Über dem Süden muss mit einer ansteigenden Schauer- und Gewitterneigung gerechnet werden. Ob sich der grundlegend sommerliche Wettercharakter aber weiterhin durchsetzen kann, hängt stark davon ab, wie sich ein Hochdrucksystem positioniert.

Mit einer nordöstlichen Grundströmung werden kurzzeitig kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt. In der neuen Juliwoche lässt der Wind nach und gibt der Sonne die Zeit, die Luftmassen auf sommerliche Werte zu erwärmen. Gleichzeitig werden aus südwestlichen Richtungen feucht-warme Luftmassen Deutschland zugeführt, was die Neigung zu Schauern und Gewittern ab Dienstag über Baden-Württemberg und Bayern ansteigen und bis zum Freitag nach Norden ausdehnen lässt.

Die Gewitter können ab Donnerstag südlich der Linie von Köln und Dresden mitunter kräftiger ausfallen. Die Temperaturen bleiben mit +24 bis +28 Grad auf einem sommerlich warmen Niveau, können aber in Schauernähe auf +18 bis +23 Grad absinken.

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Durchwachsenes Sommerwetter über dem Süden

Deutschland liegt im gesamten Verlauf der kommenden Woche in einem gradientenschwachen Wetterumfeld. So können in der labilen Luftschichtung immer wieder Schauer und Gewitter entstehen, deren Schwerpunkt über dem Süden liegen kann. Eine Veränderung der sommerlichen Großwetterlage ist aber in der aktuellen Wettervorhersage Juli 2018 nicht zu erkennen. Und dennoch - das Potential für Veränderungen der Großwetterlage ist vorhanden.

Amerikanisches Prognosemodell: Ein sommerlicher Wettercharakter überwiegt

Das Hochdrucksystem über Skandinavien kann sich behaupten, jedoch sorgt eine Störung über dem westlichen Russland und Polen für Unsicherheiten in der weiteren Wetterentwicklung. Sollte sich das Tiefdrucksystem etwas verstärken und weiter nach Westen ziehen können, so könnten ab dem 6./7. Juli aus nördlichen Richtungen kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt werden.

Nach der aktuellen Wetterprognose aber bleibt das Tiefdruckgebiet an Ort und Stelle und verliert ab dem 10. Juli zunächst an Wetterwirksamkeit. Gleichzeitig dehnt sich von den Azoren bis nach Skandinavien ein Hochdruckkeil aus und sorgt für einen Erhalt des sommerlichen Grundcharakters bis zum 12. Juli.

Die atlantische Frontalzone wird durch diesen Vorgang zunächst einmal vollständig blockiert, doch durch den Hochdruckkeil gelingt es dem vormals osteuropäischen Tiefdrucksystem entlang des südlichen Hochdruckgradienten zwischen den Azoren und Spanien ein neues Tiefdrucksystem entstehen zu lassen. Im Zeitraum vom 13. bis 16. Juli verlagert das Tiefdruckgebiet seine Position von Spanien über Deutschland bis nach Skandinavien und baut die Hochdruckdominanz ab. Im weiteren Verlauf ergeben sich dadurch größere Möglichkeiten für die atlantische Frontalzone einen Wetterwechsel herbeizuführen.

Der simulierte Ablauf der Wetterentwicklung wäre typisch für einen Wetterwechsel. Anstieg der Schauer- und Gewitterneigung ab dem 6. Juli. Die Temperaturen erreichen mit +25 bis +30 Grad und örtlich bis +34 Grad am 12. Juli ihren vorläufigen Höhepunkt, bevor unwetterartige Wetterereignisse am 13. Juli einen unbeständigeren und kühleren Wettercharakter einleiten können.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Bis zum 12. Juli bleibt der Wettercharakter bei einer zunehmenden Schauer- und Gewitterneigung sommerlich. Erst in der zweiten Juli-Dekade mehren sich die Möglichkeiten einer Veränderung © www.meteociel.fr

Europäisches Prognosemodell: Wetterwechsel im Sommer?

Auch heute wieder berechnet das europäische Wettermodell in seiner Wettervorhersage die Ausdehnung des Azorenhochs in Richtung England. Somit wird auch nach dieser Berechnung der sommerliche Wettercharakter bis zum 10. Juli aufrecht erhalten.

Im Detail aber wird es darauf ankommen, wie weit das Hochdrucksystem tatsächlich nach Nordosten vorankommt. Bleibt es bspw. über England stehen, so gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz an den östlichen Hochdruckgradienten, was mit einer nördlichen Grundströmung kühlere Luftmassen nach Süden führen kann. Doch nach der aktuellen Wetterprognose ist es vielmehr so, dass der Hochdruckkeil die atlantische Frontalzone vollständig blockiert und sommerlich warme Temperaturen bei einer leicht erhöhten Schauer- und Gewitterneigung wahrscheinlicher sind, als für die Jahreszeit zu kalte oder normale Temperaturen.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Blockadehoch mit einem sommerlichen Wettercharakter für Deutschland, Österreich und die Schweiz © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Wetterwechsel möglich?

Schaut man sich den Temperaturverlauf der Kontrollläufe an, so sind diese über dem Süden bis zum 6. Juli deutlich zu warm und sinken darüber hinaus auf ein leicht zu warmes bis normales Niveau ab. Weiter nach Norden bleibt das Temperaturniveau bis zum 10. Juli deutlich zu warm und sinkt darüber hinaus auf ein leicht zu warmes Niveau ab.

Geht es nach den Kontrollläufen, so kann sich das Temperaturniveau im Verlauf des zweiten Sommermonats allmählich normalisieren. Was bedeutet normal? Gemessen am langjährigen Mittelwert pendelt sich der Durchschnittswert des Temperaturspektrums auf +23 bis +24 Grad ein.

Sind Niederschläge zu erwarten?

Der Norden und Osten - welcher bislang von der Trockenheit am stärksten betroffen ist - wird von den Kontrollläufen weiterhin nur mit einer schwachen Niederschlagsleistung berechnet. Zwar steigt die Niederschlagsneigung zwischen dem 8. und 10. Juli an, von einem ergiebigen und länger andauernden Landregen ist aber nichts zu erkennen.

Über dem Süden und Westen sieht die Niederschlagsprognose etwas anders aus. Hier sorgen Schauer und Gewitter ab dem 5. Juli für eine erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit, welche zum 10. Juli abklingt und darüber hinaus in eine schwache Niederschlagneigung übergeht.

Um die eingangs gestellte Frage nach einem möglichen Wetterwechsel zu beantworten: Es gibt sie, die Konstellationen, doch mehrheitlich überwiegen Varianten, welche die Trockenheit bis zur Halbzeit des Sommers fortführen können.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 01.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wetterprognose Sommer 2018 nach dem Langfristmodell

Interessant ist das Langfristmodell, welches sich seit Tagen vehement dagegen wehrt, auf die deutlich zu warme Wetterentwicklung Anfang Juli zu reagieren. Und so liegt auch heute die prognostizierte Abweichung der Temperaturen im Juli gegenüber dem langjährigen Mittelwert im Bereich von +0,5 bis +1 Grad im etwas zu warmen Bereich.

Und es erscheint auch hinsichtlich der aktuellen Prognosen der Wettermodelle plausibel zu sein, wenn das erste Juli-Drittel zu warm beginnt und das zweite und letzte Juli-Drittel normal temperiert ausfallen können, so könnten die Abweichungen des Langfristmodells zustanden kommen. Man wird aber tatsächlich abwarten müssen, wie sich das Hochdrucksystem in den kommenden Tagen positionieren wird.

Wetter im August wird etwas wärmer berechnet

Für den August 2018 ergab sich gegenüber den letzten Wochen eine kleine Korrektur. Die Abweichung beträgt nun +0,5 bis +1 Grad und liegt damit im etwas zu warmen Bereich.

Zu trockener und zu warmer Sommer 2018

Der Juni legte schon ordentlich vor und sollten die folgenden Sommermonate Juli und August leicht zu warm ausfallen, so ergäbe sich zum heutigen Stand ein etwa um +1,2 Grad zu warmer Sommer 2018. Betrachtet man die Niederschlagsentwicklung, so wird der Juli deutlich zu trocken und der August im Trend zu trocken berechnet. Möchte man diese Prognose interpretieren, bleibt die Hochdruckdominanz im Sommer wohl erhalten. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: Zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: etwa zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 01.07.2018

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