Nein, als Sommerwetter kann das Wetter der kommenden Tage nicht durchgehen lassen. Dafür nimmt die atlantische Frontalzone mit ihren Tiefdruckausläufern zu viel Einfluss auf das Wetter über Deutschland. So ist immer wieder mit Niederschlägen zu rechnen und die Temperaturen gehen mit +12 bis +20 Grad auf ein für die Jahreszeit zu kaltes Niveau zurück. Erst ab dem Mittwoch und Donnerstag setzt sich von Süden her ein Hochdruckkeil mit Sonnenschein und ansteigenden Temperaturen durch. So passt der Wettercharakter der nächsten Tage ganz gut zur Wettersingularität der sog. Schafskälte.

Bleibt es kalt, oder setzt sich der Sommer wieder durch?

So ein Durchbruch der atlantischen Frontalzone ist nicht ohne und kann unter Umständen durchaus für eine längere Periode eine westliche und damit unbeständige und relativ kühle Grundströmung sorgen. Betrachtet man aber die Simulationen der Wettermodelle, so ist diese Variante eher weniger wahrscheinlich. Vielmehr "verzettelt" sich die Frontalzone auf dem Atlantik und anstatt diese sich nach Skandinavien oder Mitteleuropa positionieren kann, sorgt eine ansteigende Wetteraktivität auf dem Atlantik für einen Rückzug der Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa und stellt einem Hochdruckkeil mehr Spielraum zur Verfügung, sich von den Azoren über die Mittelmeerregion, Deutschland bis nach Skandinavien auszudehnen. So können Deutschland, Österreich und die Schweiz im Zeitraum vom 8. bis 12. Juni auf der sommerlich warmen Südanströmung der Luftmassen liegen, wobei der Wettercharakter mit wiederkehrenden Schauern und Gewittern nicht als stabiles Sommerwetter bezeichnet werden kann.
Im Zeitraum vom 12. bis 18. Juni bleibt die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik hoch, während das Hochdrucksystem eine grundsätzliche und nachhaltige Ostwärtsverlagerung der Tiefdrucksysteme verhindern könnte. Beide Wettermodelle berechnen zwar immer wieder einen Durchbruch der Tiefdrucksysteme bis über Skandinavien mit einer kurzzeitigen Zufuhr kühlerer Luftmassen, von einem dauerhaft kühlen und unbeständigen Wettercharakter kann aber im Zeitraum vom 12. bis 18. Juni nicht ausgegangen werden.
Viel wahrscheinlicher ist eine Wetterlage, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Systemen in einer überwiegend sommerlich warmen Südströmung liegen kann. Da die Luftmassen aber entsprechend feucht sein können, kann im Zeitraum vom 12. bis 18. Juni mit einem unbeständigen Wettercharakter gerechnet werden.

Sommerliche Temperaturen ja, stabiles Sommerwetter nein

Die Kontrollläufe stützen die durchaus sommerliche Temperaturentwicklung im zweiten Juni Drittel, genauso steigt aber auch die Niederschlagswahrscheinlichkeiten in den Berechnungen an. So liegt das Temperaturspektrum nach dem 8. Juni mit einer Abweichung von 2 bis 4 Grad meist über dem langjährigen Mittelwert im zu warmen Bereich. Das entspräche bspw. am 11. Juni einem Temperaturspektrum von +14 bis +31 Grad (Mittelwert: +22 bis +24 Grad) und am 18. Juni von +14 bis +27 Grad (Mittelwert: +20 bis +21 Grad). Statistisch gesehen typisch und durchschnittlich für einen Sommer in Deutschland im zweiten Juni Drittel.

Diagramm Temperaturen im Juni 2017 vom 04. Juni

Die Verhältnisse der Kontrollläufe im Juni 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Sommer 2017 wird zu warm?

Rein aus der Statistik heraus lässt sich diese Frage über die Sommermonate von Juni bis August durchaus bejahen. Zu stark sind die Einflussfaktoren des Klimawandels, welches nicht nur die letzten Jahreszeiten durchweg allesamt als deutlich zu warm, sondern auch die Sommer der letzten 20 Jahre gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm ausfallen lies. Aber es gibt durchaus Nuancen, wie bspw. im letzten Winter, als im Januar eine Kältewelle für Abwechslung im sonst so milden Alltagsgrau sorgte. Trotzdem war der letzte Winter zu warm und nichtsdestotrotz bleibt der Januar in Erinnerung.

Sonnenflecken

Sonnenfleckzyklus © NASA

Im Sommer 2017 könnte der Zyklus der schwachen Sonnenaktivität (Sonnenfleckzyklus) durchaus auch für einen durchwachsenen Wettercharakter und Phasenweise auch für kühlere Temperaturen sorgen. Im Schnitt hat der Sommer 2017 aber weiterhin das Potential zu warm auszufallen.
Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wetterprognose für den Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert eine Abweichung von +0,5 bis +1 Grad einen leicht zu warmen Juni, welcher in der Tendenz - vor allem über dem Süden - mit +2 Grad auch deutlich zu warm ausfallen kann. Für den Juli und August wird die Abweichung mit -0,5 bis +0,5 Grad größtenteils im normalen Bereich mit der Tendenz leicht zu warm ausfallen zu können berechnet. In der Niederschlagssimulation zeigen sich die Sommermonate gegenüber ihrem Sollwert unauffällig. Der Juni und August könnte im Trend leicht zu nass und der Juli leicht zu trocken ausfallen. So lautet das Fazit auch heute: ein normaler Sommer 2017 ist in Deutschland wahrscheinlicher als ein zu kaltes Wetter - der Trend geht in Richtung von einem zu warmen Sommerwetter.

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2017 vom 04. Juni 2017

Anzeige

 

Ihnen gefällt die Wetterprognose? Teilen Sie es anderen mit!