Wetterprognose: Der Schein trügt - Vorsicht mit dem Frühling

| M. Hoffmann
Ein Hochdrucksystem dominiert das Wetter über Deutschland

Schnee- und Graupelschauer ziehen heute über Deutschland hinweg. Nachfolgend dehnt sich ein Hoch über Europa aus, was im weiteren Verlauf sowohl zu einem frühlingshaften, als auch spätwinterlichen Wettercharakter führen kann.

Schneeschauer. Der Tag begann heute noch mit Sonnenschein, doch von Nordwesten verdichten sich die Wolken und es setzten Schauer ein, die bis zum Abend den Alpenrand erreichen. Die Schauer können kräftiger ausfallen und örtlich mit Graupelgewitter einhergehen (Gewitterradar). Oberhalb etwa 300 bis 500 Meter sind die Schauer in Form von Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer zu erwarten.

Ein Hoch über Deutschland

Das turbulente Wetter der letzten Tage endet am Samstag mit den letzten Schneeschauern über den östlichen Mittelgebirgen und am Alpenrand. Ein Hoch dehnt sich über Deutschland aus und sorgt bis zum 3. März verbreitet für ungehemmten Sonnenschein (Wolkenradar). Die Temperaturen erreichen am Tage +6 bis +12 Grad und örtlich sind bis +14 Grad möglich. Da die Nächte klar sind, ist mit Frost zu rechnen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Ein Hoch dominiert das Wetter über Deutschland Anfang März
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Hoch dominiert das Wetter über Deutschland Anfang März © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Zwischen Frühling und Spätwinter

Zwischen Frühling und Spätwinter - Das ist typisch für den März. Normalerweise geht dieser von einem spätwinterlichen Wettercharakter in seiner zweiten Monatsdekade so langsam in den Frühling über. War die Wetterlage in den letzten Wochen westlich Strukturiert, so erfolgt nach der Wetterprognose der Europäer Anfang März ein markanter Umbau der Großwetterlage.

Ein Hoch auf Abwegen

Man erkennt es schon auf den obenstehenden Wetterkarten. Das Hoch dehnt sich nicht nur über Europa aus, sondern strebt - in Richtung Island und dem europäischen Nordmeer - weiter nach Norden auf.

Bis zum 5. März etabliert sich das Hoch weiter und baut bis zum 7. März zwischen dem europäischen Nordmeer, Skandinavien, Deutschland und England eine gewaltige Hochdruckblase auf. Die atlantische Frontalzone wird vollständig blockiert und eine westlich orientierte Grundströmung hat erst einmal keine Chance mehr.

Vorfrühling mit angezogener Handbremse

Die Wetterlage entspricht zwar der des Frühlings, doch liegt das Hoch zu weit nördlich, sodass Deutschland, Österreich und die Schweiz am südlichen Hochdruckgradienten - und damit in einer östlichen Grundströmung - liegen. Mit einem böigen Ostwind werden gemäßigt kühle Luftmassen vom Festland nach Deutschland geführt. Und so ist in der ersten März-Dekade mit viel Sonnenschein zu rechnen, bei Temperaturen, die sich einem Bereich von +5 bis +10 Grad einpendeln können. In den - klaren Nächten - gibt es Frost von bis -5 Grad.

Sollte sich das Hoch noch weiter nach Norden verlagern, so verstärkt sich die Ostströmung und der Spätwinter könnte mithilfe eines Kaltlufttropfens eine Chance bekommen. Anders sieht es aus, wenn es dem Hoch gelingt, eine Hochdruckbrücke in Richtung der Mittelmeerregion aufzubauen. Dann hält der Frühling vollständig Einzug.

Ein Hoch wird das Wetter über Deutschland in der ersten März-Dekade dominieren
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Ein Hoch wird das Wetter über Deutschland in der ersten März-Dekade dominieren © www.meteociel.fr

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Ein Hoch beeinflusst das Wetter über Deutschland

Die Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells berechnet bis zum 7. März eine fast identische Wetterentwicklung, doch unterscheidet sich in den Details maßgeblich.

Keine autarke Hochdruckblase, nur ein Hochdruckkeil

Das Hoch strebt vom 4. März von den Azoren aus in Richtung Skandinavien. Es handelt sich um einen Hochdruckkeil, der westlich von Deutschland liegt, sodass am östlichen Hochdruckgradienten gemäßigt milde Luftmassen aus nordöstlichen Richtungen nach Deutschland geführt werden können.

Mit nennenswertem Niederschlag ist bis zum 7. März nicht zu rechnen. In den Nächten sinken die Werte auf -4 bis +3 Grad ab und können mithilfe des Sonnenscheins am Tage auf +6 bis +2 Grad ansteigen.

Erst ein Hauch von Frühling , dann ein spätwinterlicher Ansatz

Die atlantische Frontalzone wird zwar durch den Hochdruckkeil blockiert, doch bleibt die Tiefdruckdynamik auf einem hohen Niveau und drückt den Hochdruckkeil vom 7. bis 10. März nach Süden - in Richtung Deutschland - ab. Der trockene und sonnige Wettercharakter bleibt erhalten, doch endet mit der Verlagerung des Hochs die Nordostströmung und mit schwachen Windbewegungen und dem Sonnenschein steigen die Temperaturen bis zum 10. März auf +8 bis +12 Grad und örtlich bis +15 Grad an.

Nachfolgend gerät das Hoch bis zur Monatsmitte weiter unter Druck, lässt die atlantische Frontalzone passieren und dehnt sich über dem westlichen Europa nach Norden aus. Was folgt, ist eine meridionale Grundströmung und Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen voll an den Rand einer nördlichen Grundströmung.

Schneefall? Möglich!

Die Temperaturen sacken zum 12. März regelrecht ab und erreichen Höchstwerte von +2 bis +6 Grad und örtlich bis +8 Grad. Da es sich um die Zufuhr von Höhenkälte handelt, ist mithilfe der labilen Luftschichtung immer wieder mit Schauern zu rechnen, die bis auf tiefere Lagen herab als Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer niedergehen können. Viel an Niederschlag ist - aufgrund zur Nähe zum Hoch - nicht zu erwarten. Dafür bleiben die Nächte frostig.

Der Hochdruckkeil kippt ab und verlagert sich im nachfolgenden Zeitraum über Westeuropa, was über Deutschland einen spätwinterlichen Ansatz zur Folge haben kann
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Der Hochdruckkeil kippt ab und verlagert sich im nachfolgenden Zeitraum über Westeuropa, was über Deutschland einen spätwinterlichen Ansatz zur Folge haben kann © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Frühling oder Spätwinter?

Diese Frage bleibt auch heute nicht so einfach zu beantworten und man sieht in der Wetterprognose der Amerikaner, wie knapp das Ganze ist und dass es nur auf Nuancen ankommen wird.

Klar ist, dass dem Hoch die Hauptrolle in der Gestaltung der Großwetterlage zukommen wird. Bestätigt wird das in den Kontrollläufen von einer schwachen Niederschlagsprognose. Ganz trocken bleiben wird es bis zum 12. März zwar nicht und gelegentlich ist mit dem einen oder anderen Schauer zu rechnen, doch großartige Niederschlagssummen werden nicht simuliert.

Der Jahreszeit angemessen

Die Kontrollläufe berechnen zudem noch einige Varianten, was die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe auf -6 bis -10 Grad absinken lassen kann. Es handelt sich aber ausschließlich um Höhenkälte, die sich nicht so recht auf die tieferen Lagen durchsetzen kann. Anders formuliert reicht es für Nachtfrost, doch mit viel Sonnenschein können die Temperaturen auf +4 bis +8 Grad und örtlich bis +12 Grad ansteigen. Das ist in etwa das, was man vom März auch erwarten kann.

Die Hochdruckdominanz ist klar erkennbar, doch wird die Position des Hochdrucksystem über den Frühling oder Spätwinter entscheiden können
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Hochdruckdominanz ist klar erkennbar, doch wird die Position des Hochdrucksystems über den Frühling oder Spätwinter entscheiden können © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
3. März +1 bis
+10 Grad
+5 bis
+7 Grad
7. März -1 bis
+11 Grad
+5 bis
+7 Grad
12. März -1 bis
+16 Grad
+7 bis
+9 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Die Hochdruckzone bleibt nach der Wetterprognose der Amerikaner bis zum 7. März erhalten und wird so für ein weitgehend ruhigen und trockenen Wettercharakter sorgen können.

Nachfolgend kommt die atlantische Frontalzone wieder im Schwung und drückt das Hoch nach Süden, was es einem aufstrebenden Hochdruckkeil schwer machen wird. Das unterstreicht nochmals, wie sehr es im Detail auf das Hochdrucksystem ankommen wird.

Frühlingshafte Wetterphasen sind möglich, doch ein nachhaltiger Durchbruch desselbigen ist nicht zu erwarten
Wetterprognose des Stratosphärenwirbels: Frühlingshafte Wetterphasen sind möglich, doch ein nachhaltiger Durchbruch desselben ist (noch) nicht zu erwarten © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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