Das Skandinavienhoch ist weg, die atlantische Frontalzone formiert sich. In welche Richtung wird sich das Sommerwetter entwickeln können und wie steht es um einen nachhaltigen Wetterumschwung?

Atlantische Tiefdrucksysteme erstrecken sich von Neufundland über Island bis nach Skandinavien und können zeitweilig auch das Wetter über Deutschland mit beeinflussen. So ist am heutigen Montag, am Donnerstag und Freitag mit klassischem Vorderseitenwetter zu rechnen, was zu kräftigen Schauern und Gewittern mit örtlichem Unwetterpotential führen kann. Vorderseite heißt aber auch, dass sehr warme Luftmassen aus südlichen Richtungen nach Deutschland geführt werden können.

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So können die Temperaturen an diesen Tagen über die +30 Grad Marke ansteigen und für Hitzetage sorgen. Nachfolgend kühlt es auf der Rückseite entsprechend ab und die Temperaturen bewegen sich meist im Bereich von +20 bis +25 Grad und örtlich bis +27 Grad.

Der Wettercharakter ist nach der aktuellen Wetterprognose für das Wetter im August 2018 noch am ehesten am Mittwoch und Donnerstag als stabil zu bewerten, sonst kann immer wieder mit Schauern gerechnet werden.

Schaut man sich die Grundstruktur der Großwetterlage aber genauer an, so bleibt für die restlichen Sommertage nicht mehr allzu viel an Möglichkeiten übrig, steht aber voraussichtlich vor dem Dilemma, entweder kühl, oder warm auszufallen.

Deutschland liegt zwischen den Fronten
Deutschland liegt zwischen den Fronten

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Wie steht es um die Hitze?

Eingefahrene Strukturen neigen gerne zur Erhaltung und die vergangene Hitzewelle war eine solche Struktur, welche durch ein blockierendes Skandinavienhoch hervorgerufen wurde. Dieses Hochdrucksystem existiert nun nicht mehr und der Wechsel der Großwetterlage ist vollzogen.

Stattdessen drängen nun die atlantischen Tiefdrucksysteme in Richtung Mitteleuropa, aber auch ohne ein Skandinavienhoch können Hitzetemperaturen erreicht werden. Das ist meist dann der Fall, wenn von den Azoren aus ein Hochdruckkeil in Richtung Mitteleuropa strebt und sich bis über das östliche Europa ausdehnen kann.

Deutschland, Österreich und die Schweiz würden in diesem Fall in eine südwestlich orientierte Grundströmung gelangen. Bei feucht-warmen Temperaturen neigt das Wetter dann gerne zu einer erhöhten Schauer- und Gewitterneigung mit dem ganzen dazugehörigen Unwetterprogramm.

Amerikanisches Prognosemodell: Unbeständiges Sommerwetter

Eine solche Südwestwetterlage berechnet das amerikanische Wettermodell hin und wieder einmal, was die Tageswerte zeitweilig auf +30 bis +37 Grad ansteigen lassen kann. Das sind aber jeweils nur kurze Zeiträume von zwei bis maximal drei Tagen.

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Diese Hitzewerte sind auch der Vorderseitenanströmung geschuldet und nachfolgend sorgen Schauer und Gewitter für eine Abkühlung. Hitzetage sind also möglich, eine neuerliche Hitzewelle ist aber nach der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich.

Grundsätzlich ist bei einer Südwestwetterlage der Norden und Westen unbeständiger und auch etwas kühler als der Süden und Osten zu bewerten.

Polarwirbelberechnung August

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Deutschland liegt zwischen den Fronten © www.meteociel.fr

Europäisches Vorhersagemodell: Abwechslungsreiches Sommerwetter

Das europäische Prognosemodell berechnet in seiner heutigen Wettervorhersage eine ganz ähnliche Wetterentwicklung, was ein südwestlich orientiertes Zirkulationsmuster in den verbleibenden Sommertagen zunehmend wahrscheinlicher macht.

Sollte das tatsächlich so eintreten, wie es die Wettermodelle simulieren, so wäre eine nachhaltige Veränderung der Großwetterlage festzustellen.

Polarwirbelberechnung August

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Prognosemodell : Der Charakter des Sommerwetters wandelt sich zum unbeständigen Wettercharakter © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Sommer weiterhin warm, aber unbeständig

Wie eingangs aber angedeutet, liegt die Problematik der kommenden Wetterentwicklung im Detail. In den beiden oben gezeigten Wetterkarten liegt das Hochdrucksystem über dem östlichen Europa und die atlantische Frontalzone läuft auf. Wenn sich nun das Hochdrucksystem etwas weiter nach Westen verlagert, so hat die Tiefdruckrinne größere Probleme, sich bis nach Skandinavien durchzusetzen. Das wäre dann eine Option für eine Hitzewelle. Weicht das Hoch stattdessen noch etwas weiter nach Osten aus, so kann sich die atlantische Frontalzone über dem skandinavischen Raum festsetzen und auch für einen frühherbstlichen Wettercharakter über Deutschland, Österreich und der Schweiz sorgen.

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Die Kontrollläufe bestätigen im Grunde eine abwechslungsreiche Südwestwetterlage mit Temperaturspitzen zum 13., 17. und 24. August. Dazwischen pendelt sich das Temperaturspektrum auf ein für den Sommer normalen Bereich ein.

Das Temperaturspektrum liegt am 20. August zwischen +18 bis +30 Grad (Mittelwert: +22 bis +24 Grad ), am 24. August zwischen +14 bis +32 Grad (Mittelwert: +23 bis +25 Grad) und am 28. August zwischen +14 bis +32 Grad (Mittelwert: +22 bis +24 Grad).

In der Niederschlagsentwicklung zeigt sich keine einheitliche Struktur und besteht aus Spitzen, welche auf Vorderseiten und nachfolgenden Rückseitenwetter hindeuten. Dauerregen ist zum aktuellen Stand ebenso wenig zu erwarten, wie eine länger andauernde Trockenperiode. Stattdessen immer wieder regional auftretende Schauer und Gewitter - kein flächendeckender Niederschlag.

Diagramm Temperaturen August 2018 vom 13.08.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettertrend Sommer 2018 nach dem Langfristmodell: August zu trocken und zu warm

Die Wetterprognose des Langfristmodells ist für den August mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad durchaus plausibel und bedeutet nach dem deutlich zu warmen ersten Drittel eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Normalisierung der Temperaturen.

Das ändert aber nichts daran, dass der August zu trocken - teils deutlich zu trocken - ausfallen soll.

Rekordsommer?

Die aktuellen Abweichungen der Temperaturen der bereits vergangenen Augusttage liegt aktuell bei +5,7 Grad. Die vergangenen Tage zeigen also Wirkung, denn zum 9. August betrug die Abweichung noch +7,2 Grad. Nimmt man einfach mal an, die Abweichung von +5,7 Grad kann bis Ende August gehalten werden, so wäre der Sommer 2018 um 3,83 Grad zu warm. Zum Vergleich: Der Rekordsommer aus dem Jahre 2003 hatte eine Abweichung von +3,37 Grad. Wenn die restlichen Augusttage den Schnitt annähernd beibehalten, so wäre ein neuerlicher Jahrhundertsommer möglich.

Darauf deutet aber in den aktuellen Wetterprognosen der Wettermodelle nur wenig hin. Nimmt man an, dass sich die Temperaturen im zweiten und letzten Augustdrittel einfach nur normalisieren und der August um +2 Grad zu warm ausfallen soll, so wäre der Sommer 2018 gegenüber dem langjährigen Mittelwert um +2,6 Grad zu warm. Ein Rekordsommer ist zwar möglich und auch nicht gänzlich auszuschließen, doch zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich.

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +3,4 Grad Trend: Deutlich zu trocken
August 2018 +1 bis +2 Grad Trend: leicht bis deutlich zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 12.08.2018

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