 24. August 2026 über Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) mit +1,0 Grad registriert.

| Bundesland | Abweichung Temperatur (61/90) |
|---|---|
| Saarland | +4,7 Grad |
| Baden-Württemberg | +4,5 Grad |
| Rheinland-Pfalz | +4,2 Grad |
| Bayern | +3,9 Grad |
| Hessen | +3,7 Grad |
| Nordrhein-Westfalen | +3,3 Grad |
| Thüringen | +3,1 Grad |
| Sachsen | +2,8 Grad |
| Sachsen-Anhalt | +2,7 Grad |
| Niedersachsen | +2,6 Grad |
| Hamburg | +2,5 Grad |
| Bremen | +2,5 Grad |
| Brandenburg | +2,3 Grad |
| Berlin | +2,2 Grad |
| Schleswig-Holstein | +2,2 Grad |
| Mecklenburg-Vorpommern | +2,1 Grad |
Historische Dürre: Flüsse und Seen erreichten Rekordniedrigstände
Nein, nicht überall - besonders betroffen von diesem Extrem waren der Süden und der Westen, wo Flüsse und Seen Rekordniedrigstände verzeichneten. Der Bodensee erreichte am 16. August mit 272 cm einen neuen Tiefststand und unterbot den bisherigen Tiefststand von 299 cm deutlich. An vielen Flüssen musste die Schifffahrt teils drastisch eingeschränkt und mancherorts komplett eingestellt werden.
Im bundesweiten Durchschnitt fielen 169 l/m² Regen, der Sollwert wurde nur zu 73,8 Prozent erfüllt. Das nasseste
Bundesland war Bayern mit einer Regensumme von 208 l/m² (Sollerfüllung 69,5 Prozent), das trockenste Bundesland war Rheinland-Pfalz mit gerade einmal 118 l/m² (Sollerfüllung 55 Prozent).
Den meisten Niederschlag binnen 24 Stunden gab es mit rund 107 l/m² am 29. Juni über Deisenhofen (München, Bayern). Den meisten Niederschlag im gesamten Sommer 2026 registrierte man mit 490 l/m² über Jachenau-Tannern (Bayern) an und über den Alpen. Vergleichsweise trocken blieb es mit gerade einmal 63,5 l/m² über Rosenfeld-Leidringen (Baden-Württemberg).
| Monat | Regensumme | Niederschlags-Sollerfüllung (61/90) |
|---|---|---|
| Juni 2026 | 65,7 l/m² | 82,3 Prozent |
| Juli 2026 | 43,9 l/m² | 60,5 Prozent |
| August 2026 | 59,7 l/m² | 79,8 Prozent |
| Sommer 2026 | 169 l/m² | 73,8 Prozent |
Keiner der Sommermonate konnte seinen Sollwert erfüllen und Regentage mit mehr als 1,0 l/m² gab es an 26,5 Tagen. Normal sind 31,8 Tage. Trotz der historischen Dürre über der Südhälfte - die Nordhälfte konnte dagegenhalten und so schaffte es der Sommer 2026 nicht in die Top 10 der trockensten Sommer.
| Position | Sommer | Regensumme | Niederschlags-Sollerfüllung (61/90) |
|---|---|---|---|
| 1 | 1911 | 123,9 l/m² | 49,86 Prozent |
| 2 | 2018 | 129,4 l/m² | 53,6 Prozent |
| 3 | 1904 | 133 l/m² | 55 Prozent |
| 4 | 1976 | 138,2 l/m² | 55,3 Prozent |
| 5 | 1983 | 145,1 l/m² | 58,8 Prozent |
| 6 | 2022 | 145,3 l/m² | 59,5 Prozent |
| 7 | 2003 | 153 l/m² | 65 Prozent |
| 8 | 1947 | 157,6 l/m² | 66,9 Prozent |
| 9 | 1887 | 166 l/m² | 69,5 Prozent |
| 10 | 1949 | 167,5 l/m² | 69,6 Prozent |

| Bundesland | Niederschlags-Sollerfüllung (61/90) |
|---|---|
| Sachsen | 93,5 % |
| Schleswig-Holstein | 93,2 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 88,3 % |
| Hamburg | 86,9 % |
| Bremen | 84,7 % |
| Niedersachsen | 83,8 % |
| Thüringen | 83,8 % |
| Berlin | 81,9 % |
| Brandenburg | 81,4 % |
| Sachsen-Anhalt | 75,7 % |
| Bayern | 69,5 % |
| Nordrhein-Westfalen | 64,2 % |
| Hessen | 62,3 % |
| Saarland | 59,1 % |
| Rheinland-Pfalz | 55,0 % |
| Baden-Württemberg | 54,2 % |
So sonnig war der Sommer 2026: 774 Stunden und ein starkes Süd-Nord-Gefälle
Der Sommer 2026 brachte es auf ganze 774 Sonnenstunden und erfüllte den vieljährigen Sollwert zu rund 126 Prozent. Auch beim Sonnenschein zeigte sich ein starkes Süd-Nord-Gefälle: Das Saarland war mit 881 Sonnenstunden das sonnenscheinreichste Bundesland. Über Niedersachsen dagegen trübten Wolkenfelder die Sonne mit nur 681 Stunden immer wieder ein.
Den Vogel
abgeschossen hat Konstanz (Baden-Württemberg) mit 924 Sonnenstunden. Über Bremerhaven dagegen dominierte die Sonne nur
an 663 Stunden das Himmelsbild.

| Bundesland | Sollerfüllung Sonnenscheindauer (61/90) |
|---|---|
| Rheinland-Pfalz | 140,0 % |
| Saarland | 138,0 % |
| Baden-Württemberg | 134,8 % |
| Hessen | 133,5 % |
| Bayern | 132,1 % |
| Nordrhein-Westfalen | 131,3 % |
| Thüringen | 127,8 % |
| Sachsen | 126,9 % |
| Sachsen-Anhalt | 124,5 % |
| Niedersachsen | 120,5 % |
| Bremen | 116,1 % |
| Brandenburg | 114,5 % |
| Berlin | 113,8 % |
| Hamburg | 111,7 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 111,2 % |
| Schleswig-Holstein | 109,7 % |
39 Jahre ohne zu kalten Sommer: Das Klima verschiebt die Sommerextreme
Der Sommer 2026 war in vielerlei Hinsicht ein Rekordsommer. Auch wenn er in den maßgeblichen Kennzahlen die Sommer 2018 oder 2003 nicht erreichen konnte, war er insbesondere über dem Westen und Süden ein außergewöhnliches Extrem.
Klimaerhitzung: Der Sommer wird wärmer
Rückblickend auf die letzten 20 Jahre sind die Sommer im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +1,8 Grad wärmer geworden. Um den letzten normalen
Sommer zu finden, muss man inzwischen schon 30 Jahre zurückblicken. Der letzte zu kalte Sommer (Abweichung ≤ -0,5 Grad) wurde 1987 mit einer Abweichung von -0,81 Grad registriert und liegt nun ganze 39 Jahre zurück. Mit der voranschreitenden Klimaerhitzung ist zudem zu befürchten, dass sich die kommenden Sommer im Hinblick auf Extreme noch weiter intensivieren. Das gilt sowohl für unwetterartigen Niederschlag als auch für extreme Hitze und Dürre.
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