Ein markanter Wetterumschwung könnte im Juli für einen generellen Strukturwandel sorgen und den Sommer 2019 nachhaltig beeinflussen. Entscheidend wird sein, wie und ob sich die atlantische Frontal über Skandinavien stabilisieren kann.

Tiefer Luftdruck verlagert sich in den kommenden Tagen über Skandinavien und führt zum Wochenende auf seiner Vorderseite nochmals warme Luftmassen nach Deutschland, was die Tageswerte rasch in den Bereich der +30 Grad Marke und darüber hinaus ansteigen lassen kann. Zuvor aber wird es von Norden etwas kühler, wenngleich über dem Süden nicht allzu viel davon zu spüren sein wird. Die Niederschlagsaktivität hält sich in Grenzen und kann in Form von Schauern und Gewitter heute am Alpenrand und am Sonntag und Montag über ganz Deutschland in Erscheinung treten (Gewitterradar).

Mit einem markanten Temperaturrückgang ist in den ersten Juli-Tagen zu rechnen. Vor allem über dem Norden können die Werte bis zum 3. Juli auf kühle +14 bis +18 Grad absinken, während sich über dem Süden die Werte auf angenehme +20 bis +25 Grad einpendeln können. Niederschläge sind in Form von Schauern zu erwarten, doch nennenswerter Niederschlag ist lediglich über dem Alpenraum möglich. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Juli 2019.

Macht der Sommer im Juli eine Pause?
Macht der Sommer im Juli eine Pause?

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Wetterumschwung

Verantwortlich für den Wetterumschwung zum Beginn des zweiten Sommermonats ist ein Tiefdruckgebiet, welches sich von England nach Skandinavien verlagert. Gleichzeitig strebt ein Keil des Azorenhochs nach Norden in Richtung Island auf und im Verbund der beiden Wettersysteme werden kalte Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Süden geführt. Der Tiefstwert könnte am 3. Juli erreicht werden - und in den Nächten können Werte von unter +10 Grad möglich sein.

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Siebenschläfertag und der Siebenschläferzeitraum

Nun beginnt mit dem heutigen Tag der sog. Siebenschläferzeitraum. Statistisch gesehen beeinflusst die Großwetterlage, welche sich im Zeitraum vom 27. Juni bis 7. Juli einstellen kann, weitgehend die Wetterentwicklung des Sommers. Und genau in diesen Zeitraum fällt nun der Wetterumschwung - wie nachhaltig aber ist dieser?

Markanter Temperaturrückgang Anfang Juli
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Markanter Temperaturrückgang Anfang Juli © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Hochdruck- oder Mischwetter

Man sieht es schon auf der oben stehenden Wetterkarte. Zwar verlagert die atlantische Frontalzone ihre Position über Skandinavien - und hat damit ein großes Potential für eine Zonalisierung zu sorgen - doch der Hochdruckkeil bleibt präsent. Und zwischen diesen beiden Wettersystemen wird sich eine Grundströmung einstellen, welche entweder westlich zyklonal (Tiefdruck) oder antizyklonal (Hochdruck) dominiert ist.

Nach der aktuellen Wetterprognose des europäischen Vorhersage-Modells kann sich der Hochdruckkeil im Zeitraum vom 3. bis 5. Juli nach Mitteleuropa verlagern, doch gelingt es dem Hoch nicht, seine Position auch zu festigen. Zu stark sind die Tiefdruckgebiete und setzen sich im Zeitraum vom 5. bis 7. Juli über Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Anders formuliert ist mit einem wechselhaften Wettercharakter bei einem Auf und Ab der Temperaturen zu rechnen. Der Spitzenwert könnte mit +30 Grad und mehr am 4./5. Juli erreicht werden. Zumeist pendeln die Werte aber zwischen +21 bis +26 Grad.

Das Hoch wird passiver - kommt die atlantische Tiefdruckmaschinerie in Gang?
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Das Hoch wird passiver - kommt die atlantische Tiefdruckmaschinerie in Gang? © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Duell der Wettersysteme

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Sowohl das Tief über Skandinavien, als auch der hohe Luftdruck von den Azoren bis nach England reichend, weichen im Zeitraum vom 2. bis 9. Juli nicht von der Stelle. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen zwischen diesen beiden Wettersystemen in einer überwiegend westlich bis nordwestlich dominierten Grundströmung. Bei einem wechselhaften Wettercharakter pendeln sich die Tageswerte auf +17 bis +23 Grad ein und können - je nach Sonnenscheindauer - auch einmal darüber und mal darunter liegen. Für die Jahreszeit aber ist das eine leicht zu kühle Temperaturentwicklung.

Sommerlich frisches Juli-Wetter

Im Zeitraum vom 10. bis 13. Juli verliert nach der Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modell das Hoch den Kampf und zieht sich nach Süden zurück. Nachfolgend setzt sich von Neufundland bis nach Skandinavien eine gut strukturierte Tiefdruckrinne durch. Im Ergebnis wäre nach dieser Wettervorhersage ein nachhaltiger Wetterumschwung im Verlauf der ersten Juli-Dekade zu erwarten.

Der Sommer macht Pause
Berechnung Großwetterlage nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Der Sommer macht Pause © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Weitgehend normales Sommerwetter

Eigentlich sind die Sommer in Deutschland für ihren wechselhaften Charakter und nur mäßig warmen Temperaturwerten bekannt. Häufig bewegt sich das Temperaturspektrum in einem Bereich von +22 bis +27 Grad, seltener bis +30 Grad und in Ausnahmen werden mal die +35 Grad erreicht. So war das zumindest früher. Das hat sich in den letzten Jahren verändert und die Sommer sind in den letzten 20 Jahren im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +1,3 Grad wärmer ausgefallen. Vor diesem Hintergrund können normale Temperaturwerte in der subjektiven Wahrnehmung als zu kühl empfunden werden.

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Geht es nach der Wetterprognose der Kontrollläufe, so pendelt sich der Mittelwert des Temperaturspektrums in einen für die Jahreszeit-typischen Bereich ein. Das Spektrum liegt am 6. Juli zwischen +13 bis +30 Grad (Mittelwert: +20 bis +21 Grad) und am 12. Juli zwischen +16 bis +31 Grad (Mittelwert: +22 Grad).

Diagramm Temperaturen Juni 2019 vom 27.06.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Ansteigende Niederschlagsaktivität

Im Zeitraum vom 1. bis 8. Juli ist die Niederschlagsprognose als leicht erhöht zu bewerten und steigt zum Beginn der zweiten Juli-Dekade in einem leicht bis mäßig erhöhten Bereich an. Die Niederschlagstätigkeit ist über dem Süden höher als über dem Norden zu bewerten.

Auf den Punkt gebracht

Der Juni ist weiterhin drauf und dran den Juni-Rekord aus dem Jahre 2003 zu knacken. Bereits gestern wurde mit +38,6 Grad seit 1881 die höchste jemals in einem Juni registrierte Temperatur gemessen. Der wärmste Juni aber stammt mit einer Abweichung von +3,95 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert aus dem Sommer 2003. Aktuell liegt die Abweichung bei +4,13 Grad.

Im Juli aber kündigt sich ein Wetterwechsel an, welcher mit einem Temperaturrückgang von 20 Grad und mehr bemerkenswert ausfallen kann, ist aber vor dem Hintergrund der aktuell viel zu warmen Temperaturen nicht weiter verwunderlich. Und dennoch hat der Wetterumschwung in der Siebenschläferzeit das Potential, den Wettercharakter grundsätzlich und auch nachhaltig umzukrempeln.

Ob das gelingt wird sich im Zeitraum vom 3. bis 5. Juli zeigen, denn nur wenn das Hoch einen passiven Rückzieher macht, hat die atlantische Frontalzone den entsprechenden Spielraum eine gut funktionierende Tiefdruckrinne aufzubauen. Sollte das gelingen, so hätte der Sommer sein Pulver im Juni wohl schon verschossen. Gelingt es nicht, so ist bei einem Auf und Ab der Temperaturen mit einem unbeständigen Wettercharakter zu rechnen.

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