Die kommende Wetterentwicklung im Sommer hängt sehr stark davon ab, wie sich ein Hochdrucksystem positionieren und verhalten wird.

Schaut man sich die Wettervorhersage für den Juni 2018 an, so ist im Wochenverlauf ein fast durchgehend sommerlicher Temperaturcharakter zu erwarten. In manchen Regionen können auch hochsommerliche Werte jenseits der +30 Grad Marke erreicht werden. Das ist für den Start in den Sommer ungewöhnlich warm und die Temperaturen liegen mit einer Abweichung von +5 bis +8 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Voraussichtlich wird sich diese Hitze noch bis zum 10. Juni halten können, denn bis dahin macht das Hochdrucksystem keine großartige Bewegungen und dominiert mit einem schwachgradientigen Umfeld das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz, was besonders nach Süden die Schauer- und Gewitterneigung zu den Nachmittagsstunden ansteigen lassen kann - teils auch mit Potential für Unwetter.

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Wetter im Sommer: Andere Großwetterlage möglich?

Die Vorhersagemodelle waren sich gestern mit ihren Berechnungen noch nicht einig, ob der Wetterwechsel in der zweiten Juni-Dekade kommt, oder ob die hochsommerlich warme Wetterlage erhalten bleibt. Die Kontrollläufe aber zeigten eine eindeutige Richtung.

Amerikanisches Wettermodell: Der Gradientensumpf bleibt im Sommer erhalten

Als zu forsch kann man die Berechnungen des amerikanischen Vorhersagemodells von gestern hinsichtlich einer westlichen Großwetterlage bezeichnen, denn kurze Zeit später wurde diese Variante zwar nicht verworfen, doch in den wesentlichen Punkten derart abgeschwächt, dass sich ein Wetterwechsel nicht am 10. Juni, sondern erst in der zweiten Juni-Hälfte anbahnen könnte.

Daran hat sich heute nur unwesentlich etwas verändert, wobei die Entwicklung der Großwetterlage weiterhin das Potential dazu hat, sich ab der zweiten Juni-Dekade zu verändern. Was aber ist passiert, dass sich die mögliche Umstellung weiter verzögert? Die Tiefdruckaktivität nimmt zu, doch ein weiteres Tiefdrucksystem, welches sich von der Barentssee über das westliche Russland verlagert, regt das Hochdruckgebiet dazu an, sich nach Norden aufzustellen. Zwischen der atlantischen Frontalzone und dem Tief über dem westlichen Russland entsteht also eine Lücke, welche das Hochdruckgebiet ausnutzt, um wieder seinen angestammten Platz über Skandinavien einzunehmen. Deutschland, Österreich und die Schweiz verbleiben somit in einer gradientenschwachen Wetterlage mit sommerlich warmen Temperaturen und einer erhöhten Neigung zu Schauern und Gewitter. Erst im Zeitraum nach dem 15. Juni ist das Hochdrucksystem soweit abgeschwächt, dass die Tiefdrucksysteme mehr Einfluss auf Mitteleuropa nehmen können.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Das Hochdrucksystem zeigt Schwächen, doch das Sommerwetter dominiert über Mitteleuropa © www.meteociel.fr

Europäisches Prognosemodell: Sommerhoch mit Schwächen

Ein Signal für eine mögliche Veränderung der Großwetterlage ist, wenn die Prognosemodelle in ihren Berechnungen selbst wenig Konstanz aufweisen, oder anders formuliert von Lauf zu Lauf zunehmend variieren. Deutlicher zeigt sich das in der Simulation des europäischen Vorhersagemodells, welches gestern noch eine Hochdruckblockade auf dem Atlantik berechnete, diese Variante aber zwischenzeitlich verworfen hat. Stattdessen wird nach dieser Berechnung die Wahrscheinlichkeit eines Wetterwechsels in der zweiten Juni-Dekade höher bewertet.

Die Hochdruckaktivität zieht sich über die Azoren zurück und die Tiefdruckdynamik zwischen Neufundland und England gewinnt an Kraft hinzu. In Folge dieser Wetterentwicklung entstehen zwischen dem Azorenhoch und der Tiefdruckrinne kleine Randtiefdruckgebiete, welche für zusätzlichen Schwung sorgen können. Das hat ab dem 10. Juni das Potential, die Großwetterlage über Mitteleuropa zu verändern. Damit ist aber keineswegs gesagt, dass die Temperaturen in einen zu kalten Bereich absinken werden.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Tiefdruckdynamik nimmt zu und könnte für ein anderes Sommerwetter sorgen © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Hochsommerliche Temperaturen, anschließend Trend zur Normalisierung

Im Grunde hat sich in den Berechnungen der Kontrollläufe gegenüber gestern kaum etwas verändert. Das Temperaturspektrum liegt bis zum 10. Juni im Vergleich zum langjährigen Mittelwert im viel zu warmen Bereich. Erst ab dem 11./12. Juni zeigt sich ein signifikanter Temperaturabschwung auf ein Jahreszeit typisches Niveau, welcher im Trend aber noch immer für die Jahreszeit etwas zu warm sein kann.
So liegt das Temperaturspektrum am voraussichtlich heißesten Tag - dem 11. Juni - zwischen +19 bis +33 Grad (Mittelwert: +25 bis +26 Grad) und am 19. Juni zwischen +12 bis +26 Grad (Mittelwert: +20 Grad). Signifikante Abkühlung ist möglich - aber auf ein normales Niveau.

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Die Niederschlagsneigung ist über dem Süden bis zum 10. Juni in Form von Schauern und Gewittern als erhöht zu bewerten. Ab der zweiten Juni-Dekade zeigt sich das Sommerwetter in ganz Deutschland zunehmend unbeständiger, was auch über dem Norden von Deutschland wieder für eine erhöhte Niederschlagsaktivität sorgen kann. Bis zum 10. Juni aber zeigt sich der Norden weitgehend trocken.

Diagramm Temperaturen Juni 2018 vom 04.06.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell mit einer zu warmen Wetterprognose für den Sommer 2018

Schaut man sich den Temperaturüberschuss aus der ersten Juni-Dekade an und für die zweite Juni-Dekade stellen die Prognosemodelle allenfalls eine Abkühlung auf ein normales Temperaturniveau in Aussicht, so besteht schon am 4. Juni eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der erste Sommermonat zu warm ausfallen kann.
Das berechnet das Langfristmodell mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad schon seit einigen Wochen und passt somit ganz gut in das Schema. Für das Wetter im Juli wurde die Temperaturabweichung mit +0,5 bis +2 Grad etwas nach oben angehoben und so bleibt lediglich der August mit einer Differenz von -0,5 bis +1 Grad noch der Kandidat, der normal und im Trend etwas zu warm ausfallen könnte. Kumuliert man die Sommermonate, so ist - nach dem Langfristmodell und zum heutigen Stand - ein etwa um +0,5 bis +1,5 Grad zu warmer Sommer 2018 zu erwarten. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +1 bis +2 Grad Trend: Norden etwas zu trocken, sonst zu nass
Juli 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal bis leicht zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2018 vom 04.06.2018

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