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Sommerprognose: Polarluft drängt nach Süden, kräftiger Dämpfer für den Sommer

| M. Hoffmann

Ein Wechselspiel aus wärmeren und kühleren Luftmassen prägt die Wetterlage der kommenden Tage. Nach einem über dem Süden von Schauern und Gewittern durchsetzen Samstag setzt sich zum Sonntag zunächst Hochdruckeinfluss durch. Die Temperaturen steigen erneut an, ehe zur Wochenmitte kühlere Luft aus Norden einen Wetterwechsel einläutet. Kippt die Wetterlage und beendet den Hochsommer 2025, oder ist doch eher mit einer Erhaltungsneigung zu rechnen?

Polarluft drängt weit nach Süden vor und beendet zunächst den Sommer und Hochsommer © Martin Bloch
Polarluft drängt weit nach Süden vor und beendet zunächst den Sommer und Hochsommer © Martin Bloch

Heute ziehen südlich der Linie Schwarzwald–Nürnberg teils unwetterartige Schauer und Gewitter auf, deren Schwerpunkt südlich der Donau liegt und dort auch schwere Unwetter bringen kann (Gewitterradar || Warnlagenbericht). Weiter nach Norden lockert die Bewölkung auf, und ein trockener, sonniger Augusttag stellt sich ein. Am Sonntag lassen die Schauer über den Alpen langsam nach, andernorts setzt sich bei böigem Nordwind weiter der Sonne-Wolken-Mix durch. Mit +20 bis +25 Grad bleiben die Temperaturen gemäßigt. Zu Wochenbeginn verstärkt sich der Einfluss des Hochs, vielerorts scheint die Sonne, die Temperaturen steigen verbreitet auf +22 bis +28 Grad an. Schon am Dienstag nimmt die Schwüle im Süden wieder zu, wodurch die Gewitterneigung steigt. Am Mittwoch folgt der nächste Umschwung: Der Norden kühlt mit einströmender Nordluft teils auf +17 Grad ab, während der Süden und Osten mit bis +28 Grad noch warm bleiben. Dort ist jedoch mit teils unwetterartigen Schauern und Gewittern zu rechnen.

Wetterlage kippt, Temperatursturz folgt

Ab Donnerstag verstärkt sich die Nordströmung. Sie bringt neben Schauerwetter vor allem über Norden, Westen und Mitte auch längere sonnige Abschnitte. Weiter nach Süden und Osten intensiviert sich die Schaueraktivität und sorgt mit kräftigen Gewittern für turbulentes Wetter. Die Temperaturen sinken mit böigem Nordwind auf +17 bis +20 Grad ab. Mit Sonnenschein sind bis +22 Grad möglich, in Schauernähe werden Werte um +14 Grad erreicht. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

Ein weiterer Wetterwechsel bahnt sich zur Wochenmitte an
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Ein weiterer Wetterwechsel bahnt sich zur Wochenmitte an © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ein kräftiger Dämpfer für den Sommer

Beide Vorhersage-Modelle stimmen auch heute erneut über die Entwicklung der Großwetterlage überein. Das Hoch weicht nach Westen aus und etabliert sich zwischen Grönland, Island und England. Dies führt zu einer absolut gestörten Zirkulation. Tiefdruckgebiete sind gezwungen, neue Wege nach Mitteleuropa zu suchen, was ihnen mit einer meridional verlaufenden Nordströmung auch gelingt, die ab Mitte der kommenden Woche einsetzt, sich verstärkt und letztlich einen kräftigen Dämpfer für den Sommer zur Folge hat.

Polarluft strömt weit nach Süden vor

Das Muster der Großwetterlage verändert sich nach beiden Vorhersage-Modellen mit einem meridionalen Verlauf grundlegend. Ein erneutes rasches Abkippen der meridionalen Grundströmung ist nicht ohne Weiteres zu erwarten. Vom 21. bis mindestens zum 24. August ist mit der Zufuhr kühler Luft aus nördlichen Richtungen zu rechnen. Dadurch sinken die Temperaturen auf +20 bis +24 Grad und in Schauernähe auf bis zu +16 Grad. Kein Hochsommer, kein Sommer.

Sommerwetter

Dennoch bleiben im Hinblick auf die nach Süden strömende Polarluft einige Fragen offen. Wie weit reicht der Vorstoß polarer Luftmassen nach Süden? Wird ein Mitteleertief initiiert, oder driftet die Kaltluft rascher nach Osten ab? Und welchen Einfluss hat der zunehmende Sonnenschein auf die Temperaturen?

Beide Vorhersage-Modelle lassen die Temperaturen bis zum 25. und 26. August wieder auf +24 bis +28 Grad und örtlich bis +30 Grad ansteigen. Damit kehrt sommerliches bis hochsommerliches Wetter zurück, während der markante Wetterwechsel auf 3 bis 5 Tage begrenzt bleibt. Ursache des erneuten Temperatursprungs ist, dass das steuernde Tief über Skandinavien nach Osten verdrängt wird und das Hoch auf dem Atlantik sich von einem über Island eindrehenden Tief nach Mitteleuropa zurückdrängen lässt (positiver NAO-Index).

Hitze, einströmende Polarluft und ein nacheilendes Hoch sorgen in den kommenden Tagen für ein Auf und Ab der Temperaturen
Die Wettervorhersage des europäischen und amerikanischen Wettermodells: Hitze, einströmende Polarluft und ein nacheilendes Hoch sorgen in den kommenden Tagen für ein Auf und Ab der Temperaturen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Kippt das Wetter wieder in Richtung Hochsommer?

Der Hochsommer endet häufig im Verlauf der letzten Augusttage, in manchen Jahren bereits mit Beginn der zweiten Augustdekade. Dennoch ist der Vorstoß polarer Luftmassen ungewöhnlich, ja fast schon ein Extrem vor dem Hintergrund der Hitzewelle, die das Wetter über Deutschland in den vergangenen Tagen prägte. Erfahrungsgemäß werden solch markante Umbrüche kurz vor ihrem Eintreffen abgemildert. Wer schon länger bei und zu Gast ist, weiß, dass wir dies in den vergangenen Tagen immer wieder angesprochen haben. Und wer noch länger bei uns zu Gast ist, weiß, dass dies häufiger im Winter passiert.

Prognose-Modelle nehmen eine Kurkorrektur vor

Aber ja, der Vorstoß kühlerer Luftmassen wird heute weiterhin von den Prognose-Modellen favorisiert. Doch erstreckt sich der Zeitraum nun nicht mehr bis Ende August, sondern nur noch auf 3 bis 5 Tage. Das bleibt jedoch eine Momentaufnahme, die sich in den kommenden Stunden erneut ändern kann. Entscheidend wird sein, ob und wie sich das Tief über Skandinavien erhalten und intensivieren kann. Ebenso kommt es darauf an, wie sich das Hoch auf dem Atlantik bzw. über Grönland dazu verhält.

Bei solchen Konstellationen spielt der NAO-Index eine wichtige Rolle. Vereinfacht gesagt: Ist er negativ, bleibt das meridionale Grundmuster bestehen. Ist er positiv, entsteht ein größerer Spielraum für den Sommer. War der NAO-Index in den vergangenen Tagen noch positiv, so neutralisiert er sich bis Sonntag und rutscht vom 20. bis 24. August deutlich in den negativen Bereich ab. Im Zeitraum vom 25. bis 30. August zeigt sich zwar ein positiver Entwicklungstrend, doch bleibt der Mittelwert im negativen Bereich. Damit hat es gegenüber den vergangenen Tagen eine klare Korrektur nach unten gegeben. Das spricht im Wesentlichen gegen eine Rückkehr des Hochsommers.

Die Clusteranalyse

Von 32 Möglichkeiten ergeben sich 15 Cluster, die sich zusammenfassen lassen. 47 Prozent entsprechen einem Muster, das einem positiven NAO-Index zugeordnet werden kann und über Deutschland häufiger eine warme, teils heiße Südwestwetterlage mit erhöhter Gewitterwahrscheinlichkeit begünstigt. Ebenfalls 47 Prozent beschreiben Wetterlagen, die eine Blockade zur Folge haben. Diese Blockade kann entweder auf dem Atlantik oder über Europa auftreten. Liegt sie auf dem Atlantik, ist in Deutschland mit einer zunehmend frühherbstlichen Witterung zu rechnen. Entsteht eine Hochdruckblockade über Mitteleuropa, kann über den Hochsommer spekuliert werden. Die verbleibenden 6 Prozent entfallen auf eine Variante mit negativem NAO-Index. Wir haben die unterschiedlichen Varianten zum besseren Verständnis ausgewählter Kontrollläufe gegenübergestellt.

Die Clusteranalyse mit den unterschiedlichen Großwetterlagen
Die Wettervorhersage nach ausgesuchten Kontrollläufen © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Das Wetter kippt - Erholt sich der Hochsommer?

Die Vorhersagemodelle favorisieren nach einem kräftigen Dämpfer für den Hochsommer einen raschen Temperaturanstieg. Allerdings stimmt die Clusteranalyse nicht mit der Berechnung des NAO-Index überein, was die Wetterprognose über den 24. August hinaus erschwert und eine Vielzahl möglicher Entwicklungen offenlässt.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Zusammenfassend muss der Vorstoß der Polarluft sowie die Reaktionen des Hochdrucksystems darauf abgewartet werden. Anschließend sieht man weiter. Dass es zu einem Vorstoß der Polarluft kommt, ist sehr wahrscheinlich und bestätigt sich in den Kontrollläufen mit einem Temperatursturz um +10 Grad. Interessant ist jedoch, dass die Kontrollläufe im Vergleich zu den vergangenen 24 Stunden eine Korrektur erfahren haben. Vom 24. bis 31. August entwickelt sich der Temperaturtrend positiv, was sich in einer Temperaturanomalie von +1 bis +2 Grad widerspiegelt. Über dem Süden und Westen sogar bis +3 Grad.

Die Regenprognose

Die Niederschlagssignale sind über dem Süden heute noch erhöht, während über dem Rest von Deutschland bis zum 20. August kaum Regen zu erwarten ist. Zum 21. August zeigt sich über dem Süden erneut eine erhöhte Aktivität, sonst nur leicht erhöht. Eine Ausnahme bildet der Norden, wo die Niederschlagssignale vom 21. bis 31. August stets leicht erhöht sind. Dort ist also ein stärkerer maritimer Einfluss zu erwarten als über dem Süden. Interpretiert man dies und verbindet es mit den vagen Berechnungen der Randfaktoren, ergibt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine wechselhafte, zu Schauern und Gewittern neigende Südwestwetterlage. Dadurch wird der Vorstoß polarer Luftmassen vermutlich auf wenige Tage beschränkt (wenn nicht sogar noch weiter abgeschwächt). Schaun mer mal.

Nach Durchzug polare Luft zeigt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine unbeständige Südwestwetterlage
Nach Durchzug polare Luft zeigt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine unbeständige Südwestwetterlage © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
22. August +10 bis +27 Grad +18 bis +20 Grad
26. August +13 bis +33 Grad +21 bis +23 Grad
31. August +12 bis +30 Grad +21 bis +23 Grad
Diagramm Temperaturen August 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Auf den nachfolgenden Seiten erfahren Sie, wie sich das Wetter im Herbst und Winter 2025/26 entwickeln kann.

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