Sommer - da war doch was? Temperaturen von über +25 Grad und tropische Nächte. Wer das mag, sollte die kommenden Stunden genießen, denn bereits am Samstag neigt sich die hoch sommerliche Phase bereits wieder ihrem Ende entgegen. Die Wiederholungsneigung ist damit seit Wochen beachtlich. Kurze heiße Phasen werden nach einer - meist von Unwettern begleiteten - Übergangsphase von kühlerem Rückseitenwetter abgelöst. Schaut man auf die Wetterprognose der ersten Juli-Tage so ändert sich daran wohl so schnell nichts (s. Wettervorhersage Juni | Wetterprognose Juli).

"Geschuldet" ist diese Wetterentwicklung der sog. Erhaltungsneigung - die Frage die sich jedoch stellt: wann kommt das Ausgleichsverhalten? Was bedeutet das? Eine kurze Erklärung: Das Wetter neigt zu Mustern - hat sich ein Muster "eingeschwungen", so bleibt dies für eine geraume Zeit bestehen, bis das ausgleichende Verhältnis wieder ein anderes Muster zu Grunde legt, welches wiederum in eine Erhaltungsneigung übergehen kann. Sehr schön ist das in den letzten Wochen in den Simulationen zu beobachten. Immer wieder werden Hochdrucksysteme über Mitteleuropa simuliert, welche durchaus dazu in der Lage gewesen wären, stabile Wetterverhältnisse herbeizuführen. In der Realität waren diese Hochdrucksysteme für 2-3 Tage warmes Wetter gut, bevor eine kühlere Phase wieder die Dominanz über das Wettergeschehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernahm. Blickt man auf den aktuellen Temperaturmittelwert der vergangenen Juni-Tage, so zeigt sich ein Temperaturüberschuss von +1,25 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert - der Juni ist also bislang zu warm - im Schnitt! Betrachtet man die Mitteltemperaturen etwas genauer, so ist ein deutliches Nord-Süd Gefälle zu beobachten, bei dem es über dem Norden deutlich wärmer als über dem Süden war. Betrachtet man die Niederschlagsentwicklung, so war der Juni im Mittelwert zu nass und bestätigt das subjektive Empfinden eines bisweilen durchwachsenen Sommer.

Die nächste Hochdruckentwicklung ist ebenfalls in den Simulationen der Wettermodelle zu beobachten und geht im Zeitraum vom 4./10. Juli von einem Hochdruckkeil des Azorenhochs aus (mal wieder). Dieser Hochdruckkeil hätte dabei erneut das Potential für ein eigenständiges Hochdrucksystem im Bereich zwischen Mitteleuropa und Nordeuropa. Was muss sich ändern, damit das Hochdruckpotential auch tatsächlich nachhaltig sein kann? Der Jetstream! Der liegt aktuell weit südlich im Bereich zwischen Neufundland, Island, England, Deutschland. Dieser Strahlstrom in knapp 10.000 Meter Höhe ermöglicht den Tiefdrucksystemen eine südlicher Zugbahn, was die Hochdruckwahrscheinlichkeit über Mitteleuropa deutlich abschwächt. In den aktuellen Simulationen des amerikanischen Wettermodells zeigt sich im Zeitraum zwischen dem 5./10. Juli eine Möglichkeit für eine nördliche Verlagerung des Jetstreams in den Bereich zwischen Neufundland, Island und Skandinavien. Und was hätte das zu bedeuten? Solch eine Wetterentwicklung hätte Signalwirkung, da einem Hoch über Mitteleuropa der notwendige Entwicklungsspielraum gewährt wird, sich entsprechend auszubreiten und zu positionieren. Ist es dann erst einmal da, werden es wiederum die Tiefdrucksysteme schwerer haben sich durchzusetzen und eine nachhaltige Veränderung der Großwetterlage wäre dann auch nicht mehr auszuschließen (Ausgleichsverhalten).

Die Frage nach "wann kommt der Sommer?" mit einer stabilen Hochdruckwetterlage, so wird diese sich wohl erst in den kommenden Tagen beantworten lassen. Hinsichtlich der aktuellen Siebenschläferzeit wäre eine stabile Hochdruckentwicklung Richtungweisend und könnte den Juli und August noch maßgeblich beeinflussen.

Das Langfristmodell lässt sich von alldem nicht beeinflussen und simuliert für den Juli und August weiterhin ein Jahreszeit-typisches Temperaturverhalten und auch in der Simulation der zu erwartenden Niederschlagssummen zeigt sich keine sonderliche Abweichung gegenüber dem Sollwert. Entscheidend könnten also die kommenden Tage werden, ob es dem Hochdrucksystem gelingen mag, sich in autarker Position über Mitteleuropa aufzubauen - sollte das nicht gelingen, so wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, als dass dieses Auf und Ab den Sommer weitgehend dominieren könnte.

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