Wettertrend: Kaltlufteinbruch oder Sommerwetter - Eine strukturelle Veränderung der Großwetterlage steht bevor

Hop oder Top - Sommerwetter oder Kaltlufteinbruch?

Nach einer sommerlichen bis hochsommerlichen Wetterlage steht zum Beginn der letzten Mai-Dekade eine markante Umstellung der Großwetterlage bevor, was das Potential von unwetterartigen Wetterereignissen ansteigen lassen und zu einem Temperatursturz führen kann.

Hochdruckblase. In den kommenden Stunden baut sich über Deutschland ein Hochdrucksystem auf, das zum Start in die Woche zwar einen Dämpfer verpasst bekommt, doch darüber hinaus das Wetter bis zum 20. Mai dominieren kann. Die Position der Hochdruckblase aber sorgt für ungewöhnlich hohe Temperaturen, die so gar nicht zum Mai passen wollen.

Sommer, Hochsommer und Unwetter

Am Wochenende ist mit viel Sonnenschein und einem trockenen Wettercharakter zu rechnen. Die Temperaturen erreichen +22 bis +26 Grad und können örtlich bis +28 Grad erreichen (Temperaturprognose). Zum Start in die neue Woche sorgt ein Störimpuls für Schauer und Gewitter, die von West nach Ost ziehen und in der Nacht auf den Dienstag Deutschland verlassen. Die Gewitter können regional unwetterartig ausfallen. Am Dienstag klingen die letzten Schauer ab und bis zum Wochenende dominiert die Hochdruckblase das Wetter über Deutschland. Die Temperaturen erreichen +24 bis +28 Grad und örtlich bis +32 Grad. Damit bewegen sich die Temperaturen im sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Mai 2022.

Eine Hochdruckblase dominiert das Wetter über Deutschland
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Eine Hochdruckblase dominiert das Wetter über Deutschland © www.meteociel.fr

Das Hoch schwächelt

Beide Vorhersage-Modelle berechnen in ihrer Wetterprognose kein stabiles und nachhaltiges Sommerhoch. Der Grund hierfür ist, dass die Stütze in Form eines Tiefdrucksystems über dem östlichen Europa weiter nach Russland abdriftet und so das Hoch nach Osten abkippen lässt.

Unwetter, die Zweite

Bereits zum 18. Mai nutzen Tiefdrucksysteme die Schwäche des Hochdrucksystems aus und formieren sich zwischen Island und England. Zum 20. Mai wagen die Tiefdruckgebiete dann den Vorstoß in Richtung Mitteleuropa, da sich aber in der Zwischenzeit über Deutschland, Österreich und der Schweiz hochsommerlich temperierte Luftmassen angesammelt haben und von Westen kühlere zugeführt werden, entsteht ein explosives Luftmassengemisch, dass in der Übergangsphase vom 20. bis 23. Mai für unwetterartige Wetterereignisse sorgen kann.

Temperatursturz

Die Temperaturen sacken regelrecht in sich zusammen. Werden am 20. Mai noch bis zu +30 Grad berechnet, so werden für den 22. Mai nach der Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells nur noch +10 bis +15 Grad in Aussicht gestellt. Gemäßigter bleibt es mit +16 bis +22 Grad nach der Wetterprognose der Europäer. Abhängig ist die Temperaturentwicklung von der Zugbahn der Tiefdrucksysteme und da sind die Amerikaner - erneut - extremer als die Europäer.

Schaut man sich die nachfolgenden Wetterkarten beider Vorhersage-Modelle an, so erkennt man den Unterschied sehr deutlich. Die Großwetterlage ist nahezu identisch, doch die Wellenbewegung entlang der Polarfront ist bei den Amerikanern deutlich stärker ausgeprägt und damit auch das meridional verlaufende Strömungsmuster (Nord-Süd, Süd-Nord), was von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf des Wetters bis in den Juni hinein sein kann.

Keine stabile Wetterlage - eine mehr oder minder starke Wellenbewegung entlang der Polarfront
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Keine stabile Wetterlage - eine mehr oder minder starke Wellenbewegung entlang der Polarfront © www.meteociel.fr

Wird es wirklich kühl oder gar kalt?

Das Temperaturempfinden ist subjektiv und so ist kalt und warm relativ. Orientiert man sich am vieljährigen Mittelwert, so sind die Temperaturen im Verlauf der kommenden Woche um +4 bis +8 Grad und örtlich um bis +12 Grad für die Jahreszeit zu warm.

Normalisierung

Die Kontrollläufe stützen den Temperatursturz zwischen dem 21. und 22. Mai mehrheitlich. Schaut man sich jedoch den Mittelwert an, so pendelt dieser sich bis zum 24. Mai in einem Bereich ein, der über dem Norden für den Mai typisch und über dem Süden, Osten und Westen mit einer Differenz gegenüber dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 noch immer um +1 bis +2 Grad zu warm ist. Die Wetterprognose der Amerikaner gehört - erneut - mit Abstand zu den kältesten Varianten. Besonders deutlich wird das im Vergleich mit den Wetterkarten zum 24. Mai. Doch so groß die Unterschiede auch sein mögen - es handelt sich lediglich um eine minimale Phasenverschiebung und genau das ist auch der Grund, warum der Wettertrend für die letzte Mai-Dekade noch auf einem wackeligen Fundament steht.

Der Schwall kühler Luftmassen ist nach den Europäern nur vorübergehend. Die Amerikaner hingegen berechnen einen Kaltlufteinbruch
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Der Schwall kühler Luftmassen ist nach den Europäern nur vorübergehend. Die Amerikaner hingegen berechnen einen Kaltlufteinbruch © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Unsicherheiten

Der Wettertrend der Kontrollläufe ist eindeutig und bestätigt die Unsicherheiten. Deutlich zeigt sich das in der Temperaturentwicklung in 1.500 Meter Höhe bspw. für den 28. Mai. Der tiefste Wert stammt mit +2 Grad vom Hauptlauf der Amerikaner und der höchste Wert liegt bei rund +19 Grad. Die Temperaturdifferenz beträgt bis 17 Grad. Zum Vergleich: für eine brauchbare Wettervorhersage ist eine Differenz von +2 bis +4 Grad und für eine Wetterprognose von +2 bis +6 Grad wünschenswert.

Was wahrscheinlich ist

Hop oder Top, denn auch die oben angesprochene Normalisierung ist trügerisch, da es den Mittelwert der extremen Varianten abbildet. Viel entscheidender ist, wie die Amplitude der Wellenbewegung verlaufen wird. Vergleicht man den Wettertrend von heute mit dem der letzten Tage, so schwinden die Trogvarianten über Deutschland, was der Erfahrung nach auch so zu erwarten ist.

Kommt Regen?

Die Natur braucht den Regen dringend. Der Frühling hat sein Niederschlagssoll erst zu 43 Prozent erfüllen können. 75 Tage des Frühlings sind vorüber und es bleiben noch 16 Tage, um das Soll zu erfüllen. Die Regenprognose der Kontrollläufe aber lässt zu wünschen übrig. Zwar werden zwischen dem 16. und 18. Mai, sowie im Zeitraum vom 20. bis 28. Mai immer wieder Niederschlagssignale berechnet, doch nennenswert sind die Regensummen nur im Zeitraum vom 16. bis 18. Mai und vom 20. bis 23. Mai zu bewerten. Ferner zeigt sich eine im Vergleich zu den letzten Tagen geringere Niederschlagsentwicklung, was im Wesentlichen für ein nachrückendes Hochdrucksystem spricht. Schaun mer mal, was daraus wird.

Die Trogvarianten schwinden und damit auch die Niederschlagsausbeute
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Trogvarianten schwinden und damit auch die Niederschlagsausbeute © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
20. Mai +17 bis
+33 Grad
+23 bis
+27 Grad
24. Mai +10 bis
+32 Grad
+17 bis
+19 Grad
29. Mai +10 bis
+30 Grad
+17 bis
+19 Grad
Diagramm Temperaturen Mai 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Mai 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +5,0 +2,4 +1,1 208,7 l/m² - zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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