Wettertrend: Unwetter und ein markanter Temperatursturz zeichnen sich ab

Ein markanter Wetterwechsel in der letzten Mai-Dekade?

Eine Hochdruckblase baut sich über Deutschland auf und lässt die Temperaturen erneut in den sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich ansteigen. Doch zum Beginn der letzten Mai-Dekade kommt Bewegung ins Spiel, was unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Wetterlage mit Dauerregen und kühlen Temperaturen führen kann.

Hochsommerlich. Die Temperaturen haben am 11. Mai die hochsommerliche +30 Grad-Marke überschritten. Um 15:30 Uhr konnten in Ohlsbach (Baden-Württemberg) +30,1 Grad registriert werden. Ungewöhnlich heiß - und auch sonst strebten vielerorts die Werte in Richtung der +30 Grad-Marke.

Sommerlich mit Gewittern

Am Donnerstag und Freitag kommt es über dem Norden und Süden zu gelegentlichen Schauern und Gewittern (Gewitterradar), bevor sich zum Wochenende ein Hochdrucksystem über Deutschland durchsetzen kann. Gehen die Temperaturen kurzzeitig auf +17 bis +23 Grad und über dem Süden auf +25 Grad zurück, so steigen die Werte mit dem Sonnenschein am Wochenende auf +22 bis +26 Grad und örtlich bis +28 Grad an und können am Montag erneut in Richtung der hochsommerlichen +30 Grad streben. Am Montagnachmittag mehren sich die Wolken und von Westen ziehen kräftige Schauer und Gewitter auf, die das regionale Potential unwetterartiger Wetterereignisse ansteigen lassen können. Am Dienstag kann es zu weiteren - kräftigen - Schauern und Gewitter kommen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Mai 2022.

Eine schwachgradientig und schwül-warme bis heiße Wetterentwicklung
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Eine schwachgradientig und schwül-warme bis heiße Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Hochsommerliche Hitze, die Zweite

Ein Hoch wird sich bis Mitte der kommenden Woche über Mitteleuropa aufbauen und so die atlantische Frontalzone blockieren können. Da die Tiefdrucksysteme auf das Hochdrucksystem auflaufen, werden aus südwestlichen Richtungen erneut sehr warme Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt.

Ungewöhnlich warm

Die Wetterprognose der Amerikaner berechnet bis zum 20. Mai Tageshöchstwerte von +24 bis +28 Grad und örtlich bis +32 Grad, während die Temperaturen nach den Europäern mit +22 bis +26 Grad und örtlich bis +28 Grad gemäßigter ausfallen können. Im Schwerpunkt über dem Westen sind bei schwülen Verhältnissen immer wieder Schauer und Gewitter möglich, die regional kräftiger und unwetterartig ausfallen können.

Unwetter mit Temperatursturz

Der Hochdruckkeil kann sich zum Beginn der letzten Mai-Dekade nicht behaupten. Die Luftmassen werden durch ein schwachgradientiges Höhentief bis zum 22. Mai labiler, was in den unteren Luftschichten ein erhöhtes Schauer- und Gewitterrisiko zur Folge haben kann. Die Amerikaner berechnen den Störimpuls etwas kräftiger. Zudem verhält sich das Höhentief quasistationär, was binnen kürzester Zeit zu enormen Regenmengen führen kann. Zu viel auf einmal ist in diesem Fall auch nicht gut, da der Regen an der Oberfläche zu schnell ablaufen und nicht in den trockenen Boden einsickern kann.

Die Temperaturen erreichen am 21. Mai bis +30 Grad und sinken bis zum 23. Mai auf +14 bis +18 Grad ab. Über den Regionen mit Regen kann es mit bis +11 Grad deutlich frischer werden.

Die Gefahr von Unwettern mit einem markanten Temperatursturz steigt zum Beginn der letzten Mai-Dekade an
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Die Gefahr von Unwettern mit einem markanten Temperatursturz steigt zum Beginn der letzten Mai-Dekade an © www.meteociel.fr

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: kein Sommerwetter

Was mit einem Störimpuls beginnt, entpuppt sich im weiteren Verlauf der letzten Mai-Dekade nach der Wetterprognose der Amerikaner zu einem markanten und nachhaltigen Wetterwechsel, was den sommerlichen Temperaturcharakter vorerst beendet.

Kühle bis kalte Luftmassen

So wiederholt der Wettertrend der Amerikaner heute erneut die kühle Prognose von gestern. Aus einem Störimpuls wird ein Tief, das sich im Zeitraum vom 22. bis 27. Mai direkt über Mitteleuropa eindreht und sich immer wieder von Neuem regeneriert. In diesem Zuge werden mit einem böigen Wind aus nördlichen Richtungen kühle Luftmassen in Richtung Deutschland geführt.

Die Temperaturen sacken bei Regen auf +7 bis +14 Grad ab und können mit etwas Sonnenschein bis +18 Grad erreichen. Apropos Regen, der wird nach dieser Prognose reichlich niedergehen und möglicherweise das Defizit aus der ersten und zweiten Mai-Dekade ausgleichen können. Das klappt aber nur dann, wenn sich das Tief tatsächlich über Europa eindreht und sich quasistationär verhält.

Ein Tief dreht sich über Europa ein
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Ein Tief dreht sich über Europa ein © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Unwetter mit Temperatursturz?

Wie bereits gestern schon erläutert, sollte man die Wetterprognose der Amerikaner mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten. Dass dem so ist, zeigt sich heute erneut, wenn man die Prognose in direkten Vergleich zu den Kontrollläufen stellt. Der Hauptlauf der Amerikaner ist im Vergleich zu Mittelwert um bis zu 8 Grad kälter. Anders formuliert berechnen die Amerikaner die mit Abstand kälteste Variante. Möglich ja, wahrscheinlich nein.

Ein nur leicht zurückgehendes Temperaturspektrum

Die Kontrollläufe selbst verlängern den sommerlichen Wettercharakter bis zum 21./22. Mai und lassen das Temperaturspektrum im weiteren Verlauf nur etwas zurückgehen. Die Abkühlung wurde im Vergleich zu gestern etwas zurückgenommen, was im Zeitraum vom 22. bis 28. Mai zu einem Temperaturüberschuss im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von +1 bis +2 Grad führen kann.

Wann kommt Regen?

Das ist die spannende Frage - viele Regionen leiden unter der anhaltenden Trockenheit, die über Teile von Niedersachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin schon längst in eine Dürre übergegangen ist. Aber auch sonst gibt es immer wieder Regionen, die erheblich zu trocken sind. Schaut man sich die nachfolgende Dürrekarten des Helmholtz Institut an, so herrscht selbst im Oberboden teils schon extreme Dürre, die sich im Gesamtboden zu einer außergewöhnlichen Dürre weiterentwickelt hat.

Vielerorts herrscht eine extreme bis außergewöhnliche Dürre vor
Vielerorts herrscht eine extreme bis außergewöhnliche Dürre vor © www.ufz.de

Die Regenprognose der Kontrollläufe berechnet eine ab dem 16. Mai über dem Westen und Süden zunehmende Schauer- und Gewitterneigung, die aber nur zu regionalen Niederschlagsereignissen führen kann. Weiter nach Norden und Osten ist bis zum 22. Mai mit einer nur sehr geringen Niederschlagsentwicklung zu rechnen. Ansonsten steigen die Niederschlagssignale in den leicht erhöhten Bereich an. Im Vergleich zu gestern wurden die Niederschlagsmengen jedoch etwas zurückgerechnet, sodass die Niederschlagsmengen keinesfalls ausreichen werden, um das Defizit der ersten und zweiten Mai-Dekade ausgleichen zu können. Auf den Punkt gebracht zeigt sich in der letzten Mai-Dekade ein Wetterumschwung, der die Temperaturen zurückgehen lässt und immer wieder für Schauer und Gewitter gut sein kann.

Ein Wetterumschwung zeichnet sich in der letzten Mai-Dekade ab
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Ein Wetterumschwung zeichnet sich in der letzten Mai-Dekade ab © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
18. Mai +15 bis
+29 Grad
+21 bis
+23 Grad
22. Mai +10 bis
+28 Grad
+19 bis
+21 Grad
27. Mai +11 bis
+27 Grad
+18 bis
+20 Grad
Diagramm Temperaturen Mai 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Mai 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +5,0 +2,4 +1,1 208,7 l/m² - zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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