Ist Mitte Juli eine sommerliche Hitzewelle zu erwarten, oder schlagen sich die atlantischen Tiefdrucksysteme bis über Mitteleuropa durch? Die Vorhersagemodelle lassen eine Entscheidung noch offen.

Deutschland liegt in den kommenden Tagen im Einflussbereich zweier Wettersysteme. Zum einen positioniert sich über dem östlichen Skandinavien und dem westlichen Russland ein Tiefdrucksystem, während von Westen sich ein Hochdruckkeil Deutschland nähert. Im Verbund der beiden Wettersysteme dreht die Grundströmung auf nördliche Richtungen und lässt den Wind mitunter böig und an den Küsten von Nord- und Ostsee zeitweilig auch stürmisch auffrischen.

Niederschläge in Form von Schauern und Gewittern sind heute und morgen noch im Schwerpunkt über Baden-Württemberg und Bayern zu erwarten, während es über dem Norden weitgehend trocken bleibt. Über das Wochenende ziehen immer wieder Wolkenfelder vorüber, doch die Niederschlagsneigung ist als gering einzustufen - erst zum Start in die neue Woche zeigt sich über dem Norden und Osten eine leicht erhöhte Niederschlagsneigung - im Detail wird es noch auf die exakte Position des Tiefdrucksystems ankommen, so dass hier noch mit Veränderungen gerechnet werden kann.

Die Temperaturen pendeln sich allgemein auf +21 bis +26 Grad ein und können mit entsprechender Sonnenscheindauer darüber und bei starker Bewölkung auch knapp darunter liegen. Mehr zum Wetter Juli 2018.

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Nordströmung

Die Trockenheit in einigen Regionen von Deutschland ist zur Zeit ein Problem und hat mitunter schon katastrophale Auswirkungen. Insofern tun wir uns auch immer etwas mit der Definition von schönem Wetter schwer, denn dies ist meist relativ und subjektiv bezogen. Nun sind in den kommenden Tagen über dem Norden weiterhin nur wenige Niederschläge zu erwarten, was die Situation aber weiter verschärfen könnte, wäre viel Sonnenschein mit hochsommerlichen Temperaturen.

Aus dieser Sicht heraus kann man eigentlich froh sein, dass Deutschland sich aktuell am östlichen Hochdruckgradienten in einer nördlichen Grundströmung befindet und die Temperaturen zwar in den sommerlichen Bereich ansteigen, aber zunächst einmal nicht für eine Hitzewelle sorgen können.

Amerikanisches Prognosemodell: Ein mächtiges Hochdrucksystem

Das amerikanische Vorhersagemodell berechnet für den Zeitraum vom 10. bis 14. Juli die Ausdehnung eines Hochdruckgebietes von den Azoren über England bis über Teile von Skandinavien. In Folge daraus bleibt der Zugriff der Tiefdrucksysteme auf Deutschland zunächst verwehrt und werden schon auf dem Atlantik blockiert.

Das Hochdrucksystem kann sich aber auch nicht über Skandinavien festigen und so verbleiben Deutschland, Österreich und die Schweiz im Einflussbereich des östlichen Hochdruckgradienten in einer überwiegend nördlichen Grundströmung.

So können vom 9. bis 14. Juli über den östlichen Landesteilen immer wieder Ausläufer des Tiefdrucksystems über Osteuropa für etwas Niederschlag sorgen, sonst bleibt es die meiste Zeit über trocken. Die julisonne ist recht kräftig und lässt die Tageswerte vom 11. Juli mit +21 bis +26 Grad bis zum 14. Juli auf +26 bis +32 Grad ansteigen.

Hitzewelle oder Abkühlung?

Bis zum 14. Juli verlagern sich die atlantischen Tiefdrucksysteme über Island, werden aber durch den Hochdruckkeil an ein Weiterkommen nach Osten gehindert. So tropfen die Tiefdruckgebiete vor Mitteleuropa ab und könnten im Zeitraum vom 14. bis 16. Juli für Temperaturen von verbreitet +30 bis +35 Grad sorgen. Im Detail kommt es nun darauf an, wie sich die Tiefdrucksysteme verhalten.

Verlagern diese sich weiter nach Osten - über Deutschland - so ist im nachfolgenden Zeitraum mit einen kühleren und auch unbeständigen Sommerwetter zu rechnen. Positionieren sich die Tiefdrucksysteme aber im Bereich zwischen Spanien, Frankreich und England, so könnte daraus eine über Deutschland sehr warme Südanströmung der Luftmassen erfolgen. Anders formuliert wäre eine hochsommerlich heiße Wetterlage in der zweiten Juli-Dekade nicht auszuschließen.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Sommerlich frisch oder sommerlich heiß - auf die Tiefdruckposition kommt es an © www.meteociel.fr

Europäisches Prognosemodell: Gemäßigtes Sommerwetter

Das europäische Vorhersagemodell berechnet das Azorenhoch im Zeitraum vom 8. bis 14. Juli weitgehend stabil und Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen überwiegend am östlichen Gradienten des Azorenhochs. In Folge daraus bleibt auch die nördliche Grundströmung erhalten, was die Tageswerte sich meist im Bereich von +24 bis +28 Grad und zeitweilig auf +30 Grad einpendeln lässt.

Im Zeitraum vom 12. bis 15. Juli aber verstärkt sich der tiefe Luftdruck über Island und konzentriert sich dort in einem Zentraltief. Das hat eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung einer südwestlichen Grundströmung über Deutschland, Österreich und der Schweiz, was den Wettercharakter in diesem Zeitraum sommerlich warm, aber auch mit Schauern und Gewittern für einen unbeständigen Wettercharakter sorgen kann.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Deutschland verbleibt in der schwachgradientigen Hochdruckzone © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Sommerwetter mit kurzer Hitzewelle?

Die Kontrollläufe bestätigen für die kommenden Tage eine moderate Entwicklung der Sommertemperaturen und liegen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert über Süddeutschland im normalen und über dem Norden im leicht zu warmen Bereich.

Im Zeitraum vom 12. bis 17. Juli zeigt sich aber in den Kontrollläufen ein mehrheitlicher Temperaturanstieg, welcher im Zeitraum vom 17. bis 21. Juli wieder etwas zurückgeht. So liegt das Temperaturspektrum am 14. Juli zwischen +18 bis +33 Grad (Mittelwert: +26 bis +28 Grad) und am 20. Juli zwischen +17 bis +31 Grad (Mittelwert: +23 Grad).

Die Niederschlagsneigung ist im Zeitraum vom 8. bis 14. Juli über dem Westen, Süden und Norden als gering zu bewerten und steigt darüber hinaus etwas an. Über dem Osten ist bereits zum 10. Juli mit einer ansteigenden Niederschlagserwartung zu rechnen.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 05.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettervorhersage Sommer 2018 nach dem Langfristmodell: Juli und August im Trend zu warm

Das Wetter im Juli 2018 war Rückblickend bislang um +2,1 Grad zu warm. Daran wird sich in den kommenden Tagen nur unwesentlich etwas verändern und zur Monatsmitte wird sich die Differenz zum vieljährigen Mittelwert noch etwas ausbauen können. Das Langfristmodell reagiert in seiner heutigen Wetterprognose etwas und berechnet den Juli mit einer Abweichung von +0,5 bis +1 Grad und in manchen Regionen bis +2 Grad noch etwas wärmer. Der August wird weiterhin mit einer Abweichung von +0,5 bis +1 Grad etwas zu warm berechnet.

Die Niederschlagsprognosen des Langfristmodells bleiben aber für den Juli deutlich und für den August etwas zu trocken. Sollte das Langfristmodell sich mit seiner Sommerprognose durchsetzen können, so ist ein warmer und sehr trockener Sommer 2018 zu erwarten. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: Deutlich zu trocken
August 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: etwas zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 05.07.2018

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