Geht der Sommer weiter wie bisher, oder steht in dem kommenden Tagen eine Umstrukturierung der Großwetterlage an?

In den letzten Stunden ist über Norddeutschland einiges an Niederschlag zusammengekommen und auch in den kommenden Stunden ist mit weiteren Niederschlägen zu rechnen. Im Verlauf der Woche setzt sich von Westen ein Hochdruckkeil durch und verdrängt das Tiefdruckgebiet weiter nach Osten in Richtung Polen.

Anzeige

So lässt die Niederschlagsneigung nach der aktuellen Wetterprognose Juli bis einschließlich Montag nach. Die Sonne kommt wieder häufiger zum Vorschein und zum Nachmittag und den Abendstunden können Quellwolken aufziehen, welche ab Freitag für regionale Schauer und Gewitter sorgen können, deren Schwerpunkt über Bayern und Baden-Württemberg liegen kann. Die Temperaturen erreichen mit +22 bis +27 Grad und örtlich bis +29 Grad ein sommerliches Niveau.

Nachtrag Wettervideo: 10. Juli 2018 - Beeindruckender Zeitraffer des Haboob (Sandsturm) über Südwest Arizona (USA)

loading...
  Aktuelle Wetterkarten
  Regenradar

Regenradar

Regenradar Deutschland
Regenradar mit erweiterten Funktionen
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Folgt nun das Ausgleichsverhalten?

Seit Februar dominieren die Hochdrucksysteme über Skandinavien das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Hochdrucksysteme formierten sich nach kurzen Unterbrechungen immer wieder von neuem über Skandinavien, was einer ausgeprägten Erhaltungsneigung entsprach.

Die Frage der letzten Tage war, wann kommt eine grundlegende Veränderung der Großwetterlage, wann setzt sich das für Deutschland typische Atlantikwetter (Westwindwetter) wieder durch - wann kommt das Ausgleichsverhalten?

Ein Ausgleichsverhalten muss nicht zwangsläufig mit Dauerregen und kühlen Temperaturen einhergehen. Vielmehr verändert sich das zu Grunde liegende Strömungsmuster. Ein Hoch über Skandinavien hat eine gestörte Zirkulation zur Folge. Setzt sich nun über Island ein Tiefdruckzentrum durch und dehnt sich phasenweise weiter nach Skandinavien aus, so normalisiert sich das Zirkulationsmuster langsam.

Amerikanisches Wettermodell: langsame Umstrukturierung der sommerlichen Großwetterlage

Das amerikanische Prognosemodell berechnet den Hochdruckkeil von den Azoren bis nach Skandinavien reichend bis zum 16./17. Juli für das Wetter über Deutschland dominierend. So ist die Niederschlagsneigung in Form von Schauern und Gewittern meist schwach bis mäßig ausgeprägt und die Temperaturen pendeln sich auf Werte zwischen +22 bis +27 Grad in einen sommerlich angenehmen Bereich ein.

Anzeige

Hochdruckzone zeigt Schwächen

Ab dem 16. Juli dehnt sich das osteuropäische Tiefdruckgebiet weiter nach Westen aus und geht zum 20. Juli in die atlantische Frontalzone über. Die Hochdruckzone kann über Deutschland, der Schweiz und auch Österreich nachhaltig gestört werden, sodass in Folge mit vermehrten Niederschlägen bei langsam zurückgehenden Temperaturen gerechnet werden kann. Wie weit gehend die Temperaturen zurück? Je nach Niederschlagssituation werden Temperaturen von +18 bis +22 Grad, bzw. +21 bis +26 Grad berechnet.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Die Hochdruckzone baut sich ab und die atlantischen Tiefdrucksysteme nähern sich Deutschland © www.meteociel.fr

Europäisches Prognosemodell: Sehr langsame Umstrukturierung der sommerlichen Großwetterlage

Geht es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells, so bleibt die Hochdruckbrücke von den Azoren bis über das westliche Russland reichend bis zum 21. Juli weitgehend intakt. Allerdings gelingt es atlantischen Tiefdrucksystemen um den 17. Juli einen Tiefdruckableger in Richtung England, Spanien und Frankreich zu positionieren. Im Verbund mit dem hohen Luftdruck können aus südlichen Richtungen sehr warme, aber auch feuchte Luftmassen nach Deutschland über die Alpen geführt werden, was die Schauer- und Gewitterneigung ansteigen lassen kann - zum Teil auch wieder mit erhöhtem Potential für Unwetter

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Die Hochdruckzone bleibt weitgehend intakt, doch Störungen können bis nach Deutschland durchdringen © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Durchwachsenes Sommerwetter

Die Wettervorhersage der Kontrollläufe bleibt auch heute wieder dem Trend der letzten Tage treu. So liegt das Temperaturspektrum über dem Süden - im Verhältnis zum langjährigen Mittelwert - im Zeitraum vom 13. bis 25. Juli in einem für den Sommer im normalen Bereich. Anders die Situation weiter nach Norden, wo sich das Temperaturspektrum in einem etwa 2 bis 4 Grad zu warmen Spektrum erstreckt.

So liegt das Temperaturspektrum am 19. Juli zwischen +17 bis +30 Grad (Mittelwert: +23 Grad über dem Süden und +25 Grad über dem Norden) und am 26. Juli zwischen +15 bis +30 Grad (Mittelwert: +24 bis +25 Grad). Weder eine Hitzewelle, noch eine Kaltluftdusche zeichnet sich nach den Kontrollläufen ab - vielmehr ein normales Sommerwetter.

Ob das Sommerwetter aber auch stabil ausfallen kann, bleibt in Frage zu stellen. Die Niederschlagsneigung wird nach den Berechnungen der Kontrollläufe ab dem 17. Juli signifikant erhöht berechnet - meist in Form von Schauern und Gewittern, was in gewisser Weise ja auch für den Sommer typisch ist. Anders formuliert ist normales bis zu warmes Sommerwetter wahrscheinlicher, als eine zu kalte Wetterentwicklung.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 10.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettervorhersage Sommer 2018 nach dem Langfristmodell

Im aktuellen Wettertrend des Langfristmodells gibt es wieder eine kleine Korrektur zu beobachten, was die Theorie des Ausgleichverhaltens etwas stützen mag. Der Juli und August 2018 werden mit einer Abweichung von +0,5 bis +1 Grad etwas zu warm berechnet. Der in den letzten Tagen forcierte Trend in Richtung der +2 Grad Marke wurde hingegen korrigiert.

In der Niederschlagsentwicklung bleibt alles wie gehabt. Der Juli deutlich zu trocken, der August zu trocken.

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: Deutlich zu trocken
August 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: Etwas zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 11.07.2018

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen