Sommerwetter oder markanter Kaltluftvorstoß in der zweiten Juni-Dekade? Ein Tiefdrucksystem über der Barentssee könnte den Ausschlag geben.

In der aktuellen Vorhersage für den Juni zeigt sich, das in den kommenden Tagen mit Hilfe einer feucht-warmen und labilen Luftschichtung die Neigung zu unwetterartigen Wetterereignissen im Schwerpunkt über Süddeutschland hoch bleibt und sich bis zum Sonntag auch über Norddeutschland ausdehnen kann.
Zum Beginn der neuen Woche ziehen sich die energiegeladenen Luftmassen weiter nach Süden zurück und können zur Wochenmitte für weitere - teils ergiebige und länger andauernde - Niederschläge sorgen. Ereignisreiche Wettertage stehen bevor. In diesem Prozess werden von Norden allmählich kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt werden können, was die Tageswerte von +24 bis +28 Grad und örtlich über +30 Grad bis zum Mittwoch +16 bis +22 Grad zurückgehen lassen kann - mit etwas Sonnenschein sind Werte darüber und bei länger andauerndem Regen auch darunter möglich.

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Am 11. Juni könnte sich der weitere Verlauf des Sommerwetters entscheiden

In den letzten Tagen war in den Prognosemodellen immer wieder ein Stichtag auszumachen, bei der die Wetterentwicklung über das weitere Sommerwetter entscheiden kann. Nach den gängigsten Berechnungen kommt es darauf an, wie sich ein Tiefdrucksystem über der Barentssee verhalten wird. Daraus können unterschiedliche Wetterentwicklungen entstehen.

Hochsommerlich heißes Wetter

Das Tiefdrucksystem verlagert sich rasch nach Nordosten und eröffnet der atlantischen Frontalzone zwischen Grönland und Island einen größeren Spielraum, sich bis nach Mitteleuropa auszudehnen. Da aber der Platz über dem östlichen Skandinavien und dem westlichen Russland frei wird, dehnt sich von den Azoren aus ein Hochdruckkeil quer über Mitteleuropa bis nach Russland aus. So können aus südwestlichen Richtungen sehr warme Luftmassen nach Mitteluropa geführt werden, was die Temperaturen bis an die +30 Grad Marke heran ansteigen lassen kann.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach Kontrolllauf: Hochsommerlich heiße Großwetterlage © www.meteociel.fr

Der Sommer am Rande der Westwindzone

Weder das Hochdrucksystem, noch die Tiefdrucksysteme können sich durchsetzen. Deutschland, Österreich und die Schweiz aber gelangen zunehmend in eine westlich orientierte Grundströmung, was bei gemäßigten Sommerwerten immer wieder zu Niederschlägen führen kann.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Prognosemodell: Deutschland am Rande der Westwindzone © www.meteociel.fr

Trogähnliche Wetterstruktur

Das Tiefdrucksystem über der Barentssee ermöglicht der atlantischen Frontalzone den Vorstoß in Richtung Skandinavien und festigt sich dort bis zum 19. Juni. Gleichzeitig wölbt sich das Azorenhoch auf dem Atlantik auf und Deutschland, die Schweiz und auch Österreich können in eine nordwestlich orientierte Grundströmung gelangen. Je nachdem, wie sich das Azorenhoch positioniert, wäre auch eine Trogwetterlage nicht auszuschließen. Die Temperaturen könnten bei dieser Variante auf +16 bis +22 Grad und örtlich bis +24 Grad absinken.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Tief über Skandinavien könnte über Deutschland für ein ungemütliches und kühles Sommerwetter sorgen © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Etwas zu warmes Sommerwetter

Die Mehrheit der Kontrollläufe berechnet einen Temperaturrückgang zum 12. Juni. Das Temperaturspektrum kann sich bis zum 24. Juni mit einem Mittelwert von +20 bis +22 Grad über dem Süden auf einen Jahreszeit typischen Wert einpendeln und liegt mit einem Mittelwert von +22 bis +24 Grad über dem Norden etwas über dem vieljährigen Mittelwert im zu warmen Bereich.

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Schaut man sich die Temperaturbilanz der vergangenen Sommertage an, so liegt der Überschuss aktuell bei viel zu warmen +4 Grad. Der Sommer 2018 ist bisweilen viel zu warm und da nun auch keine signifikante Abkühlung in den zu kalten Bereich ersichtlich ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, als dass der erste Sommermonat zu warm ausfallen wird. Wie die Rekordwerte im Juni der vergangenen Jahre waren, können Sie unter wetter-14-tage.de nachlesen.

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist über dem Süden bis zum 15. Juni als hoch zu bewerten und sinkt darüber hinaus in den leicht erhöhten Bereich ab. Über dem Norden ist vom 11. bis 15. Juni nur mit einer sehr geringen Niederschlagsneigung zu rechnen, welche ab dem 16./17. Juni in den leicht erhöhten Bereich ansteigen kann. Fasst man das zusammen, so steht in der zweiten Juni-Dekade ein leicht unbeständiges und leicht zu warmes Sommerwetter bevor.

Diagramm Temperaturen Juni 2018 vom 09.06.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wetterprognose Langfristmodell: Veränderungen sind in der Sommerprognose zu erwarten

Das Langfristmodell bleibt gegenüber seinen letzten Vorhersagen nahezu unverändert. Der Juni soll mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm, der Juli mit +0,5 bis +2 Grad zu warm und der August mit -0,5 bis +1 Grad normal bis leicht zu warm ausfallen. Warum eine Veränderung? Die Temperaturabweichung für den Juni liegt aktuell bei +4 Grad und nach den Kontrollläufen zeigt sich auch für das kommende Juni-Drittel keine signifikante Abkühlung. Eine Veränderung der Abweichung für den Juni auf +2 bis +3 Grad ist zu erwarten.

Kaltlufteinbruch in der letzten Juni-Dekade?

Sollte sich das Langfristmodell aber nicht dazu entscheiden, die Temperaturwerte anzupassen, so geht es in seinen Berechnungen von einem deutlich zu kühlen letzten Juni-Drittel aus - was mit einer trogähnlichen Wetterstruktur bereits weiter oben erläutert und auch vom europäischen Prognosemodell unterstützt wird.

Annahme: Das erste Juni-Drittel wird um +4 Grad zu warm, das Zweite um +2 Grad zu warm, so müsste das letzte Juni-Drittel um -2 bis -3 Grad zu kalt ausfallen um auf die Abweichung von +1 bis +2 Grad zu kommen. Um den Juni noch auf Normalwerte zu bringen, müsste nach dieser Annahme die Abweichung in den letzten 10 Juni-Tagen um die -6 Grad betragen. Das ist zum aktuellen Stand wenig wahrscheinlich. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +1 bis +2 Grad Trend: Norden etwas zu trocken, sonst zu nass
Juli 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: normal bis zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal bis leicht zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2018 vom 09.06.2018

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