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Turbulente Wetteraussichten: Polarhoch übernimmt, Polarwirbel fliegt auseinander

| M. Hoffmann

Der Frühling wird nicht von langer Dauer sein. Bereits zum Wochenende sorgen Schauer und Gewitter für einen langsamen Rückgang der Temperaturen. Gleichzeitig zersetzt sich der Polarwirbel weiter und kann Ende März und Anfang April für Wetterkapriolen der besonderen Art sorgen.

Launisches und abwechslungsreiches Wetter im April
Launisches und abwechslungsreiches Wetter im April

Frühlingswetter dominiert die kommenden Tage noch bis einschließlich Freitag. Anfangs ist mit viel Sonnenschein zu rechnen, der sich nach und nach von Südwesten her eintrübt. Zunächst ist es der Saharastaub, dann eine hohe Schichtbewölkung,, die sich am Freitag von Südwesten her verdichtet und den Sonnenschein spürbar mindert. Mit Niederschlag ist nicht zu rechnen. Die Temperaturen steigen bei schwachen Winden weiter an und können am Freitag mit +15 bis +20 Grad, örtlich sogar bis +22 Grad, nicht nur frühlingshafte, sondern auch frühsommerliche Werte erreichen.

Schauer und Gewitter

Die Bewölkung verdichtet sich am Samstag von Süden weiter, und nachfolgend kommt es zu kräftigen Schauern und örtlichen Gewittern, die sich bis zum Abend weiter nach Norden ausdehnen. Am Sonntag intensivieren sich die Schauer und können regional zu länger andauerndem und ergiebigem Niederschlag führen, der mit einem quasistationären Verhalten auch am Montag noch für unbeständiges Märzwetter sorgen kann. Die Temperaturen gehen von Samstag mit +14 bis +18 Grad bis Montag auf +11 bis +15 Grad zurück – örtlich sind noch bis zu +17 Grad möglich. Wer es genauer wissen möchte – Wetter März.

Ab dem Wochenende zieht sich der Frühling mit einem zu Schauern und Gewittern neigenden Wettercharakter aus Deutschland zurück
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Ab dem Wochenende zieht sich der Frühling mit einem zu Schauern und Gewittern neigenden Wettercharakter aus Deutschland zurück © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage: Polarwirbel zersetzt sich weiter

Mit dem Zusammenbruch des Stratosphärenwirbels schreitet die Zersetzung der unteren Schichten des Polarwirbels weiter voran, was die Wetterprognose vor Herausforderungen stellt. Fraglich ist, wie sich die Hochdrucksysteme zur beginnenden Wellenbewegung entlang der Polarfront verhalten werden.

Launisches Aprilwetter

Die Europäer berechnen bereits bis zum 28. März einen völlig desolaten Polarwirbel, der den Frühling über Deutschland nicht ausschließt, eine spätwinterliche Witterung aber ebenfalls nicht unmöglich macht.

Die Prognose der Amerikaner sieht zum 28. März einen Trogvorstoß vor, wodurch Frühlingswetter ausgeschlossen und winterliche Wettererscheinungen möglich wären. Aufgrund des breiten Spektrums der kommenden Entwicklung heißt es – insbesondere mit Blick auf die Details – abzuwarten. Nachfolgend eine Gegenüberstellung der Vorhersagemodelle zur Verdeutlichung der Unsicherheiten.

Der Frühling auf dem Rückzug
Die Wettervorhersage nach dem europäischen und amerikanischen Vorhersage-Modell: Der Frühling auf dem Rückzug © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose: Zusammenbruch des Polarwirbels und die Auswirkungen auf das Wetter im April

Immer wenn die Prognosemodelle bereits in der erweiterten Wettervorhersage große Unterschiede aufweisen, rücken die Randfaktoren in den Vordergrund. Auffällig ist jedoch zunächst die Gemeinsamkeit einer weiterhin schwachen Niederschlagsentwicklung über dem Norden und Osten Deutschlands. Die zweite Gemeinsamkeit zeigt sich in Form einer instabilen Wetterlage.

Die Randfaktoren

Zunächst der Blick auf den AO-Index, der – stark vereinfacht – den Zustand des Polarwirbels widerspiegelt. Dieser unterliegt einer extremen Spannbreite und lässt den Rückschluss auf eine weitere Zersetzung des Polarwirbels zu, der sich zunehmend clustern wird. Eine Regenerierung des Polarwirbels ist derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen, da sich der Stratosphärenwirbel vom Major Warming nicht mehr erholt und bereits in ein Final Warming übergegangen ist. Die Winde drehen sich seit einigen Tagen in eine andere Richtung als die unteren Schichten des Polarwirbels – und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Ein weiterer Randfaktor ist der NAO-Index (Verhältnis Azorenhoch zu Islandtief). Der NAO-Index zeigt sich überwiegend in positiver Ausprägung, was tiefen Luftdruck über Island begünstigt. Daraus lässt sich schließen, dass kühlere Wetterphasen zwar möglich sind, aber nur von kurzer Dauer sein werden. Denkbar wäre auch eine Westwetterlage, doch diese ist mit einem sich weiter destabilisierenden Polarwirbel wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Hochdruckzone über Europa – in welcher Form auch immer.

Trockenes und frühsommerliches Aprilwetter?

Ein Blick auf die nachfolgenden Wetterkarten der beiden Vorhersagemodelle bis zum 4. April zeigt Hochdruckzonen unterschiedlicher Ausprägung, wenngleich die Prognose der Europäer einen neutralen bis negativen NAO-Index berechnet. Unabhängig davon bleibt die Hochdruckzone, anfällig für Störimpulse. Eine weitere Gemeinsamkeit zeigt sich in einem Anfang April ansteigenden Temperaturniveau, bei dem die frühsommerliche +20-Grad-Marke erreicht werden könnte. Zudem deuten die Europäer die Möglichkeit an, dass der März über weite Teile Nord- und Ostdeutschlands komplett ohne Niederschlag bleiben kann.

Betrachtet man die Clusteranalyse, so geht auch diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von einer blockierenden Wetterlage aus (hochdruckdominiert).

Blockierende Wetterlage
Wetterprognose nach dem europäischen und amerikanischen Wettermodell: Blockierende Wetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Fortschreitende Zersetzung des Polarwirbels

An diesem Resümee hat sich auch heute nichts geändert. Auch die Unsicherheiten in der erweiterten Wetterprognose bleiben erwartungsgemäß bestehen. Konzentriert man sich jedoch auf das Wesentliche, lassen sich zwei Merkmale für die kommende Wetterentwicklung herausarbeiten.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Das Frühlingswetter wird zwischen dem 23. und 25. März einen Dämpfer erfahren. Die Temperaturanomalie sinkt von +4 bis +8 Grad bis zum 26. März auf +1 bis +3 Grad ab. Eine frischere Wetterphase mit Tageswerten von +5 bis +10 Grad ist vom 25. bis 27. März sehr wahrscheinlich. Nachfolgend steigt das Temperaturniveau zwar etwas an, bleibt jedoch mit einem Mittelwert um die +10-Grad-Marke schwankend außerhalb des frühlingshaften Temperaturspektrums. Nichtsdestotrotz könnte der April im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert zu warm starten.

Die Niederschlagsignale sind vom 24. bis 26. März mäßig erhöht und schwächen sich anschließend auf ein schwaches bis leicht erhöhtes Niveau ab. Wenn man so will – launisches und zu Schauern neigendes Aprilwetter. Spätwinterliche Wettererscheinungen sind zwischen dem 25. und 26. März oberhalb von etwa 500 bis 900 Metern nicht auszuschließen. Schaun mer mal.

Ein breites Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten
Die Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Ein breites Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
25. März +5 bis
+18 Grad
+10 bis
+12 Grad
30. März +5 bis
+17 Grad
+9 bis
+11 Grad
3. April +6 bis
+20 Grad
+10 bis
+12 Grad
Diagramm Temperaturen april 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe April 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Regenradar
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