Zum Hauptinhalt springen

Sommerwetter: Anzeichen für ein kippen des Wetters im August - Blick auf Europa

| M. Hoffmann

Monsunartige Schauer haben in den vergangenen 48 Stunden – insbesondere über der Südhälfte – für reichlich Abwechslung gesorgt. Über den Regionen südlich der Donau sind Regensummen von teils deutlich über 100 l/m² zusammengekommen. An diesen wechselhaften und immer wieder schauerartig verstärkten Niederschlägen wird sich bis zum 3. August zunächst nichts ändern, da die Großwetterlage weiterhin durch Störimpulse bestimmt wird. Berechtigt also die Frage, ob das Wetter mit dem Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern einfach so weitermacht und auch der August in einem Sommermonsun endet – oder ob die Großwetterlage kippt. Und wenn ja: Was wären die Konsequenzen für den Sommer in Deutschland und Europa?

Kippt die Großwetterlage im Augst?
Kippt die Großwetterlage im Augst?

Die schwüle, instabile Luftmasse liegt heute noch über Deutschland und sorgt verbreitet für kräftige Schauer und Gewitter (Gewitterradar || Warnlagenbericht). Diese schwächen sich über Teilen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen ab – sowohl in ihrer Intensität als auch in der Häufigkeit. Zu Beginn der neuen Woche ziehen sich die Schauer in Richtung Alpen zurück. Bis Ende Juli treten immer wieder Schauer auf, die über dem Norden häufiger in Erscheinung treten. Ab der Wochenmitte ist über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern teils ergiebiger Niederschlag möglich. Weiter südlich lockert die Wolkendecke zwischen den Schauern auf, wodurch einige sonnige Momente möglich sein können. Die Temperaturen erreichen meist +20 bis +24 Grad und sinken in Schauernähe auf bis +17 Grad ab.

Der nächste Störimpuls: Das Wetter im August startet wechselhaft

Anfang August dreht sich eine weitere Störung zwischen dem südlichen Skandinavien und Deutschland ein. Bis zum 3. August kommt es bei überwiegend starker bis wechselnder Bewölkung wiederholt zu Schauern, deren Intensität und Dauer regional unterschiedlich ausfallen können. Auch kurze Gewitter sind möglich. Die Temperaturen erreichen +20 bis +25 Grad und sinken in Schauernähe auf bis +17 Grad ab. Hochsommer sieht anders aus. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

Kein Sommerwetter - bis in den August hinein ist mit wiederholten - teils kräftigen - Schauern und örtlichen Gewittern zu rechnen
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Kein Sommerwetter - bis in den August hinein ist mit wiederholten - teils kräftigen - Schauern und örtlichen Gewittern zu rechnen. © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Unbeständiges Wetter im Hochsommer

Die Hochdruckzentren über dem Atlantik und im westlichen Russland finden keinen Zusammenschluss und lassen über Mitteleuropa eine Lücke entstehen, in die wiederholt Störungen vordringen und sich in Richtung Alpen entwickeln können. Innerhalb des Hochdruckrückens wandeln sich diese Störungen in ein Höhentief um und verhindern den Aufbau einer stabilen, hochsommerlich warmen Wetterlage.

Hoch schließt sich – Sommermonsun hält an

Für die Einschätzung der kommenden Wetterlage ist entscheidend, wie sich das Hoch zum Störimpuls verhält. Laut Prognose des europäischen Wettermodells wird um den 5. August der nächste Störimpuls vom Hochdrucksystem eingeschlossen, was die Wetterentwicklung über Mitteleuropa erneut destabilisiert. Gleichzeitig sorgt das Hoch über Skandinavien für ungewöhnlich hohe Temperaturen.

Über Deutschland, Österreich und der Schweiz bleibt der Wettercharakter wechselhaft und setzt im Grunde das Julimuster auch im August fort. Bei überwiegend starker bis wechselnder Bewölkung kommt es bis zum 10. August immer wieder zu Schauern und Gewittern, deren Intensität regional stark variieren kann. Die Temperaturen pendeln sich auf +20 bis +25 Grad ein. Bei längerer Sonnenscheindauer sind bis +28 Grad möglich, in Gewitternähe sinken sie auf bis zu +17 Grad ab. Der Hochsommer fällt ins Wasser.

Die Hochdruckzentren schließen sich über Skandinavien zusammen und kapseln einen weiteren Störimpuls über Mitteleuropa ab
Die Wettervorhersage des europäischen Wettermodells: Die Hochdruckzentren schließen sich über Skandinavien zusammen und kapseln einen weiteren Störimpuls über Mitteleuropa ab © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Anzeichen für ein Kippen der Großwetterlage mehren sich

Wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, weiß, dass sich in den vergangenen Tagen im Mittelwert aller Kontrollläufe immer wieder eine Südwestwetterlage für die erste August-Dekade abzeichnete. Der Hochdruckrücken über Skandinavien wird abgebaut und stattdessen formt sich ein Keil von den Azoren in Richtung Mitteleuropa. Das amerikanische Wettermodell präsentiert heute eine solche Variante.

Hochsommerlich warm …

Das Azorenhoch ist am 6. August weit nach Norden verschoben und erstreckt sich mit seinem Kerngebiet bis über England. Von dort aus schiebt sich der Keil weiter nach Osten – bis über Osteuropa. Störimpulse bleiben aus, sodass sich vom 4. bis 8. August eine nahezu stabile Wetterlage etablieren kann. Bei nur geringfügiger Niederschlagsentwicklung ist mit viel Sonnenschein zu rechnen, was die Temperaturen bei zunehmender Schwüle auf +25 bis +30 Grad ansteigen lassen kann.

… aber kein stabiles Sommerwetter

Die Frontalzone beginnt sich über dem Atlantik zu regenerieren und bildet den Konterpart zum Azorenhoch (positiver NAO-Index). Da sich der Keil jedoch in Richtung Mitteleuropa verlagert, laufen die Tiefdrucksysteme auf das Hoch auf. Es etabliert sich eine südwestlich orientierte Grundströmung – charakteristisch für den Sommer.

Die Temperaturen pendeln sich bis zum 11. August auf +25 bis +30 Grad ein und können bei entsprechender Vorderseitenanströmung kurzzeitig bis +35 Grad erreichen. Kräftige Schauer und Gewitter bringen jedoch – teils mit unwetterartigen Wetterereignissen – immer wieder Abwechslung. Zwar stellt sich keine stabile Wetterentwicklung ein, dennoch verbleiben die Temperaturen im sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich.

Die Südwestwetterlage bringt zwar Schauer und Gewitter nach Deutschland, doch bewegen sich die Temperaturen im sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich
Die Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell und ausgesuchten Kontrollläufen: Das muss passieren, damit sich das Wetter im Hochsommer stabilisieren kann © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Das Hop-oder-Top Prinzip

Die Großwetterlage zeigt sich derzeit blockiert (Erhaltungsneigung) und verlängert den Sommermonsun über Deutschland voraussichtlich bis mindestens zum 3. August. Währenddessen kämpfen andere Teile Europas weiterhin mit extremer Hitze. Danach kann sich das Wetter in zwei Richtungen entwickeln: Entweder stabilisiert sich die Hochdruckzone über Mitteleuropa mit einer Verschmelzung der Hochdruckgebiete – oder eben nicht. Das Hop-oder-Top Prinzip bestätigt sich auch über den zehnten Tag hinaus immer wieder aufs Neue.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Vieles ist denkbar, doch betrachtet man die Details und sich verdichtenden Tendenzen, kristallisiert sich eine zunehmende Wahrscheinlichkeit heraus. Besonders relevant ist der NAO-Index, der seit dem 13. Juli negativ verläuft und in den kommenden Tagen einen neutralen Wert annimmt. Der NAO-Index beschreibt das Verhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief (Frontalzone). Bei negativem Wert herrscht hoher Luftdruck über Island, was auf eine schwache oder nach Süden verlagerte Frontalzone hindeutet. Bei positivem Wert liegt das Azorenhoch an seinem angestammten Platz, und das Islandtief beginnt mit der Regeneration der Frontalzone. Und ja, ab August wird der NAO-Index positiv bewertet – ein klarer Indikator für ein Kippen der Wetterlage.

Ein weiterer Hinweis ist der Mittelwert aller Kontrollläufe. In den vergangenen Tagen zeigte sich ein positiv verlaufender Temperaturtrend für die erste August-Dekade, der nun bestätigt wurde. Interessant ist, dass das europäische Wettermodell im Vergleich nicht nur die kühlste Variante abbildet, sondern auch der Mittelwert der Kontrollläufe einen deutlichen Sprung in Richtung Sommer vollzogen hat. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen steigen im Trend: am 1. August +20 Grad, am 5. August 22 Grad, am 8. August +23,5 Grad und am 10. August +25 Grad. Dies entspricht einem Temperaturspektrum von +22 bis +26 Grad, örtlich bis +28 Grad.

Die Regenprognose

Bis zum 4. August bleibt die Niederschlagsaktivität noch mäßig erhöht. Ab dem 5. August sinkt sie über ganz Deutschland in einen schwach erhöhten Bereich ab. Also ja, der vorsichtige Trend hin zu einer Stabilisierung der Wetterlage nach dem 3. August bestätigt sich heute. Schaun mer mal.

Die Hochdruckzone rückt von Süden weiter in Richtung Norden vor und bestätigt den vorsichtigen Ansatz einer sommerlichen Wetterentwicklung in der ersten August-Dekade
Die Hochdruckzone rückt von Süden weiter in Richtung Norden vor und bestätigt den vorsichtigen Ansatz einer sommerlichen Wetterentwicklung in der ersten August-Dekade © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
2. August +16 bis +28 Grad +20 bis +22 Grad
6. August +11 bis +30 Grad +22 bis +24 Grad
11. August +14 bis +35 Grad +24 bis +26 Grad
Diagramm Temperaturen August 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Das Wetter in Europa

Setzt sich die Hochdruckzone durch, ist über Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie über dem östlichen und südöstlichen Europa weitgehend mit trockenem, warmem bis heißem Wetter zu rechnen. Mit zunehmendem maritimen Einfluss des Islandtiefs wird es über dem nördlichen England sowie über Norwegen, Schweden und Finnland wechselhafter – je weiter man nach Norden kommt.

Die Temperaturverteilung liegt über Nordskandinavien bei +14 bis +18 Grad, in der Mitte bei etwa +20 Grad und über dem Süden bei bis zu +26 Grad. Weiter südlich sind über Dänemark und den Niederlanden Werte von +24 bis +28 Grad, regional auch bis +30 Grad möglich. Noch weiter südlich steigen die Temperaturen auf bis zu +35 Grad, über Spanien, Portugal sowie in der Türkei und Griechenland sind bis zu +43 Grad erreichbar. Über Italien werden +28 bis +34 Grad berechnet, im südlichen Landesinneren sind bis zu +40 Grad möglich. Über dem Balkan steigt die Gewitterneigung, was das Temperaturspektrum mit +21 bis +36 Grad auffächert.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

BEVORZUGTE QUELLE

Unsere Wetteranalysen in Google schneller wiederfinden? Fügen Sie uns als bevorzugte Quelle hinzu.
Unterstützen
Sie uns!
Ihnen gefallen unsere Wettervorhersagen? Wir freuen uns über einen freiwilligen Geldbetrag in einer von Ihnen gewünschten Höhe.
Betrag wählen
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)