Wetterprognose: Frühling ausgebremst - Stratosphären-Phänomen bringt Kälte zurück
Im Moment wird in Stratosphärenhöhe ein Prozess in Gang gesetzt, der dem Stratosphärenwirbel nicht nur ordentlich zusetzt, sondern ihn auch zum frühzeitigen Zusammenbruch zwingen kann. Das hat Auswirkungen auf die unteren Schichten des Polarwirbels und damit auf die Wetterentwicklung über Deutschland – dem Frühling ist noch nicht zu trauen.
Vielerorts präsentiert sich der Himmel über Deutschland in strahlendem Blau. Die Ausnahme zeigt sich noch bis Mittwoch über dem Norden von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wo neben Hochnebel auch Wolkenfelder den Sonnenschein gelegentlich eintrüben können (Wolkenradar).
Frühling
In den klaren Nächten sinken die Temperaturen mancherorts in den Frostbereich, und es können sich dichte Nebelfelder ausbilden, die sich am Tage jedoch rasch auflösen. Der Wind kommt zunächst schwach aus nordöstlichen Richtungen, dreht im Verlauf der Woche auf südliche Richtungen und führt warme Luftmassen nach Norden. So steigen die Temperaturen von heute mit +7 bis +12 Grad bis Mitte der Woche auf +10 bis +15 Grad und örtlich bis +17 Grad. Bis Samstag sind +12 bis +16 Grad und örtlich bis +18 Grad möglich. Mancherorts kann das Erreichen der frühsommerlichen +20-Grad-Marke nicht ausgeschlossen werden. Wer es genauer wissen möchte – Wetter März.

Wetteraussichten - Frühling zieht sich zurück, Polarwirbel in Stratosphärenhöhe bricht zusammen
Man kann die kommende Wetterentwicklung als Aktio gleich Reaktio oder auch als Top-Down-Prinzip bezeichnen. Die Aktion findet im Moment in Stratosphärenhöhe in Form eines Minor-Warmings statt, welches sich bis zum 8. März zu einem Major-Warming weiterentwickelt.
Die Stratosphärenwinde betragen im Moment noch +102 km/h und sinken zum 9. März auf +0 km/h ab, um nachfolgend auf -72 km/h abzusinken. Mit Umkehrung der Vorzeichen dreht sich der Wind in der Stratosphäre in eine andere Richtung, als es die unteren Schichten tun. Das ist die Aktion. Die Reaktion erfolgt mit einem sich destabilisierenden Polarwirbel, welcher in der zweiten Märzdekade zunächst in den höheren und im weiteren Verlauf auch in den tieferen Schichten des Polarwirbels zum Zusammenbruch führt.
Nasskaltes Aprilwetter
So ist klar, dass sich die Großwetterlage mit Beginn der zweiten Märzdekade erneut ändern wird. In welche Richtung sich die Großwetterlage entwickeln wird, bleibt noch abzuwarten und ist abhängig von den Parametern des Zusammenbruchs der oberen Schichten.
Ein Favorit aber ist in der Wetterprognose beider Vorhersage-Modelle ein auf dem Atlantik nach Norden aufkeilendes Hochdrucksystem, welches die Frontalzone auf dem Atlantik vollständig blockiert und auf seiner Rückseite kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Süden führen kann. Eine meridional verlaufende Grundströmung und mit entsprechender Dynamik kann die polare Luftmasse auch Deutschland erreichen.
Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen
Erreichen die Temperaturen am 10. März noch +12 bis +16 Grad, so sinken die Werte bis zum 13. März auf +0 bis +5 Grad ab und können in den kurzen sonnigen Phasen bis +8 Grad erreichen. Mit Frühling hat das wenig gemeinsam, vielmehr ist es so, dass die zahlreichen Schauer teils bis auf tiefere Lagen herab in Form von Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauern niedergehen können. Oberhalb etwa 400 bis 600 Meter lassen sich in diesem Fall winterliche Wettererscheinungen nicht ausschließen.

Frühling, Frühsommer oder Spätwinter?
Ganz so klar ist die nasskalte Witterung noch nicht und es gilt noch, die kommenden 24 Stunden abzuwarten. Doch der Wettertrend klar strukturiert: Solange das Hoch auf dem Atlantik aufsteigt, die Frontalzone blockiert und zu einer meridional verlaufenden Grundströmung führt, hat die polare Luftmasse eine hervorragende Grundlage, sich bis an die Alpen durchzusetzen. Doch was passiert, wenn sich das Hoch anders verhält?
Arctic Outbreak, Polarwirbelsplit und trotzdem Frühlingswetter über Deutschland
Eine Abwandlung der meridional verlaufenden Grundströmung gibt es immer dann, wenn sich das Hoch zu weit nach Westen ausdehnt und zudem noch über Grönland zieht. Da sich das Blockadehoch im Uhrzeigersinn dreht, werden die kalten Luftmassen nicht über Skandinavien in Richtung Deutschland, sondern über das europäische Nordmeer in Richtung Island/England geführt. Dort angekommen, wird - explosionsartig
- ein Tiefdrucksystem entstehen, das in Kombination mit dem Hoch weiter kalte Luftmassen nach Süden zieht, auf seiner Vorderseite jedoch ungewöhnlich warme Luftmassen nach Norden schiebt. Kurzum, trotz einer absolut gestörten Zirkulation und einem Arctic Outbreak könnte über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine frühlingshaft warme Vorderseitenanströmung möglich sein.
Frühsommer
In der dritten Variante kippt das Blockadehoch auf dem Atlantik nach Osten ab und kann sich entweder als Hochdruckzone oder auch als autark agierendes Hochdrucksystem über Mitteleuropa positionieren. Im Extremfall könnte sich daraus eine Omegawetterlage (Ω) über Deutschland einstellen, die die Temperaturen auf bis zu +20 Grad und örtlich darüber ansteigen lässt, sodass frühsommerliche Verhältnisse entstehen.
Nachfolgend eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Varianten mithilfe ausgesuchter Kontrollläufe.

Auf den Punkt gebracht: Der Frühling zeigt Schwächen
Auch nach Tag 6 keine Änderung am Resümee der vergangenen Tage. Der Frühling dreht auf und wird noch bis zum 10. März für eine Temperaturanomalie von bis zu +6 Grad sorgen können. Also ja, die ersten Märztage werden extrem zu warm ausfallen und so steht bereits jetzt schon fest, dass der März am Ende seiner Tage mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit zu warm ausfallen wird. Klar ist aber auch, dass sich die ungewöhnlich warme Wetterphase in der zweiten Märzhälfte keinen Bestand mehr haben wird – zumindest wenn es nach der Wettervorhersage der Vorhersage-Modelle geht.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Die Kontrollläufe sind klar strukturiert und berechnen vom 3. bis 12. März eine Anomalie der Temperaturen von +5 bis +8 Grad. Im Vergleich zu gestern gab es nochmals eine deutliche Korrektur nach oben.
Zwischen dem 12. und 14. März ist mit einem markanten Temperatursturz zu rechnen. In der Höhe von 1.500 Metern stürzen die Temperaturen von +8 auf -3 Grad ab. In tieferen Lagen hat das einen Rückgang der Temperaturen um die +10-Grad-Marke zur Folge. Das unterstreicht zum einen den Dämpfer für den Frühling, zum anderen aber auch, dass vom Spätwinter nicht viel zu erwarten ist. Entscheidend aber sind noch die Folgen des Zusammenbruchs des Polarwirbels. Schaun mer mal.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 9. März | +11 bis +19 Grad |
+12 bis +15 Grad |
| 13. März | +2 bis +15 Grad |
+8 bis +10 Grad |
| 17. März | +4 bis +20 Grad |
+10 bis +12 Grad |


