Wettertrend: Die Wetterentwicklung zwischen einem Kaltlufttropfen und dem Frühling

| M. Hoffmann
Leicht wechselhaftes Wetter

Ein Hoch dominiert die Großwetterlage. Entscheidend aber zwischen Frühlingswetter und einem möglichen Kaltlufteinbruch ist die Position eines Hochdrucksystems über Skandinavien und die Intensität eines Kaltlufttropfens über dem östlichen Europa.

Wolkenaufzug. Ein schwacher Tiefdruckausläufer macht sich in den kommenden Tagen mit einem erhöhten Vorkommen von Wolken bemerkbar. Bis zum Dienstag können sich über dem Westen einzelne Regentropfen aus den Wolken lösen und für etwas Nass von oben sorgen. Viel ist nicht zu erwarten und verbreitet bleibt es trocken. Erst zum Dienstag gelingt es einem Niederschlagsfeld den Süden von Deutschland zu überqueren und für einen wechselhaften Wettercharakter zu sorgen.

Hochdruckdominiert

Trotz der Wolken und dem regionalen Niederschlag ist die Großwetterlage hochdruckdominiert. Und so nehmen ab der Wochenmitte die sonnigen Momente zu und - einmal abgesehen von ein paar Regentropfen über dem Nordwesten - bleibt es trocken. Die Temperaturen pendeln sich auf +9 bis +13 Grad und örtlich bis +15 Grad ein. Über dem Südwesten und Westen können bis +18 Grad möglich sein. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Ein Hochdrucksystem über Deutschland sorgt für weitgehend trockenes Wetter
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Hochdrucksystem über Deutschland sorgt für weitgehend trockenes Wetter © www.meteociel.fr

Das Wetter nach dem europäischen Wettermodell: Ein Kaltlufttropfen erreicht Deutschland

Beide Vorhersage-Modelle berechnen bis zum 18. März die dominante Position des Hochdrucksystems. Was aber auch beide Prognose-Modelle simulieren, ist der Kaltlufttropfen, der vom Hoch abgeschnürt und über dem östlichen Europa Position bezieht.

Der Kaltlufttropfen bewegt sich auf Deutschland zu

Damit der Kaltlufttropfen überhaupt in die Nähe von Deutschland kommen kann, bedarf es der Hilfe des Hochdrucksystems, dass mit seiner Position die Zugbahn und auch die Intensität des Kaltlufttropfens beeinflussen kann.

Nach der Wetterprognose der Europäer sind die Rahmenbedingungen nahezu ideal und der Kaltlufttropfen erreicht zum 20. März Österreich und legt sich zum 21. März quer über Süddeutschland, die Schweiz und Österreich. Mit einer strammen Ostströmung werden kalte Luftmassen nach Deutschland geführt und die Temperaturen sinken vom 19. März mit +10 bis +15 Grad und örtlich bis +17 Grad bis zum 22. März auf +4 bis +8 Grad und örtlich bis +2 Grad ab. Vereinzelte Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer können nicht ausgeschlossen werden. In den Nächten sinken die Werte auf -4 bis +2 Grad ab, wobei die kühleren Werte über den östlichen und südlichen Landesteilen zu erwarten sind.

Der Kaltlufttropfen in abgeschwächter Form

Wie bereits gestern näher erläutert, ist es fraglich, ob der Kaltlufttropfen Deutschland überhaupt erreicht und in welchem Zustand er sich dann befindet. Häufiger wird so ein Kaltlufttropfen über dem östlichen Europa blockiert und wenn der Durchbruch dennoch gelingt, so ist das meist in abgeschwächter Form der Fall, so wie es die Europäer heute simulieren. Was man in den nachfolgenden Wetterkarten aber auch erkennen kann, ist die Lücke, die der Kaltlufttropfen in die Hochdruckzone reißen kann. Daraus können für Ende März und Anfang April spannende Wetterlagen entstehen. Abwarten.

Links der abgeschwächte Kaltlufttropfen, rechts die Lücke, die durch die Präsenz des Höhentiefs in die Hochdruckzone gerissen wird
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Links der abgeschwächte Kaltlufttropfen, rechts die Lücke, die durch die Präsenz des Höhentiefs in die Hochdruckzone gerissen wird © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Die atlantische Frontalzone ist schneller

Eine zweite Variante - die wir gestern ausführlicher erläutert hatten - ist die Blockadesituation, wenn die Hochdruckzone an ihrem südlichen Gradienten sowohl von der atlantische Frontalzone, als auch vom Höhentief unterwandert wird. In diesem - speziellen Fall - kommt es darauf an, wer schneller ist.

Die atlantische Frontalzone gewinnt

Bis zum 20. März ist die Wetterprognose der Amerikaner nahezu identisch mit den Europäern, jedoch mit einem kleinen, aber alles entscheidenden Unterschied. Die atlantische Frontalzone rückt weiter nach Osten vor und etabliert zum 20. März einen Störimpuls zwischen England und Deutschland. Durch die Rotationsbewegung gegen den Uhrzeigersinn wird der Kaltlufttropfen über dem östlichen Europa blockiert und kommt nicht weiter nach Westen voran.

Überwiegt bis zum Ende der zweiten März-Dekade noch der Sonnenschein, so nimmt zum Beginn der letzten März-Dekade die Bewölkung zu und von Westen und Südwesten setzt Niederschlag ein. Der Wind kommt stark böig und über dem Osten kräftig aus südöstlichen Richtungen. Über den Küsten von Nord- und Ostsee sind stürmische Windböen nicht auszuschließen und die Temperaturen gehen am 21. März auf +5 bis +10 Grad zurück.

Frühlingswetter

Zwar gelingt es der atlantische Frontalzone sich gegen den Kaltlufttropfen durchzusetzen, doch gelingt es nicht, die Hochdruckdominanz abzubauen. Nach dem Störimpuls setzt sich zum 22. März das Hoch über Skandinavien durch und dehnt sich mit einem Keil nach Süden aus. Die atlantische Frontalzone wird blockiert und Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen voll in den Einflussbereich des Hochdrucksystems.

Bei einem bis zum 29. März trockenen Wettercharakter steigen die Temperaturen auf +12 bis +16 Grad an und können über dem Westen und Südwesten bis +18 Grad erreichen.

Die atlantische Frontalzone blockiert den Kaltlufttropfen, kann sich aber nicht gegen das Hoch durchsetzen und so bleibt das Hochdruckgebiet in der letzten März-Dekade dominierend
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen Vorhersage-Modell (re.): Die atlantische Frontalzone blockiert den Kaltlufttropfen, kann sich aber nicht gegen das Hoch durchsetzen und so bleibt das Hochdruckgebiet in der letzten März-Dekade dominierend © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Wie wahrscheinlich ist ein Kaltlufttropfen?

Die Frage hatten wir gestern schon gestellt und bleibt auch heute noch aktuell. Solange auch nur der Ansatz eines Kaltlufttropfens gegeben ist und solange sich das Hoch über Skandinavien und dem westlichen Russland befindet, bleibt ein Kaltlufttropfen relevant.

Da die Europäer den Kaltlufttropfen in einer abgeschwächten Form berechnen und in der Prognose der Amerikaner die atlantische Frontalzone den Kaltlufttropfen blockiert, kann man schon erahnen, welche Großwetterlage daraus entstehen wird.

Die Kontrollläufe bringen das hervorragend auf den Punkt und herauskommt eine Pattsituation, bei der sich weder der Kaltlufttropfen noch die atlantische Frontalzone so richtig durchsetzen kann. Die Wärmeblase erreicht zum 17. März ihren Höhepunkt und sorgt für Tageswerte, die im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert etwa um bis +5 Grad zu warm sind. Nachfolgend normalisiert sich das Temperaturspektrum, bleibt im Trend aber um +0,5 bis +1,5 Grad zu warm besetzt. Die kalte Variante der Europäer gilt als kalter Ausreißer, was einen Kaltlufttropfen weniger wahrscheinlich macht.

Schaut man sich den nachfolgenden Wettertrend vom Mittelwert aller Kontrollläufe genauer an, so erkennt man noch etwas anderes. Das Hoch zieht sich über Skandinavien immer weiter nach Süden zurück und lässt mit dem Start in den April eine grundlegende Veränderung der Großwetterlage zu, die zudem noch westlich geprägt ist.

Niederschlagsprognose

Unverändert bleibt die Niederschlagsprognose. Schwache Signale zeigen sich am 14. und 16. März, sowie im Verlauf der letzten März-Dekade. Viel an Niederschlag kommt nicht zusammen, was zunächst den Rückschluss auf eine weiterhin andauernde Hochdruckdominanz zulässt, die sich - wie oben erwähnt - weiter nach Süden zurückzieht und im April eine andere Großwetterlage ermöglichen kann.

Der Kaltlufttropfen wird mehrheitlich geblockt und nachfolgend zieht sich die Hochdruckdominanz nach Süden zurück
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Kaltlufttropfen wird mehrheitlich geblockt und nachfolgend zieht sich die Hochdruckdominanz nach Süden zurück © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
19. März +2 bis
+16 Grad
+9 bis
+11 Grad
23. März +2 bis
+17 Grad
+9 bis
+11 Grad
28. März +2 bis
+17 Grad
+9 bis
+11 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Die Variante des Kaltlufttropfens wird heute Nachmittag von den Amerikanern wieder stärker gestützt. Im Vergleich zu den Kontrollläufen aber bildet diese Variante mit Abstand die kälteste Variante ab. Abwarten ist angesagt.

Vorsicht mit dem Frühling - der Kaltlufttropfen spielt eine größere Rolle
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag: Vorsicht mit dem Frühling - der Kaltlufttropfen spielt eine größere Rolle © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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