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Weihnachtstrend: Der Winter in der Warteschleife - so steht es um Schnee zu Weihnachten

| M. Hoffmann

Auch zum 2. Advent kein Winterwetter über Deutschland. Eher das Gegenteil wird mit bis +17 Grad zum Start in die neue Woche zu erwarten sein. Aber nicht nur das - die Großwetterlage stellt sich um und bringt mit einem böigen Wind auch etwas Regen nach Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich an diesem unbeständigen und ungewöhnlich warmen Wetter bis Mitte Dezember nichts ändert. Nachfolgend nimmt die Unschärfe zu und es stellt sich die Frage, ob dem Winter in der Vorweihnachtszeit der Durchbruch gelingt und er weiße Weihnachten möglich machen kann?

Das Wetter ist im Moment weit vom Winter entfernt - ändert sich das vor Weihnachten? © Martin Bloch
Das Wetter ist im Moment weit vom Winter entfernt - ändert sich das vor Weihnachten? © Martin Bloch

Bis Weihnachten sind es noch knapp 18 Tage. Und mit der Temperaturprognose ist das Wetter im Moment sehr weit vom Winter entfernt. Die Temperaturanomalie wird zum 10. Dezember regional satte +10 Grad betragen können, was mancherorts frühlingshafte +17 Grad möglich machen kann. Begleitet wird der Temperatursprung von einem böigen und über dem Norden phasenweise auch stürmischen Wind aus südwestlichen Richtungen. Zeitweiliger Niederschlag komplettiert das unbeständige Dezemberwetter.

Statt Schnee - starkes Tauwetter bis auf höhere Lagen

Temperaturen von bis +17 Grad zwingen die Frostgrenze dazu, sich bis über 3.000 Meter zurückzuziehen. Und da es in der kommenden Woche vergleichsweise warm bleibt, setzt auch in den höheren Lagen starkes Tauwetter ein. Unterhalb von 1.500 Metern wird vom Schnee nicht mehr viel übrig bleiben. Der Grund ist die reaktive Frontalzone auf dem Atlantik, welche auf ihrer Vorderseite die ungewöhnlich warmen Luftmassen aus südwestlichen Richtungen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Kein Winterwetter, stattdessen starkes Tauwetter bis auf höhere Lagen
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Kein Winterwetter, stattdessen starkes Tauwetter bis auf höhere Lagen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wann kippt das Wetter und kommt der Winter in der Zeit vor Weihnachten?

Anmerkung an dieser Stelle - wir bekommen im Moment ungewöhnlich viele Anfragen zu dieser zentralen Frage, auch aus den Wintersportgebieten, wo im Moment ja noch teils bestes Winterwetter vorherrschend ist (Schneehöhen Deutschland). Wir können leider nicht alle Rückfragen beantworten, versuchen jedoch, einige dieser Fragen hier zu beantworten.

Wann kippt das Wetter? Hat sich das System eingespielt, so erhält es sich zunächst einmal für 7 bis 14 Tage - in diesem Fall bis Mitte Dezember. Manches Mal kann die Erhaltungsneigung auch bis zu 21 Tage andauern, was dann in die Vorweihnachtszeit fällt. Also ja, ein Kippen der Großwetterlage ist Mitte Dezember ein erwartbares Ereignis.

Wann kommt der Winter? Jetzt wird es spezifischer. Ein Kippen der Großwetterlage ist nicht mit Winterwetter und Schneefall bis auf tiefere Lagen herab gleichzusetzen. Kippt die Großwetterlage, hat das eine Umstrukturierung eingefahrener Strömungsmuster zur Folge und hat bessere - keine zwingende - Voraussetzungen für Winterwetter in der Zeit vor Weihnachten.

Wann kommt Schnee? Jetzt wird es problematisch. Wenn die Witterung im Mittel um 4 bis 6 Grad über dem vieljährigen Mittelwert liegt - und das über weite Teile von Europa (s. nachfolgende Wetterkarte) - so kann man sich schon fragen, woher der Winter denn kommen soll. Beeindruckend ist die Temperaturanomalie mit +4 bis +8 Grad über Skandinavien. Die Kälte - wenn sie denn kommt - kommt entweder von Norden oder von Osten. Und um die Temperaturanomalie auszugleichen, bedarf es einer Menge an Energie, welcher einem Kaltluftvorstoß verloren geht.

Erfahrungsgemäß stellt sich über Deutschland dann eine Großwetterlage ein, welche über tieferen Lagen nasskaltes Wetter zur Folge hat, während der Winter ab den mittleren Lagen (400 bis 800 Meter) optional werden lässt.

Gibt es weiße Weihnachten? Diese Frage lässt sich zum aktuellen Stand nicht beantworten. Zu lang ist der Zeitraum bis dahin und da die Unschärfe ab dem 15. Dezember zunimmt, lässt sich nur das grobe Muster abschätzen, in welche Richtung die Großwetterlage bis Weihnachten zu kippen vermag. Eine detaillierte Weihnachtsprognose ist erst eine Woche vor dem Fest möglich und in manchen Jahren ist noch nicht einmal das möglich und fällt in den Nowcastbereich.

Woher soll der Winter kommen? Die Druck- und Temperaturanomalie bis Mitte Dezember
Der Ansatz eines Polarwirbelsplits kurz vor Weihnachten © www.meteociel.fr

Was muss passieren, damit es Schnee an Weihnachten geben kann?

Das Problem für den Winter ist die Grundströmung innerhalb des Polarwirbels, welche sich bereits zum 20. November so abgezeichnet hat. Die ungewöhnlich warme Witterung sollte also niemanden überraschen. Sie war und ist ein erwartbares Ereignis. Die Ursache hierfür die Hochdruckzone zwischen Sibirien und Kanada, welche auf den Druckanomalien gut dargestellt wird. Diese Hochdruckzone gilt es zu knacken, dann hat der Winter mit Schnee zu Weihnachten eine bessere Grundlage.

Wetterprognose der Vorhersage-Modelle

Schauen wir uns einmal an, was die Vorhersage-Modelle im Moment berechnen. Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells ist auf einem Antiwinterkurs. Zwar verstärkt sich das Polarhoch in der Vorweihnachtszeit zwischen Alaska und Sibirien, doch verändert es zunächst seine Achse nicht, diese müsste um 90 Grad drehen. Das ist im Ansatz erst zum 20. Dezember zu erkennen.

Da das nicht der Fall ist, bleibt die Tiefdruckaktivität bis zum 19. Dezember auf einem hohen Niveau, was über Deutschland unbeständiges und vergleichsweise warmes Wetter in der Vorweihnachtszeit zur Folge hat. Zudem ist das Potenzial von Starkwindereignissen als hoch einzustufen. Bewertet man die aktuelle Prognose, so hat das am 20. Dezember Temperaturen von +4 bis +8 Grad und über dem Westen von bis +10 Grad zur Folge. Schnee sucht man abseits der Alpen vergeblich - den Winter im Übrigen auch.

Kein Winterwetter in der Vorweihnachtszeit
Kein Winterwetter in der Vorweihnachtszeit © www.meteociel.fr

Ansätze von Winterwetter

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells berechnet in Form eines Hochdrucksystems über den Aleuten eine Störung, welche unter bestimmten Voraussetzungen die Grundströmung innerhalb des Polarwirbels kippen lassen kann.

Doch ist das in der aktuellen Wetterprognose nur bedingt der Fall, da die Störung von den Aleuten aus nach Osten in Richtung Alaska abkippt und so den Zustrom polarer Luftmassen in Richtung Kanada noch verstärkt. Über dem Atlantik hat das eine auflebende Frontalzone zur Folge, welche aus westlichen Richtungen immer wieder Tiefdruckgebiete nach Deutschland führt, teils mit stürmischen Böen und teils auch mit einem sog. Downstream Development, was kurzzeitig polare Luftmassen anzapfen und die Schneefallgrenze absinken lassen kann. Mit Winterwetter ist das jedoch nicht gleichzusetzen.

Hohe Wetteraktivität auf dem Atlantik, keine wesentliche Störung des Polarwirbel, kein Winterwetter in der Zeit vor Weihnachten
Hohe Wetteraktivität auf dem Atlantik, keine wesentliche Störung des Polarwirbel, kein Winterwetter in der Zeit vor Weihnachten © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Winter hat mit Schnee bis Weihnachten kein leichtes Spiel

Die Grundlagen sind für Freunde einer weißen Weihnacht ernüchternd. Vieles spricht im Moment gegen und nur wenig für winterliche Wetterverhältnisse.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Bestätigt wird die unwinterliche Wetterentwicklung im Mittelwert aller Kontrollläufe, deren Temperaturanomalie im Zeitraum vom 10. bis 19. Dezember mit +2 bis +4 Grad weit über dem liegt, was sonst üblich ist. Erst zum 20. Dezember knickt der Temperaturtrend nach unten ab. Also ja, auch wenn der Spielraum für Winterwetter überschaubar ist, so sind weiße Weihnachten (noch) nicht vom Tisch und es sind dafür noch 18 Tage Zeit. In der Analyse von heute Abend schauen wir uns die Struktur des Polarwirbels und die möglichen Ableitungen daraus einmal genauer an.

Kein leichtes Spiel für weiße Weihnachten
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kein leichtes Spiel für weiße Weihnachten © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
12. Dezember +3 bis +12 Grad +8 bis +10 Grad
16. Dezember +2 bis +14 Grad +6 bis +8 Grad
21. Dezember -2 bis +10 Grad +4 bis +6 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Weihnachten an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr

Auch heute Mittag und heute Abend berechnete das amerikanische Wettermodell unwinterliche Wetterentwicklungen. Der Winter war am Nachmittag noch gänzlich ohne Chance, während am Abend unter bestimmten Voraussetzungen winterliche Wetterbedingungen kurz vor dem Fest durchaus möglich wären.

Das aber ist zum einen hochspekulativ und zum anderen äußerst vage. Klar ist nach diesen Berechnungen, dass die Hochdruckzone zwischen Kanada und Sibirien intakt bleibt und somit dem Winter weiterhin einen schweren Stand beschert.

Kein Schnee vor und möglicherweise auch über die Festtage
Kein Schnee vor und möglicherweise auch über die Festtage © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Zustand des Polarwirbels

Sowohl der NAO- als auch der AO-Index bestätigen in der Vorweihnachtszeit einen positiven Trend, was ganz gut zu den obenstehenden Wetterkarten passt. Der Polarwirbel ist im Kern stabil und die atlantische Frontalzone zeigt sich in einem regenerativen Zustand.

Sind Vorhersagen anhand des Polarwirbels möglich

Erneut haben wir heute eine Vielzahl an E-Mails bekommen, ob mithilfe der Strömungen innerhalb des Polarwirbels in Stratosphärenhöhe Wettervorhersagen möglich sind. In aller Kürze: Nein, das ist Unsinn.

Und da wir so viele E-Mails binnen weniger Stunden dazu bekommen haben, an dieser Stelle nochmals ein Auszug aus unserer Sonntagsanalyse:

Der Polarwirbel ist in drei Schichten aufgebaut: der Troposphäre, der unteren Stratosphäre sowie der mittleren und oberen Stratosphäre. Läuft alles rund, wie das normalerweise der Fall ist, sind diese Schichten entkoppelt. Anders formuliert ist die Kopplung von oben nach unten schwach bis diffus. Erst mit einer massiven Störung des Stratosphärenwirbels - beispielsweise durch einen QBO-Ost, ein Major- oder gar Final-Warming - verschiebt sich die Kopplung regimeartig. Bricht der obere Wirbel zusammen, so bricht die Kopplungssperre auf und der Zusammenbruch wirkt sich etwas zeitversetzt auf die unteren Schichten des Polarwirbels aus.

Es ist also unsinnig, das Wetter mithilfe der Grundströmungen in der Stratosphäre vorherzusagen. Das funktioniert in keinem der Zustände, sie sagen lediglich etwas über die Stabilität aus, und ja, ein QBO-Ost oder ein Major-Warming erhöhen die Chancen auf Blocking, negativen NAO- und AO-Index und somit auch für Kältewellen über Mitteleuropa. Das aber ist ein Kann und kein Muss.

Und nochmals in aller Deutlichkeit: Wir sprechen über Wahrscheinlichkeiten und Regime, nicht über am 15. kommt Schnee in München. Also funktioniert das auf keiner Ebene. Man kann den Zustand des Polarwirbels in der Stratosphäre nur als einen von mehreren klimatologischen und dynamischen Randfaktoren nutzen, um Wahrscheinlichkeiten für Zirkulationsregime und damit Tendenzen im Winterwetter abzuschätzen - nicht mehr, nicht weniger.

Zustand des Stratosphärenwirbels

Und wenn wir gerade dabei sind, schauen wir uns den Stratosphärenwirbel einmal genauer an. In den kommenden Tagen baut sich ein kräftigeres Minor-Warming auf, welches seinen Höhepunkt zum 14. Dezember erreicht. Das war es aber auch schon. Minor-Warmings kommen im Winter häufiger vor und haben für das Wetter in den unteren Schichten absolut keine Relevanz.

Die Winde in Stratosphärenhöhe betragen aktuell +54 km/h und steigen bis zum 20. Dezember auf +108 km/h an. Damit ist der Stratosphärenwirbel in dieser Saison deutlich schwächer ausgeprägt als in den Vorjahren. Woran das liegt, darauf gehen wir morgen einmal näher ein. Für den Moment bedeutet das, dass von oben herab der Polarwirbel erst einmal nicht gestört wird.

Von oben herab ist erst einmal nicht mit Störungen des Polarwirbels zu rechnen
Von oben herab ist erst einmal nicht mit Störungen des Polarwirbels zu rechnen © www.meteociel.fr

Fazit: Für die Jahreszeit zu warm, die Unschärfe bleibt erhalten

Die Kontrollläufe berechnen bis zum 15. Dezember eine deutlich zu warme Wetterentwicklung. Darüber hinaus mehren sich die Unsicherheiten und das Temperaturspektrum geht deutlich zurück.

In der Höhe von 1.500 Metern liegen die Temperaturen am 16. Dezember noch zwischen +3 und +4 Grad und sinken bis zum 22. Dezember auf +0 bis -3 Grad ab. Für weiße Weihnachten bis auf das Flachland herab sind Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für die mittleren Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Also ja, das Temperaturniveau sinkt ab, doch reicht es noch nicht für Winterwetter. Das Interessante an den Kontrollläufen aber ist, dass sich heute Abend 45 Prozent der Kontrollläufe unterhalb der -3-Grad-Marke einsortieren.

Es bleibt also dabei. Bis zum 15. Dezember ist eine deutlich zu warme Wetterentwicklung sehr wahrscheinlich, darüber hinaus nimmt das Entwicklungsspektrum wieder zu.

Vor diesem Hintergrund aber ist die Wetterprognose des europäischen Wettermodells ernüchternd und ein Hoffnungsschimmer zugleich. Kein Winter, noch nicht einmal ansatzweise. Stattdessen eine bemerkenswert stabile Erhaltungsneigung, was die Temperaturen bis zum 22. Dezember auf +8 bis +12 Grad einpendeln lässt. Bei Dauernebel orientieren sich die Werte um die +5-Grad-Marke schwankend. Schaut man sich die Struktur des Polarwirbels an, so erkennt man eine deutliche Schwächung. In diesem Sinne, Ihnen einen wunderbaren Samstagabend.

Der Winter tut sich schwer
Der Winter tut sich schwer © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)