Im Verbund zwischen einem Tiefdrucksystem über Island, Skandinavien und England und einem Hochdruckkeil, welcher sich von den Azoren über Mitteleuropa bis über das östliche Skandinavien aufbauen kann, gelangen im Verlauf der kommenden Woche sommerlich warme Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz. Verbreitet können die Temperaturen +20 bis +25 Grad erreichen und örtlich sind auch bis +27 Grad - und damit ein Sommertag - möglich. So schnell kann das im Mai gehen, letzte Woche noch die Eisheiligen mit Tageswerten von unter +10 Grad und kurz darauf schaut der Sommer vorbei.

Sommerintermezzo aber nur von kurzer Dauer?

Den Grund für das kurze Sommerwetter ist die Ostwärtsverlagerung des Tiefdrucksystems in Richtung Skandinavien, so dass auf der Vorderseite die warmen Luftmassen herangeführt werden können. Erreicht das Tief Skandinavien, so baut sich das Hochdrucksystem allmählich ab und auf dem Atlantik nutzt ein weiteres Hoch den frei werdenden Platz, um sich dort auszudehnen und breit zu machen. Das gelingt nach den Berechnungen beider Wettermodelle im Zeitraum vom 18. und 19. Mai und mit teils unwetterartigen Schauern und Gewittern werden kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt werden können, was die Tageswerte auf +13 bis +17 Grad zurückgehen lassen und damit den sommerlichen Wettercharakter beenden könnte.

Die Wetterentwicklung zum Vatertag am 25. Mai (Christi Himmelfahrt)

Ob die kalten Luftmassen aus nördlichen Richtungen tatsächlich aber Deutschland erreichen und vollständig "überfluten" können, bleibt in der Fragestellung aber noch nicht abschließend zu beantworten. Warum? Der oben geschilderte Vorgang einer meridionalen Grundströmung ist an sich als Komplex zu bezeichnen und gehört nicht gerade zu den über Mitteleuropa am häufigsten vorkommenden Großwetterlagen. Es passt aber ganz gut zu einem Schema der sog. Erhaltungsneigung, bei der seit etwa Mitte April ein meridionales Grundmuster nach kurzen Unterbrechungen immer wieder kalte Luftmassen von Nord nach Süden über Deutschland führte. Ist das nun ein letztes Aufbäumen, bevor der Sommer kommt, oder stellt sich nach einem kurzen sommerlichen Intermezzo nun wieder eine kühle Wetterlage ein? Das amerikanische Wettermodell bestätigt seine Berechnungen der letzten Tage für die Wetterentwicklung kurz vor dem nächsten verlängerten Wochenende rund um den Vatertag am 25. Mai 2017. Das Hochdrucksystem auf dem Atlantik stellt sich im Zeitraum vom 20. bis 25. Mai immer steiler auf dem Atlantik nach Norden auf und blockiert zunehmend die Tiefdruckrinne auf dem Atlantik. Das führt dazu, dass die Tiefdrucksysteme einen weiten Umweg über das europäische Nordmeer nehmen müssen und im weiteren Verlauf über Skandinavien am östlichen Hochdruckgradienten nach Süden abtropfen. So eine Wetterentwicklung hat weniger etwas mit dem Sommer zu tun und könnte die Temperaturen wieder nahe an die +10 Grad Grenze bringen. Aber - und das zeigt die Simulation des amerikanischen Wettermodells auch - gelingt der Kaltluftzustrom in einem nur sehr kleinen Bereich zwischen England, Skandinavien, Deutschland und dem nördlichen Frankreich. Würde sich die Hochdruckachse auf dem Atlantik etwas anders positionieren können, wären auch andere Temperaturen möglich.

So wie beispielsweise das europäische Wettermodell das Hochdruckgebiet weiter östlich berechnet, was den Kaltluftzustrom über dem östlichen Skandinavien auch über Osteuropa nach Süden ableiten könnte (was im Winter sehr häufig passiert). Wie wahrscheinlich ist also der Kaltlufteinbruch rund um den Vatertag? Er ist - zum heutigen Stand - durchaus eine der wahrscheinlichsten Varianten. Schaut man sich aber die Kontrollläufe und deren Entwicklung der Temperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe an, so zeigt sich eine Differenz von beachtlichen 17 bis 21 Grad. Was bedeutet das? Die Höhentemperaturen zeigen die "Güte" der Temperaturentwicklung an. Je geringer die Differenz, desto genauer die Wetterprognose. Wünschenswert ist in der Meteorologie für Wettervorhersagen eine Differenz von 2 bis 4 Grad und für Wetterprognosen von 2 bis 6 Grad. Das zeigt, wie groß die Schwankungen derzeit noch sind, auch wenn der Trend zu kühlerem Wetter im Zeitraum vom 20. bis 27. Mai unverkennbar ist. Deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Diagramm der Verhältnisse von zu kalt / normal / zu warm - von einer stabilen sommerlichen Temperaturentwicklung ist da wenig zu erkennen:
Diagramm Temperaturen Vatertag 2017 vom 13. Mai

Wie wird der Sommer 2017?

Wie wir in den zahlreichen E-Mails von unseren Lesern entnehmen können, drängt sich die Frage immer mehr auf: "Wann kommt der Sommer - und - wie wird der Sommer 2017?". Das ist hinsichtlich der bevorstehenden Pfingstferien sicherlich auch nicht verwunderlich. Dazu der Blick auf das Langfristmodell, welches das Sommerwetter in den Monaten von Juni bis August in den letzten Tagen und Wochen von einem zu warmen Trend auf eine durchschnittliche Entwicklung mit dem Trend leicht zu warm auszufallen korrigierte. Daran hat sich heute nichts verändert:

  • Der Juni soll nach diesen Berechnungen als erster Sommermonat mit einer Abweichung -0,5 bis +0,5 Grad normal mit dem Trend leicht zu warm ausfallen. Interessant bleibt weiterhin die Verteilung der Niederschläge, welche über dem nördlichen Europa negativ und über dem südlichen Europa zunehmend positiv simuliert werden. Das spricht für ein Skandinavienhoch, welches auch den Norden von Deutschland mit beeinflussen könnte.
  • Für das Wetter im Juli wird eine Abweichung von -0,5 bis +1 Grad im normalen bis leicht zu warmen Bereich berechnet, bei der die Niederschlagsneigung über Mitteleuropa (und damit auch Deutschland) negativ (zu trocken) simuliert wird.
  • Die Wetterentwicklung im August wird zum heutigen Stand mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad weitgehend normal, aber mit der Tendenz auch leicht zu kühl auszufallen zu können berechnet. Die Niederschlagsneigung wird zudem leicht erhöht simuliert.

Zusammenfassend: Ein normales Wetter im Sommer 2017 mit dem Trend leicht zu warm auszufallen hat zum heutigen Stand nach dem Langfristmodell eine höhere Wahrscheinlichkeit. Schaut man auf die letzten 20 Jahre zurück, so waren die vergangenen Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert alle durchweg zu warm, was die Wahrscheinlichkeit auch in 2017 nochmals erhöht.

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2017 vom 13. Mai 2017

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