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Sommertrend: Unwetterartiger Starkniederschlag, die Schafskälte und ein sommerlicher Ansatz

| M. Hoffmann

Das nächste Tief dreht sich über Deutschland ein und sorgt für unwetterartigen Dauerregen, welches sich Anfang Juni weiter nach Süden zurückzieht und dort neben Hochwasser auch zu Überflutungen und zu lokalen Sturzfluten führen kann. Wann löst sich die Unwetterlage auf, ist mit Entspannung zu rechnen und zeigt sich der Sommer?

Welche Richtung schlägt das Wetter ein?
Welche Richtung schlägt das Wetter ein?

Die kommende Großwetterlage wird von einem Höhentief dominiert, welches sich bis Anfang Juni zwischen der Ostsee, Osteuropa, Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien eindreht. Dieses Tief verhält sich quasistationär und so ist bis zum 3. Juni mit teils chaotischen und turbulenten Wetterverhältnissen zu rechnen.

Erhöhtes Unwetterpotential - über 160 l/m² an Regen möglich

Nördlich einer Linie vom Schwarzwald und Berlin kommt es zu teils kräftigen Schauern und Gewittern, welche örtlich länger andauernd ausfallen können. Weiter nach Süden intensiviert sich Anfang Juni die Niederschlagstätigkeit und kann zu mehrtägigem und ergiebigem Dauerniederschlag führen. Hochwasser und regionale Überflutungen sind wahrscheinlich und lokale Sturzfluten möglich. Kommen auch nur annähernd die Regensummen zustande, welche die Vorhersage-Modelle berechnen, heißt das für viele südlich gelegene Gemeinden Land unter. Wer es genauer wissen möchte - Wetter Juni.

Unwetterlage über Deutschland mit chaotischen und turbulenten Verhältnissen - Hochwasser und Sturzfluten können die Folge hieraus sein
Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Unwetterlage über Deutschland mit chaotischen und turbulenten Verhältnissen - Hochwasser und Sturzfluten können die Folge hieraus sein © wxcharts.com

Ungewöhnliche Tiefdruckaktivität

In den vergangenen Jahren gab es nach einem Supermildwinter immer wieder einmal einen Mai, welcher durch eine ungewöhnliche Niederschlagsaktivität auf sich aufmerksam machte. Der Mai hat sein Niederschlagssoll aktuell zu 110 Prozent übererfüllt, doch schaut man sich die Niederschlagsverteilung an, so gibt es noch immer hohe Unterschiede. Es handelte sich rückblickend nicht um flächendeckenden Niederschlag, sondern um regionale Niederschlagsereignisse. Schaut man sich die oben stehenden Wetterkarten an, so erkennt man, dass sich die Niederschläge auch in den kommenden Tagen nicht in der Fläche verteilen, sondern einen Schwerpunkt haben.

Schwachgradientige Wetterlage mit quasistationärem Verhalten

Diese zwei Begriffe waren im Mai die steten Begleiter. Diese zwei Verhaltensmuster werden auch in den kommenden Tagen von Bedeutung sein und bis in den Juni hinein das Wetter dominieren können. Insbesondere das quasistationäre Verhalten wird zu einer Herausforderung für viele Regionen werden. Als problematisch stellt sich auch die Niederschlagsverteilung heraus, da der Schwerpunkt der Starkniederschläge sehr davon abhängig ist, wie sich die Luftmasse aufbaut. Insofern kann es auch noch zu Verschiebungen des Niederschlagsschwerpunktes kommen.

Nach dem Regen die Schafskälte?

Was man in den oben stehenden Wetterkarten auch entnehmen kann, ist das Hoch westlich von Deutschland, welches über Frankreich und Spanien versucht, in Richtung Island und Grönland aufzustreben. Dort aber positioniert sich ein Tiefdruckcluster, welcher sich zwischen dem 3. und 5. Juni weiter nach Osten - in Richtung Skandinavien verlagert.

Ein Tief verlagert sich in Richtung Skandinavien
Die Wetterprognose nach beiden Vorhersage-Modellen: Ein Tief verlagert sich in Richtung Skandinavien © www.meteociel.fr

Trogwetterlage?

Interessant ist heute in den Wetterprognose der Vorhersage-Modelle die hohe Übereinstimmung in den Berechnungen. Ja, im Detail gibt es dann doch Unterschiede, doch Kenner des Wetters wissen, dass ein abgekapseltes Tief über Skandinavien ein weiterer Unruhestifter ist und nur auf eine Gelegenheit lauert, um nach Süden austrogen zu können. In diesem Fall wird es zum Wechsel in die zweite Juni-Dekade mit Temperaturen zwischen +10 und +15 Grad spürbar frischer und die Niederschlagstätigkeit nimmt erneut zu.

Trogt das Tief über Mitteleuropa nach Süden aus, so kann es sich zwischen Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien eindrehen und so für ein anhaltend hohes Unwetterpotential sorgen. Diese Wetterentwicklung kann man der scheinbaren Singularität der Schafskälte zuordnen, welche auch als mitteleuropäischer Sommermonsun definiert wird.

Sommerwetter

Damit das Skandinavientief nach Süden austrogen kann, bedarf es westlich von Deutschland einer Hochdruckzone. Denn nur die die unterschiedlichen Drehrichtungen der Systeme kommt eine Trogwetterlage zustande. Nach dem Wettertrend der Amerikaner aber positioniert sich im Bereich zwischen England, Frankreich und Spanien ein weiterer Störimpuls und vereitelt einen Trogvorstoß. Das Skandinavientief zieht nach Nordosten ab, während der Störimpuls über Westeuropa warme Luftmassen aus südlichen Richtungen nach Norden führt.

Die Temperaturen steigen mit +22 bis +27 Grad und über dem Süden und Osten mit bis +30 Grad in den sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich an. Kleiner Unterschied, große Wirkung. Aber das ist genau genommen das, worauf es in den kommenden Tagen ankommen wird.

Zwischen Schafskälte und Sommerwetter - die Unterschiede sind klein, aber entscheidend
Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell und einem ausgesuchten Kontrolllauf: Zwischen Schafskälte und Sommerwetter - die Unterschiede sind klein, aber entscheidend © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Sommer oder Unwetter?

Die Vorhersage-Modelle sind einheitlich in ihren Berechnungen und favorisieren ein hohes Potential von unwetterartigem Starkregen in den ersten Juni-Tagen. Nachfolgend beginnt sich die Situation zu entspannen, doch formiert sich über Skandinavien tiefer Luftdruck, was die schnell wieder zu einer angespannten Wetterlage führen kann.

Was wahrscheinlich ist

Berechneten die Vorhersage-Modelle im Vergleich zu den Kontrollläufen in den vergangenen Tagen stets eine zu kühle Variante, so ist das heute nicht mehr unbedingt der Fall. Die Prognosen sind weitgehend gut in den Mittelwert aller Kontrollläufe eingebettet und liegen im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 im Zeitraum vom 4. bis 13. Juni mit einer Anomalie von +1 bis +3 Grad im zu warmen Bereich. Sollte der Trog doch noch zustande kommen, so läge die Anomalie zwischen -2 und -4 Grad.

Die Niederschlagsaktivität liegt bis einschließlich dem 3. Juni in einem hohen bis sehr hohen Niveau. Insbesondere über den südlichen und östlichen Landesteilen. Überdies schwächt sich die Niederschlagstätigkeit auf ein leicht erhöhtes Niveau ab. Eine sommerlich stabile Wetterlage ist auch im heutigen Wettertrend nicht so schnell zu erwarten. Schaun mer mal.

Eine nachhaltig sommerliche Großwetterlage ist so schnell nicht zu erwarten
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine nachhaltig sommerliche Großwetterlage ist so schnell nicht zu erwarten © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
3. Juni +10 bis
+27 Grad
+15 bis
+20 Grad
7. Juni +10 bis
+30 Grad
+19 bis
+21 Grad
12. Juni +12 bis
+30 Grad
+20 bis
+22 Grad
Diagramm Temperaturen Juni 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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