Wetterprognose: Die Großwetterlage kippt bis August
War der Juni noch ungewöhnlich warm und extrem trocken, so präsentiert sich der Juli bislang deutlich wechselhafter. Unter dem Strich ist der Juli jedoch mit einer Temperaturabweichung von rund +1,8 Grad gegenüber dem langjährigen Klimamittel von 1961–1990 (91/20: +0,4 Grad) zu warm und hat 62 Prozent seines Niederschlagsolls erreicht – regional mit großen Unterschieden. Schwül‑warme Luftmassen dehnen sich im Moment über Deutschland aus und lassen das Wochenende sommerlich warm ausfallen. Doch die Schwüle begünstigt aufziehende Gewitter, die zum Start in die neue Woche – mitsamt einem markanten Wetterwechsel – schwere Unwetter auslösen können. Die Störung hat es in sich und könnte dem Hochsommer im Verlauf der Woche einen weiteren Dämpfer verpassen. Geht der Schaukelsommer
bis in den August so weiter? Die Vorhersagemodelle rechnen mit einem erneuten Kippen der Großwetterlage – nur die Richtung bleibt vorerst offen.

Sommerwetter dominiert heute und am Samstag: Über weite Teile Deutschlands klettern die Temperaturen auf +24 bis +28 Grad, lokal sogar auf bis +32 Grad an. Ganz ungetrübt bleibt es jedoch nicht: Entlang eines breiten Streifens zwischen Schleswig‑Holstein und Hannover sind bereits heute einzelne Schauer möglich, und am Samstag sorgen aus Südwesten aufziehende Schauer und Gewitter für ein steigendes Unwetterpotential, das sich am Sonntag bei weiter zunehmender Schwüle etwas nach Osten verlagert.
Wetterwechsel - Unwetterfront mit hohem Schadpotential
Bis zum Wochenende verlagert sich das aktuelle Hoch weiter in Richtung Skandinavien, und ein Störimpuls beginnt, das Hoch an seinen südlichen Gradienten zu unterwandern. Ab Samstag macht sich das zunächst durch regionale Schauer und Gewitter bemerkbar. In der Nacht auf Montag und am Montag selbst strömt die labile Luftmasse tiefer nach Deutschland und lässt es von Südwest nach Nordost teils heftig krachen – nach aktuellen Prognosen mit regional extremen Unwettern und hohem Schadpotential.
Die Unwetterfront zieht bis Mitte der Woche weiter nach Osten, gerät jedoch in einem gradientenschwachen Wetterumfeld ins Stocken, sodass bei starker bis wechselnder Bewölkung weiterer, teils länger anhaltender und ergiebiger Niederschlag möglich ist. Die Temperaturen gehen auf +17 bis +22 Grad zurück, erreichen in kurzen sonnigen Momenten aber noch einmal bis +24 Grad. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Juli.

Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Keine Chance für den Hochsommer
Beim genauen Blick auf die obenstehenden Wetterkarten erkennt man das schwachgradientige, hochdruckdominierte Muster der Großwetterlage der kommenden Woche. Das Hoch über Skandinavien wird an seinem südlichen Rand unterwandert; aufgrund der fehlenden Dynamik verharren die Regengebiete nahezu ortsfest und bescheren so eine wechselhafte Juliwoche. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Hochsommers (Beginn am 21. Juli – Hundstage) ist, wie stark die Störimpulse das Hoch am Aufbau einer stabilen Witterung hindern können. Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells simuliert heute eine Variante, die Freunden des Sommerwetters
kaum gefallen dürfte.
Störung drängt in Richtung der Alpen
Zur Wochenmitte versucht das Hoch, von Skandinavien aus einen Hochdruckkeil in Richtung der Mittelmeerregion aufzubauen. Gelingt dies, kippt die Großwetterlage in den Hochsommermodus. Aktuell jedoch drängt die Störung über England in Richtung der Alpen; in der Folge löst sich die Hochdruckachse in Richtung der Mittelmeerregion auf, und die Störung kann sich als Kaltlufttropfen mitten in der Hochdruckzone einnisten. Damit hält das wechselhafte Wetter vorerst bis zum 27. Juli an. Die Temperaturen bewegen sich zwischen +20 und +25 Grad und fallen in Schauernähe auf bis zu +16 Grad. Hochsommer fühlt sich anders an.
Sommermonsun: Worst-Case für den Hochsommer
Die Störung leistet ganze Arbeit und zwingt das Hoch, sich in zwei Zentren aufzuteilen: eines auf dem Atlantik, das andere über dem westlichen Russland. Dazwischen hält sie eine Lücke offen, in die ein weiteres Tief aus Island vordringt und rückseitig das Azorenhoch nach Norden aufstreben lässt. Auf dem Atlantik entsteht so ein Blockadehoch, das im Verbund mit der Tiefdruckaktivität die Grundströmung meridionalisiert (Nord–Süd; Süd–Nord). Diese Entwicklung geht so weit, dass sich das Tief bis Anfang August über Skandinavien zentriert und einen Trog in Richtung der Alpen ausbildet. Der Hochsommer hat – nach der Wettervorhersage des europäischen Wettermodells – bis August nicht den Hauch einer Chance.

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Hochsommer bekommt seine Chance
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells sieht bis Ende Juli einen Fortbestand des Schaukelsommers
vor. Eine stabile Hochdruckzone bildet sich nicht; stattdessen streckt sich ein Hochdruckkeil des Azorenhochs vom Atlantik über Frankreich und Italien bis über die östliche Mittelmeerregion den Tiefdrucksystemen entgegen. Die Temperaturen bewegen sich zwischen +22 und +27 Grad und können über dem Süden sogar an der +30‑Grad‑Marke kratzen, während es in Schauernähe auf bis +18 Grad abkühlt. Der Norden Deutschlands bleibt dabei stärker von maritimen Einflüssen geprägt als der Süden.
Trogvorstoß mit Risiken - Extremer Regen nicht auszuschließen
Anfang August zieht sich das Azorenhoch zurück und lässt ein Tief über Island passieren, wodurch zum Monatswechsel eine Trogwetterlage entsteht. Damit wird das Wetter - auch über dem Süden - wechselhafter und die Temperaturen gehen auf +14 bis +18 Grad zurück – alles andere als sommerlich. Der Trog verweilt jedoch nicht über Mitteleuropa; bereits am 1. August wandelt er sich in ein Höhentief, der zügig in Richtung des östlichen Mittelmeers abgleitet. Dort angekommen saugt sich der Kaltlufttropfen mit feucht‑warmer Mittelmeerluft voll und kann über Teilen von Baden‑Württemberg und Bayern, der Schweiz, Österreich, Tschechien und Polen verheerende Regensummen auslösen.
Im August: Aufbau einer Hochdruckzone mit hochsommerlichen Temperaturen
Auf der Rückseite umschließt das Azorenhoch die Störung und knüpft Anfang August eine Querverbindung zum Kontinentalhoch über Russland. Mit nachlassender Niederschlagsaktivität klettern die Temperaturen bis zum 3. August auf +24 bis +28 Grad, örtlich sogar auf bis +32 Grad – sommerlich bis hochsommerlich. Ob die Hochdruckzone jedoch stabil bleibt, hängt maßgeblich vom Verhalten des Störimpulses über der östlichen Mittelmeerregion ab. Dennoch lässt sich der Ansatz einer hochsommerlichen Wetterentwicklung klar erkennen.

Auf den Punkt gebracht: Störimpuls und Hochsommer liegen eng beieinander
Am Fazit der Prognose der Vergangenen 15 Tage hat sich nichts geändert. Störimpulse sorgen für ein zunächst wechselhaften Wettercharakter, der mit schweren Unwettern und nennenswertem Niederschlag für ein turbulenten Auftakt in die neue Woche sorgen kann. Der Störimpuls lässt sich nicht so ohne weiteres wegzaubern
und wird das Wetter der kommenden Woche prägen. Für Anfang August aber simulieren die Vorhersage-Modell unterschiedliche Varianten und macht ein Kippen der Großwetterlage - sowohl in die eine, als auch andere Richtung - sehr wahrscheinlich. Eine Hop-oder-Top
Entwicklung mit der Option zwischen Hochsommer und verheerenden Niederschlagsmengen.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Die Trogvorstöße, welche die Prognosemodelle simulieren, bilden im Vergleich zu den Kontrollläufen die kältesten Varianten ab. Es bleibt fraglich, ob sich ein ausgeprägter Trog über Mitteleuropa eindrehen kann. Dennoch: Hochsommerliche Varianten sind in der Minderheit, und die Temperaturanomalie schwankt über dem Norden, Westen und Osten im Bereich des vieljährigen Klimamittelwerts von 1961 bis 1990. Über dem Süden liegt die Anomalie zwischen +0,5 und +1,5 Grad. Daraus ergibt sich ein Mittelwert der Tageshöchstwerte von +21 bis +24 Grad über dem Süden und Westen sowie +20 bis +22 Grad über dem Norden und Osten.
Die Regenprognose
Die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist über dem Westen und Norden im Zeitraum vom 20. bis 28. Juli mäßig erhöht. Über dem Osten und Süden deutet sich um den 21. und 24. Juli ebenfalls eine erhöhte Niederschlagsneigung an. Darüber hinaus zeigen die Modelle rückläufige Signale. Fazit: Die bevorstehende Störung verpasst dem Hochsommer erneut einen Dämpfer, bevor sich Anfang August eine zunehmende Wahrscheinlichkeit für den Aufbau eines Hochdrucksystems abzeichnet. Schaun mer mal.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 24. Juli | +12 bis +25 Grad | +20 bis +22 Grad |
| 28. Juli | +11 bis +30 Grad | +20 bis +22 Grad |
| 2. August | +15 bis +34 Grad | +22 bis +25 Grad |

Das Wetter zum Beginn der Sommerferien mit Blick auf Europa












