Bis einschließlich Mittwoch kommender Woche hält sich der unbeständige Wettercharakter, wobei der Sonntag noch relativ trocken und warm ausfallen kann, während - passend zum Feiertag - am 1. Mai von West nach Ost mit teils kräftigeren Regenfällen gerechnet werden kann. Der Grund für das unbeständige Wetter ist die atlantische Frontalzone, der es zum Wochenende mit ihren Tiefdrucksystemen gelingt, bis nach Mitteleuropa vorzustoßen. Auf der Vorderseite werden warme und nachfolgend wieder kältere Luftmassen nach Deutschland herangeführt. So kalt wie es aber aktuell ist, wird es wohl Anfang Mai nicht mehr werden.

Hoher Luftdruck dominiert die Wetterentwicklung im ersten Mai Drittel

Ein kräftiges Hochdrucksystem, welches sich von Grönland über das europäische Nordmeer bis nach Skandinavien erstreckt, dominiert das Zirkulationsmuster im ersten Mai Drittel wohl nachhaltig. Anstatt die Strömung von West nach Ost verläuft, dreht diese auf Ost - West, so dass man im ersten Mai Drittel von einer "gestörten Zirkulation" sprechen kann. Ob es aber kalt oder warm werden kann, hängt von zwei Faktoren ab, welche die Wettermodelle heute in unterschiedlichen Simulationen ganz gut erfassen.
  • Das amerikanische Wettermodell berechnet den östlichen Hochdruckgradienten über Skandinavien und den Hochdruckkern zwischen Nordwegen und Island. Gleichzeitig aber liegt auf dem Atlantik zwischen Neufundland und der Mittelmeerregion die Tiefdruckrinne. Die Hochdruckachse verläuft von Nordost nach Südwest, was über Deutschland im Zeitraum vom 4. bis 10. Mai nur gemäßigt kühle Luftmassen bei einem insgesamt unbeständigen Wettercharakter heranführt.
  • Das europäische Wettermodell berechnet eine ganz ähnliche Großwetterlage, jedoch ist die Hochdruckachse von Nordwest nach Südost ausgerichtet, so dass im Verbund mit dem Tiefdrucksystemen auf dem Atlantik zunehmend warme und auch feuchte Luftmassen nach Deutschland geführt werden können.

Die Wettermodelle unterscheiden sich also weniger in der Entwicklung der Großwetterlage, sondern vielmehr im Detail zwischen kühl und warm. Das zeigt zudem auch, wie unsicher die kommende Wetterentwicklung zum heutigen Stand im Zeitraum vom 4. bis 12. Mai noch ist und spiegelt sich auch gut in den Kontrollläufen wieder. So differiert die Temperaturentwicklung in ca. 1.500 Meter Höhe um Bereich um 10 bis 15 Grad und zeigt nach dem 10. Mai mit einer Differenz von bis zu 20 Grad noch ein größeres Entwicklungspotential. Zum Vergleich: wünschenswert wäre für eine Wettervorhersage eine Differenz von 2 bis 4 Grad und für eine Wetterprognose von 2 bis 6 Grad. Mit seinem Mittelwert liegt das Temperaturspektrum aber etwa um 0,5 bis 2 Grad unter dem langjährigen Mittelwert im normalen bis zu kalten Bereich.

Diagramm Temperaturen Mai 2017 vom 28. April

Hat die Hochdruckentwicklung Auswirkungen auf das Wetter im Sommer?

Strömungsfilm Polarwirbel Mai

Nach den viel zu warmen Winter­monaten, welche sich in den März und auch noch in die erste April Hälfte hineinzogen, kommt es nun zum Ausgleichs­verhalten mit einer kühleren und auch unbeständigeren Witterung. Schaut man sich die Berechnungen des Langfristmodells an, so kommt der Monat Mai in Sachen Frühling nicht wirklich in Schwung. Die Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert wird zwischen -0,5/+1 Grad im normalen bis leicht zu warmen Bereich bei einer leicht negativen Niederschlagsentwicklung (zu trocken) berechnet. Die Abweichung betrug im Rekordmärz +3,7 Grad und liegt für die bereits vergangenen April Tage bei +0,18 Grad noch im positiven Bereich und sollte bis Ende April in den leicht negativen Bereich absinken können. Es kommt also auf den Mai an, ob der Frühling insgesamt normal oder zu warm ausfallen wird - zu kalt ist zum heutigen Stand weniger wahrscheinlich.
Diese Wetterentwicklung kennt man aber bereits aus den vergangenen Jahren, als nach einem zu warmen Winter sich noch im April, Mai und Anfang Juni deutlich kältere Abschnitte mit viel Niederschlag zeigten. Gut möglich, dass sich das Ausgleichsverhalten in diesem Jahr ähnlich zeigt. Auffällig - und anders - wie in den Jahren zuvor, ist die Häufigkeit der Positionierung von Hochdrucksystemen über dem nördlichen Bereich zwischen Grönland und Skandinavien, teils auch südlicher verlagert über England. Scheint fast so, als ob sich da ein Muster eingependelt hat, oder noch einpendeln wird. Und so lange das Hochdrucksystem westlich von Europa liegt, wird sich an der wechselhaften und zu kühleren Temperaturen neigenden Großwetterlage wenig verändern. Deutlicher zeigt sich das in der Animation des Polarwirbels (Klick auf Wetterkarte) und unterstützt wird das Ganze von einem negativen NAO-Index (Islandhoch).

Nimmt man nun an, dass der Frühling und vielleicht auch noch der Juni vom Ausgleichsverhalten dominiert wird, so geht das Ausgleichsverhalten selbst in eine Erhaltungsneigung über. So könnte der Sommer 2017 wiederum vom gegenteiligen Ausgleichsverhalten "profitieren" und im Schnitt zu warm ausfallen. Nach der Statistik ist das gar nicht so abwegig, denn es ist schon 20 Jahre her, als ein Sommer letztmalig "normal" ausgefallen ist. Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wetterprognose für den Juni und Juli eine Abweichung gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von +0,5/+1 Grad und für den August von -0,5/+0,5 Grad im normalen Bereich. Das spricht zwar augenscheinlich für einen zu warmen Temperaturverlauf im Sommer, welcher aber bei einer durchschnittlichen Niederschlagsneigung von vielen als subjektiv zu kalt empfunden werden könnte. Denn die normalen Sommer in Deutschland haben meist eine Tagestemperatur von +22 bis +27 Grad und seltener +30 Grad und darüber aufzuweisen.

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2017 vom 28. April 2017

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