Der Juni 2019 ist rekordverdächtig in jeglicher Hinsicht und unter bestimmten Voraussetzungen können gleich drei Wetterrekorde eingestellt werden. Für den Siebenschläferzeitraum kündigt sich eine Veränderung an, doch ob diese nachhaltig ist oder nicht, kann zum aktuellen Stand noch infrage gestellt werden.

Niederschlag gibt es heute noch südlich der Linie von Köln und Dresden, doch liegt der Schwerpunkt klar über Baden-Württemberg und Bayern, welcher im Laufe des Sonntags nach Südosten abzieht. Örtliche und kräftigere Gewitter sind nicht auszuschließen (Gewitterradar). Nachfolgend setzt sich hoher Luftdruck durch und lässt in den darauffolgenden Tagen die Temperaturen rasch in den Bereich von +28 bis +34 Grad ansteigen. Bis zur Wochenmitte - und insbesondere am Donnertag - können die Werte mit +33 bis +38 Grad und örtlich bis über die +40 Grad Marke hinaus einen neuen Temperaturrekord aufstellen. Warnkriterien für Hitze werden erreicht und hitzeempfindliche Menschen sollten diese Warnkriterien beachten. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Juni 2019.

Hitzewelle auch im Juli?
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Die Hitze kommt aus Afrika

Der Hitzeschub kommt im Verbund zwischen einem Tief über dem westlichen Europa und einem Hoch über Mitteleuropa zustande. Tiefdrucksysteme drehen sich gegen und Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn und pumpen regelrecht sehr heiße Luftmassen aus Afrika bis nach Europa. Der Schwerpunkt der Hitzewelle ist zwischen Frankreich und dem Westen von Deutschland zu erwarten.

Neue Rekordwerte

Der Rekordwert für einen Juni stammt mit +38,2 Grad aus dem Jahre 1947 und wurde in Frankfurt registriert. Zum aktuellen Stand werden sowohl am Donnerstag, wie auch am Freitag über den Ballungsgebieten Westdeutschlands Tageshöchstwerte von +38 bis +42 Grad ausgegeben. Das wäre einmalig in der Geschichte der Wetteraufzeichnung seit 1881, sowohl für einen Juni, als auch für den höchsten Sommerwert. Denn die bislang höchste - seit 1881 - jemals in Deutschland gemessene Temperatur stammt aus dem Jahre 2015 und wurde mit +40,3 Grad in Kitzingen am 5. Juli und nochmals am 7. August gemessen. Das zeigt, in welchen Dimensionen sich Werte von +42 Grad bewegen. Bislang sind das aber nur rechnerische Werte und müssen erst noch in die Realität umgesetzt werden.

Extreme Hitze macht sich auf den Weg in Richtung Mitteleuropa - selbst in 1.500 Meter Höhe werden 26 bis 28 Grad erreicht werden können
Berechnung Großwetterlage nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Extreme Hitze macht sich auf den Weg in Richtung Mitteleuropa - selbst in 1.500 Meter Höhe werden 26 bis 28 Grad erreicht werden können © www.meteociel.fr

Wie lange hält sich die Hitze?

Nach den aktuellen Wetterprognosen des europäischen und auch amerikanischen Vorhersage-Modell kann die Hitze-Welle am Donnerstag oder Freitag ihren Höhepunkt erreichen. Das europäische Vorhersage-Modell lässt die Hochdruckachse etwas abkippen, so dass die ganz heißen Werte von +38 bis +42 Grad nicht erreicht werden können. Doch das ändert wenig am Gesamtergebnis, denn nach beiden Vorhersage-Modellen kann die Hitze bis in den Juli hinein andauern.

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Der Juni 2019 ein Rekordmonat

Mit einer Abweichung von +3,95 Grad war der Juni 2003 der wärmste Juni-Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aus dem Jahre 1881. Zum aktuellen Stand beträgt die Abweichung im Juni 2019 +3,5 Grad und hat vor allem über den östlichen Landesteilen längst historische Ausmaße erreicht. Doch mit der Hitze-Welle der kommenden Woche liegen die Abweichungen in einem Bereich von 8 bis 12 Grad. Kumuliert man diese Werte und nimmt an, dass die Hitze bis zum Monatsende Bestand haben wird, dann wäre der Juni 2019 um bis zu +5 Grad zu warm - das wäre mehr als heftig und der Sommer wäre bereits jetzt schon der 23. zu warme Sommer in Folge. Warum? Es ist wenig wahrscheinlich, dass sowohl der Juli, wie auch der August um jeweils -2,5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu kalt ausfallen werden.

Die aktuelle Temperaturabweichung
Die aktuelle Temperaturabweichung Temperaturmittelwert

Siebenschläfertag mit Hitze

Der Höhepunkt der Hitzewelle könnte ausgerechnet am Siebenschläfertag erreicht werden, welcher gemäß Wettersingularität ein Lostag für den gesamten Sommer sein kann. Ein Blick in die Statistik aber zeigt, dass vielmehr der Zeitraum vom 27. Juni bis 7. Juli maßgebend für den Strömungsverlauf ist.

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Die Umstellung der Großwetterlage

Das amerikanische Vorhersage-Modell simuliert in seinen Wetterprognosen der letzten Tage immer wieder einen Durchbruch der atlantischen Tiefdrucksysteme - pünktlich - zum Start in den Juli. So auch heute wieder. Der Vorstoß der atlantischen Frontalzone geht in verschiedenen Etappen über die Bühne, doch bis zum 7. Juli positioniert sich über Skandinavien ein Tiefdruckzentrum und sorgt für eine sich zonalisierende Grundströmung (West-Ost). Mit viel Wind, gemäßigten Niederschlag und zurückgehenden Temperaturen wäre zu rechnen.

Die Großwetterlage stellt sich zum zweiten Sommermonat um
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Die Großwetterlage stellt sich zum zweiten Sommermonat um © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Temperatursturz zum Monatswechsel

Auch das wird in den letzten Tagen mehr oder minder konstant berechnet. Der Temperaturanomalie von 8 bis 13 Grad wird mit zum Beginn des Julis schlagartig abgebaut und sinkt auf ein Jahreszeit-typisches Niveau ab.

Das Temperaturspektrum liegt am 29. Juni zwischen +26 bis +41 Grad (Mittelwert: +30 Grad), am 2. Juli zwischen +14 bis +26 Grad (Mittelwert: +20 Grad) und am 7. Juli zwischen +15 bis +32 Grad (Mittelwert: +23 Grad).

Diagramm Temperaturen Juni 2019 vom 22.06.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2019 von zu kalt, normal, zu warm

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Auf den Punkt gebracht

Die Hitze kommt, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Doch viel entscheidender ist, ob sich zum Monatswechsel ein Wetterumschwung wird einstellen können. Geht es nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell, so ist dieser Entwicklungsprozess sehr wahrscheinlich und wird den Siebenschläferzeitraum beeinflussen. Nach der Wetterprognose des europäischen Vorhersage-Modells könnte sich die Hitze noch bis in den Juli hinein verlagern und nachfolgend macht ein Hochdruckkeil eine beginnende Zonalisierung schon im Ansatz zunichte.

Ein wenig strukturierter Jetstream
Berechnung Jetstream nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: So gut wie nicht vorhanden © www.meteociel.fr

Schaut man sich den Jetstream an, so bleibt dieser über den gesamten Siebenschläferzeitraum wenig strukturiert. Das spricht nicht unbedingt für eine Zonalisierung. Schaut man den dazugehörigen NAO-Index an, so bleibt dieser bis auf weiteres leicht negativ bis neutral - auch das spricht nicht gerade für eine westlich dominierte Wetteraktivität.

Druckanomalie bis 2. Juli
Druckanomalie bis 2. Juli - Gestörtes Zirkulationsmuster © climatereanalyzer.org

Und blickt man auf die Druckanomalien bis zum 2. Juli, so kann man sich schon fragen, woher eine zonalisierende Grundströmung kommen sollte. Anders formuliert ist ein Wetterumschwung zum Juli möglich und durchaus wahrscheinlich, doch zum aktuellen Stand noch aus mehreren Blickwinkeln heraus infrage zu stellen.

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