Der Juli beginnt hochsommerlich heiß, doch zeigt die Wetterentwicklung im weiteren Verlauf wenig Stabilität, was einen Wetterwechsel möglich macht.

In den kommenden Tagen zeigt sich eine Wetterentwicklung, welche die Temperaturen zunächst in den sommerlich warmen und Anfang Juli in den hochsommerlich heißen Bereich ansteigen lassen kann. Örtlich können Werte von +30 bis +35 Grad erreicht werden.
Der Grund hierfür ist ein Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum, welches Anfang Juli Schwächen aufzeigt und mit Hilfe von einer Vorderseitenanströmung herannahender Tiefdrucksysteme sehr warme Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden können.

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Wetterwechsel im Juli?

Eine gesicherte und hochdruckdominierte Großwetterlage war schon in den letzten Tagen in Frage gestellt worden und eine Variante des amerikanischen Wettermodells mit einer stabilen Hochdruckzone über dem nördlichen Europa zeigte sich in den Kontrollläufen als Ausreißer - Veränderungen sind als zu erwarten gewesen. Und die hat es heute gegeben. Entscheidend für den Sommer 2018 aber wird sein, wie sich das gesamte Strömungsmuster im Siebenschläferzeitraum vom 25. Juni bis 11. Juli verändern wird.

Amerikanisches Prognosemodell: Durchwachsener Sommer

Das amerikanische Prognosemodell berechnet Anfang Juli mit einem Ansatz von einer Omgealage einen interessante Wetterentwicklung. Westlich und östlich des Skandinavienhochs können sich Tiefdrucksysteme positionieren und das Hochdrucksystem in die Mangel nehmen.

Doch diese Struktur zeigt sich nach den aktuellen Berechnungen weniger stabil und wird zum 5./6. Juli von atlantischen Tiefdrucksystemen unterwandert werden können, was im Zeitraum vom 6. bis 11. Juli mit einer westlichen bis nordwestlichen Grundströmung einen unbeständigen und auch kühleren Wettercharakter im Sommer zur Folge haben kann. Wie kühl? Simuliert werden bspw. für den 11. Juli Tageshöchstwerte von +14 bis +18 Grad.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Wettermodell: Wetterwechsel im ersten Juli-Drittel © www.meteociel.fr

Wechselhaftes und gemäßigt warmes Sommerwetter

Das europäische Prognosemodell berechnet eine ganz ähnliche Wetterentwicklung, bei der sich im Verlauf des ersten Juli-Drittels der Wettercharakter für den Sommer verändern kann. Das Hochdrucksystem über Skandinavien weicht vom 2. bis 5. Juli weiter nach Norden aus und positioniert sich über der Barentssee. Gleichzeitig liegt das Azorenhoch etwas weiter nördlich verschoben auf dem Atlantik, sodass zwischen den Hochdrucksystemen eine Lücke entstehen kann, in welche die atlantischen Tiefdrucksysteme vorstoßen können.
In Folge dessen kommt es auch nach dieser Wetterprognose zwischen dem 5./6. Juli zu einer Veränderung des Strömungsmusters, was nachfolgend kühleres und auch unbeständigeres Sommerwetter zum Ergebnis haben kann.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Nordwestwetterlage im Juli © www.meteociel.fr

Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass die Wetterentwicklung in beiden Prognosemodellen in engeren Zyklen abläuft - warm, heiß, kühler. Und immer wieder zeigt sich ein Muster: Hochdrucksystem strebt in Richtung Skandinavien auf, kann sich nicht behaupten und nachfolgend kommt es zu einer kühleren Nordströmung. Wenig stabiles Sommerwetter mit einem Auf und Ab der Temperaturen.

Die Schlussfolgerung daraus?
Die theoretische Annahme einer nachhaltigen Veränderung des Zirkulationsmusters mehr in Richtung (normal) West-Ost wird durch die aktuellen Prognosen der Vorhersagemodelle unterstützt. Warum? Die ewig lang andauernden Hochdruckphasen über Skandinavien werden immer kürzer und der Zyklus der Tiefdrucksysteme - welche in Richtung Skandinavien drifte - wird höher.

Wie wahrscheinlich ist eine kühlere Wetterphase im Sommer?

Die Kontrollläufe berechnen kaum mehr Spielraum für eine normale bis zu kalte Temperaturentwicklung in den ersten fünf Julitagen. Darüber hinaus wird das Temperaturniveau zwar nicht mehr allzu warm berechnet, bleibt aber für den zweiten Sommermonat zu warm.

So liegt das Temperaturspektrum am 3. Juli zwischen +18 bis +33 Grad (Mittelwert: +26 Grad) und am 11. Juli zwischen +15 bis +33 Grad (Mittelwert: +22 bis +23 Grad). Der Mittelwert bewegt sich am Anfang der zweiten Juli Dekade nur knapp über dem langjährigen Durchschnittswert.

Das amerikanische Wettermodell bewegt sich mit seiner Wetterprognose bis zum 8. Juli um den Mittelwert der Kontrollläufe herum, sinkt darüber hinaus aber deutlich ab und stellt einen der kältesten Varianten dar. Anders Formuliert ist eine deutlich zu kalte Variante des amerikanischen Wettermodells erneut in Frage zu stellen - Veränderungen sind in den kommenden Stunden zu erwarten.

Der Sommer mit mehr Niederschlag

Die Kontrollläufe simulieren bis zum 4. Juli kaum, bzw. eine nur geringe Niederschlagswahrscheinlichkeit. Darüber hinaus bestätigt sich der Trend der letzten Tage einer langsam zunehmenden Niederschlagsneigung.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 26.06.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wetter im Sommer 2018 nach der Prognose des Langfristmodells

Der Juli startet gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit zu warm. Darauf reagiert das Langfristmodell in seiner heutigen Wetterprognose und korrigiert die Temperaturabweichung für den Juli auf -0,5 bis +1 Grad mehr in Richtung der +1 Grad. Der August 2018 wird weiterhin mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad normal und im Trend etwas zu warm simuliert.

Das Langfristmodell stützt somit die Theorie einer Veränderung des Wetter im Sommer. Nicht unbedingt kalt, doch viel zu warme Temperaturen - wie sie in den letzten Wochen auftraten - werden wohl seltener werden und die Niederschlagsneigung könnte zum August weiter zunehmen. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2 bis +3 Grad Trend: Zu trocken
Juli 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: Etwas zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal bis leicht zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 26.06.2018

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