Die Sommerhalbzeit ist bald erreicht und der Sommer 2018 war bislang zu warm. Welche Optionen gibt es für die zweite Sommerhälfte?

Das Tiefdrucksystem über Deutschland sorgt heute und auch am Mittwoch für den über dem Norden so lang ersehnten Niederschlag. Von Donnerstag bis Sonntag verlagert sich das Tiefdruckgebiet weiter nach Polen und von Westen setzt sich über Deutschland wieder hoher Luftdruck mit zunehmend sommerlichen Temperaturen durch.

Wie viel Niederschlag ist zu erwarten?

Bis einschließlich Sonntag werden etwa östlich der Linie von Düsseldorf und Schwarzwald 8 bis 16 l/m² und entlang der Mittelgebirge, sowie über Teilen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und entlang der Alpen sind 20 bis 60 l/m² an Niederschlag zu erwarten. Weiter nach Westen sind es mit 0 bis 5 l/m² deutlich weniger Niederschläge. Die Trockenheit über dem Norden neigt sich langsam dem Ende - Passend zum Thema ein Video von gestern von einem Sandsturm in Arizona:

Wettervideo: 09. Juli 2018 - Haboob (Sandsturm) - Südwest Arizona (USA)

Die niedrigsten Werte werden mit +15 bis +20 Grad und örtlich bis +22 Grad am heutigen Dienstag erreicht und steigen von Donnerstag bis Sonntag auf +24 bis +28 Grad in den sommerlich warmen Bereich an. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage für den Juli.

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Sommerliche Großwetterlage

Der Grund für die heutige Abkühlung ist ein sog. Kaltlufttropfen, welcher im Verlauf der Woche an Wetterwirksamkeit verliert und einem Hochdruckkeil Platz macht, welcher ab Donnerstag das Wetter über Deutschland bestimmen kann. Im weiteren Verlauf kommt es sehr darauf an, wie sich der hohe Luftdruck über dem skandinavischen Raum wird verhalten können und zum aktuellen Stand sind drei wesentliche Wetterentwicklungen möglich.

  • Die Variante der Hundstage: Der Hochdruckkeil breitet sich aus und bleibt bis zum Beginn der letzten Juli-Dekade wetterbestimmend. In Folge daraus verbleiben Deutschland, Österreich und die Schweiz in einem gradientenschwachen Wetterumfeld, bei der die atlantische Frontalzone nahezu vollständig blockiert wird. Die Temperaturen können bei einer zunehmenden Neigung zu Schauern und Gewittern in den sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich ansteigen.
  • Sommerwetter mit Schauer und Gewitter und Potential für Unwetter: Der Hochdruckkeil von den Azoren bis nach Skandinavien behauptet sich bis zum 16. Juli. Anschließend teilt sich die Hochdruckzone in zwei autarke Hochdruckzentren auf. Das eine Zentrum liegt über den Azoren, dass Zweite über Skandinavien. Zwischen beiden Systemen entsteht eine Lücke in welche die Tiefdrucksysteme vom Atlantik vorstoßen können. Vorderseitig können sehr warme und feuchte Luftmassen nach Deutschland, die Schweiz und Österreich geführt werden und nachfolgend wird es auf der Rückseite etwas kühler. In der Übergangsphase wäre das Potential für Unwetter entsprechend hoch einzustufen.
  • Wechselhaftes und mäßig warmes Sommerwetter: In der dritten Variante gelingt der atlantischen Frontalzone das Hochdrucksystem über Skandinavien entscheidend zu schwächen um selbst die Position über dem hohen Norden einzunehmen. In Folge daraus dreht aus Strömungsmuster über Deutschland auf westliche Richtungen und führt frische und feuchte Atlantikluft nach Mitteleuropa.

Der Sommer 2018 war bisweilen deutlich zu warm und hatte über dem Norden wenig und über dem Süden mäßigen Niederschlag zu bieten
Der Sommer 2018 war bisweilen deutlich zu warm und hatte über dem Norden wenig und über dem Süden mäßigen Niederschlag zu bieten

Kontrollläufe: Zu kaltes Wetter ist…

…nach der aktuellen Wetterprognose wenig wahrscheinlich und der Wettertrend der letzten Tage bestätigt sich heute erneut. So liegt das Temperaturspektrum am 15. Juli mit +23 bis +27 Grad (Mittelwert: +24 bis +25 Grad) und am 24. Juli mit +16 bis +31 Grad (Mittelwert: +24 bis +25 Grad) über dem Süden in einem normalen und über dem Norden in einem etwa um 2 bis 4 Grad zu warmen Bereich. Fast normales Sommerwetter.

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Ein Durchbruch der atlantischen Frontalzone…

… ist nach der Niederschlagsprognose der Kontrollläufe weniger wahrscheinlich. Zwar gibt es im Zeitraum vom 10. bis 13. Juli immer wieder etwas Niederschlag, doch vom 13. bis 16. Juli ist die Niederschlagsneigung als gering und darüber hinaus als schwach bis allenfalls mäßig hoch zu bewerten. Möchte man die Kontrollläufe interpretieren, so wäre eine sommerlich warme und zu Schauern und Gewittern neigende Großwetterlage im Zeitraum vom 15. Juli bis 25. Juli eine wahrscheinliche Wetterentwicklung.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 10.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettervorhersage Sommer 2018 nach den Langfristmodellen

Zeit, wieder einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Sommerprognosen der Langfristmodelle zu riskieren.

  • Das CFSv2 Modell berechnet den Juli und August mit einer Abweichung von +0,5 bis +1 Grad etwas zu warm und im Wettertrend mit einer Abweichung von bis zu +2 Grad deutlich zu warm.
  • Die NASA simuliert die verbleibenden Sommermonate Juli und August mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm.
  • Das IRI-Modell berechnet den Verlauf des Sommers weitgehend normal und im Trend etwas zu warm.
  • Das METOffice simuliert eine Wahrscheinlichkeit von 40 bis 80 Prozent für einen zu warmen, von 0 bis 40 Prozent für einen normalen und von 0 bis 20 Prozent für einen zu kalten Temperaturverlauf.

Geht es nach den Vorhersagen der Langfristmodelle, so wäre ein zu warmer Sommer 2018 zu erwarten. Aktuell liegt die Abweichung der Sommertemperaturen bei rund +2,2 Grad im deutlich zu warmen Bereich. Um das noch auf ein normales Niveau zu drücken, müssten die restlichen Julitage und das Wetter im August 2018 etwa um etwa -1,9 Grad zu kalt ausfallen. Das ist beim Wetter grundsätzlich nicht unmöglich, doch zum aktuellen Stand wenig wahrscheinlich.

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