Wettertrend: Wie lange dominiert das Hoch das Wetter über Deutschland noch?

| M. Hoffmann
Sonniges und trockenes März-Wetter über Deutschland © Martin Bloch

Der Polarwirbel und ein Hoch dominieren die Großwetterlage über den nördlichen Breitengraden. Das kommt nicht allzu oft vor und hat über Deutschland eine vollständig gestörte Zirkulation zur Folge.

Sonniges Frühlingswetter ist in den kommenden Stunden zu erwarten, bevor sich zum Wochenende der Ausläufer eines Tiefdrucksystems Deutschland nähert und über der Westhälfte ein paar Wolken am Himmel platzieren kann. Ganz über dem Westen sind am Sonntag vereinzelte Regentropfen nicht auszuschließen, sonst bleibt es trocken und nach Osten auch sonnig.

Frühling

Der Nachtfrost schwindet und der Wind lässt am Wochenende nach einem böigen Freitag spürbar nach. Die Temperaturen erreichen +10 bis +14 Grad und über dem Westen und Südwesten sind bis +16 Grad möglich. Zum Start in die neue Woche verdichtet sich die Bewölkung und trübt den Sonnenschein zum Dienstag weiter ein. Hier und da kann ein Regentropfen beim Niedergang beobachtet werden, nennenswerter Niederschlag ist nicht zu erwarten. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Eine gewaltige Hochdruckblase sorgt über Deutschland für einen frühlinghaften Wettercharakter
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Eine gewaltige Hochdruckblase sorgt über Deutschland für einen frühlingshaften Wettercharakter © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Betonhoch

Ein Hochdrucksystem erreicht den Status eines Betonhochs, wenn es über mehrere Tage hinweg nicht weichen will und sich weiter verstärkt. Ganz wie es das aktuelle Hoch macht.

Hoher Luftdruck von den Azoren bis nach China

Die Hochdruckzone erreicht nach der Wetterprognose der Europäer zum 20. März ihren Höhepunkt. An diesem Tag erstreckt sich die Hochdruckzone von den Azoren über Europa bis nach China und sorgt über Deutschland, Österreich und der Schweiz für einen anhaltend sonnigen und trockenen Wettercharakter. Der Wind kommt aus östlichen Richtungen und die Temperaturen erreichen zwischen +8 bis +12 Grad und über dem Westen bis +16 Grad.

Der Polarwirbel bewegt sich

Ein Grund für die Hochdruckdominanz, liegt im Polarwirbel, der über Kanada seine Runden dreht und so für eine Erhaltungsneigung sorgt. Solange der Polarwirbel seine Position über Kanada nicht verändert, wird sich auch in der Hochdruckposition wenig verändern.

Zum Beginn der letzten März-Dekade kommt Bewegung ins Spiel. Der Polarwirbel verlagert seine Aktivität mehr in Richtung der Barents- und Karasee, was das Hoch dazu zwingt, seine Hochdruckzone nach Osten abzuschwächen und über Europa einen autarken Hochdruckkern aufzubauen. Die theoretische Annahme: sollte sich die atlantische Frontalzone über der Barentssee tatsächlich etablieren können, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Hoch auf den Atlantik zurückzieht und aus einer gestörten Zirkulation eine meridionale Grundströmung entsteht.

Die Hochdruckdominanz bleibt bis in die letzte März-Dekade hinein erhalten
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Die Hochdruckdominanz bleibt bis in die letzte März-Dekade hinein erhalten © www.meteociel.fr

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: vollständig gestörte Zirkulation

Das Hoch über Skandinavien, kann man neben einem Betonhoch auch als gestörte Zirkulation bewerten, da die normale West-Ost-Strömung unterbunden und durch eine Ost-West-Strömung ersetzt wird. Hält sich das Hoch für einen längeren Zeitraum über Skandinavien und verstärkt sich weiter, spricht man von einer vollständig gestörten Zirkulation.

Trockenes, sonniges und mildes Wetter

Das Hochdrucksystem erreicht in der Wetterprognose der Amerikaner zum 20. März seinen Höhepunkt und erstreckt sich mit seiner Hochdruckzone von den Azoren über Europa bis nach China. Der Unterschied aber liegt im Hochdruckkern, der liegt zum 20. März nicht über Skandinavien, sondern über dem westlichen Russland.

Das aber spielt für das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz zunächst eine untergeordnete Rolle. Mit viel Sonnenschein und einem stark böigen - unangenehmen - Ostwind, erreichen die Temperaturen +10 bis +15 Grad. Sollte über den östlichen Landesteilen Hochnebel eine Rolle spielen können, pendeln sich die Werte unter die +10 Grad-Marke ein.

Strukturelle Veränderung

Auch die Amerikaner berechnen die Verlagerung des Polarwirbels in Richtung der Barents- und Karasee, was den Aktivitätsradius der atlantische Frontalzone von Neufundland über Island, das europäische Nordmeer bis über die Barentssee vergrößert.

Infolge daraus wird sich die Grundströmung im Verlauf der letzten März-Dekade verändern können. Da sich der Hochdruckkern über dem östlichen Europa befindet, ist eine westliche bis südwestliche Strömungskomponente wahrscheinlicher. Die Niederschlagneigung nimmt mit einem auflebenden Wind zu und die Temperaturen orientieren sich bis zum 24. März in einem Bereich von +10 bis +15 Grad und über dem Westen bis +17 Grad. Mit großartigen Niederschlagsmengen ist nicht zu rechnen.

Das Hoch bleibt zunächst noch dominant und sorgt für eine östliche Anströmung der Luftmassen, bevor sich die Großwetterlage im Verlauf der letzten März-Dekade wandeln kann
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Das Hoch bleibt zunächst noch dominant und sorgt für eine östliche Anströmung der Luftmassen, bevor sich die Großwetterlage im Verlauf der letzten März-Dekade wandeln kann © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Für die Jahreszeit zu warm und zu trocken

Der Wettertrend bleibt klar umrissen. Das Hoch dominiert die zweite März-Dekade nahezu allumfassend und - nennenswerte - Niederschlagsereignisse lassen auf sich warten.

Zum Beginn der letzten März-Dekade kommt Schwung in die Wetterküche, wohin die Verlagerung des Polarwirbels im Detail dann führen wird, bleibt zum aktuellen Stand abzuwarten. Geht es nach den Kontrollläufen, so ist bis zum 26. März ein Temperaturniveau zu erwarten, dass im Vergleich zum vieljährigen Klimamittelwert von 1961 und 1990 um +2 bis +3 Grad und phasenweise um bis +5 Grad im zu warmen Bereich liegen kann.

Niederschlagsprognose

Niederschlagssignale sind bis zum 20. März kaum vorhanden. Erst ist der letzten März-Dekade zeigt sich ein leicht erhöhtes Niveau, doch ist das zum aktuellen nicht nennenswert, sodass der März als extrem trockener Frühlingsmonat in die Wettergeschichte eingehen könnte.

Das Hoch bleibt vorerst dominierend
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Das Hoch bleibt vorerst dominierend © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
16. März +6 bis
+17 Grad
+12 bis
+14 Grad
20. März +6 bis
+19 Grad
+11 bis
+13 Grad
25. März +2 bis
+18 Grad
+10 bis
+12 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Die Hochdruckdominanz wird nach der Wetterprognose der Amerikaner von heute Nachmittag bis auf Weiteres bestätigt. Da gibt es für eine grundlegende Veränderung der Großwetterlage einen nur sehr geringen Spielraum und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Hochdruckzone das Wetter über Deutschland auch in der letzten März-Dekade noch dominieren kann.

Die Hochdruckdominanz bleibt bis in die letzte März-Dekade hinein erhalten
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag: Die Hochdruckdominanz bleibt bis in die letzte März-Dekade hinein erhalten © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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